Verkehr - Stuttgart:Abgenutzte Räder: Viele S-Bahn-Fahrzeuge müssen in Werkstatt

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Baden-Württemberg
Fahrgäste steigen an einem Gleis des Tiefbahnhofs im Hauptbahnhof aus einer S-Bahn. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Stuttgart (dpa/lsw) - Für Zehntausende von Pendlern rund um Stuttgart könnten die kommenden Tage ziemlich bitter werden, für viele ist es auch ein Déjà-vue. Wegen abgenutzter Räder sind erneut zahlreiche S-Bahn-Züge der am stärksten genutzten Baureihe aus dem Verkehr gezogen und in die Werkstatt gebracht worden. Bei regelmäßigen Tests der Baureihe 430 sei festgestellt worden, dass sich die Räder stärker abgenutzt hätten als erwartet. "Die Fahrzeuge müssen umgehend für eine Untersuchung in die Werkstatt und können bis auf weiteres nicht eingesetzt werden", teilte die Bahn mit. Nach Angaben des Sprechers ist unklar, wie lange die Züge nicht genutzt werden können.

Ein Zug kann laut DB aus einem, aus zwei oder auch aus drei aneinandergehängten Fahrzeugen bestehen. Insgesamt fallen nach Angaben eines Bahnsprechers 97 von derzeit 157 S-Bahn-Fahrzeugen aus. Neben der Baureihe 430 ist die Bahn noch mit 60 Fahrzeugen der Reihe 423 unterwegs.

Betroffen sind die Linien S1, S12, S2, S23 und S15. "Hier kann ab sofort nur ein sehr eingeschränktes Angebot gefahren werden", räumte die Bahn ein. Das heißt im Detail: Wegen der eingeschränkten Zahl fahren die Züge der Linien S1 und S23 "bis auf weiteres" nicht mehr zwischen Stuttgart-Vaihingen und Stuttgart Hauptbahnhof. Die Züge der Linie S1 sind jeweils halbstündlich in den zwei Abschnitten Herrenberg-Stuttgart Vaihingen und Stuttgart Hauptbahnhof sowie Hauptbahnhof nach Kirchheim (Teck) unterwegs. Die Züge der Linie S23 fahren im 30-Minuten-Takt zwischen Hauptbahnhof und Waiblingen/Backnang. Zwischen Filderstadt und Stuttgart-Vaihingen pendelt die S-Bahn.

Auf den gesonderten Linien S12 und S15, mit denen Linienabschnitte der S1, S2 und S5 montags bis freitags zum üblichen 15-Minuten-Takt verdichtet wurden, fallen die Züge aus. Die Züge der Linien S4, S5, S6/S60 fahren planmäßig weiter.

Eine mögliche Ursache vermutete die Bahn am Donnerstag auf der Strecke zwischen Vaihingen und Hauptbahnhof. Die kurvenreiche sogenannte Panoramastrecke wird als Umleitung für die derzeit geschlossene Stammstrecke der S-Bahn genutzt. Dort war nach ähnlichen Untersuchungen bereits im vergangenen Sommer drei Schmieranlagen in Betrieb genommen worden, um die Reibung zwischen Rädern und Schienen in den engen Bögen zu reduzieren. "Durchgeführte Testfahrten und Messungen sind positiv verlaufen", teilte ein Bahnsprecher mit. Nach den erneuten Entdeckungen haben Experten nach Angaben des Sprechers "die Untersuchungen zum komplexen Zusammenspiel von Rad und Schiene umgehend wieder aufgenommen".

Im vergangenen Sommer war der bereits damals eingerichtete Ferien-Ersatzverkehr auf der Strecke nach knapp drei Wochen wegen zu großen Verschleißes eingestellt worden. Daraufhin waren sowohl die Fahrzeuge der Baureihe 430 des Herstellers Bombardier als auch die Strecke von der DB Systemtechnik 2021 unter die Lupe genommen worden. Bereits damals waren in einem Bericht der Kurvenradius, Radstand, Raddurchmesser und die Anordnung der Drehgestelle für die höhere Reibung auf der Panoramastrecke ausgemacht worden. Die Strecke wird normalerweise von IC- und RE-Zügen genutzt.

Auch auf der kurvenreichen Schwarzwaldbahn hatte die Bahn nach einem Räder-Check zuletzt die Notbremse gezogen. Dort war bei turnusmäßigen Untersuchungen ebenfalls eine erhöhte Abnutzung der Räder festgestellt worden, betroffen sind Doppelstockfahrzeuge. Seit Ende Juni müssen Fahrgäste zwischen Hausach (Ortenaukreis) und St. Georgen (Schwarzwald-Baar-Kreis) in Busse umsteigen. Dadurch verlängert sich die Reisezeit erheblich.

© dpa-infocom, dpa:220818-99-426944/9

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