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Verkehr - Sachsen-Anhalt:Senioren geben Führerschein ab: Bereitschaft unterschiedlich

Magdeburg (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt verzichten immer wieder Senioren freiwillig auf ihren Führerschein, weil sie sich dem Verkehr nicht mehr gewachsen fühlen. Dabei gibt es sehr große regionale Unterschiede, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Landkreisen und kreisfreien Städten ergab. Im Saalekreis waren es 2018 laut einer Sprecherin 29, im Burgenlandkreis 16 und im Landkreis Stendal 15 Senioren, die offiziell auf das Fahren verzichteten. In Halle konnten sich die Mitarbeiter der Führerscheinstelle nur an einen Senioren erinnern, im Landkreis Harz gab es niemanden. Mehrere Kreise und die Stadt Magdeburg können mangels Statistik keine Zahlen liefern.

"Ich finde es ganz richtig, wenn jemand den Führerschein abgibt, aber das sollte jeder selbst einschätzen", sagte die Vorsitzende der Landesseniorenvertretung Sachsen-Anhalt, Angelika Zander. Es gehe um die eigene Sicherheit, aber auch um die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer.

In der Verkehrsunfallstatistik, die Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) vor wenigen Tage vorstellte, spielen Senioren zunehmend eine Rolle. Es gibt aufgrund der Bevölkerungsentwicklung mehr von ihnen. So seien Senioren im vergangenen Jahr an knapp 15 600 Unfällen beteiligt gewesen, 1,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Rund 13 Prozent der Verkehrsunfälle mit Getöteten wurden durch Senioren ab 75 Jahre verursacht. Die Zahl der verunglückten Senioren stieg um 1,5 Prozent auf rund 1600. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Senioren um 35 Prozent auf 32 zurück.

Ob Parkplatzrempler oder schwererer Unfall: Für viele Senioren ist die Einsicht, sich nicht mehr hinter das Lenkrad zu setzen, sehr schwer, sagte Seniorenvertreterin Angelika Zander. Weil es innerhalb der Familie ein heikles Thema ist, setzt sie eher auf den Rat von Hausärzten als Vertrauensperson. "Die sollten das im Blick haben und einen Augentest oder einen Hörtest nahelegen."

Deutlich ist, dass nicht nur Senioren aufgrund gesundheitlicher Probleme auf die Fahrerlaubnis verzichten. Im Saalekreis waren das einer Sprecherin zufolge neben den 29 über 65-Jährigen auch 8 Frauen und Männer, die jünger waren. Ein Sprecher des Landkreises Wittenberg, wo jährlich etwa 10 bis 20 Senioren freiwillig ihre Fahrerlaubnis zurückgeben gab den Hinweis, dass jeder auch mit Führerschein das Auto stehenlassen oder abschaffen könne.

Im Altmarkkreis Salzwedel etwa haben laut einer Sprecherin sechs Personen über 65 Jahren auf ihre Fahrerlaubnis verzichtet, im Jahr zuvor waren es sieben Leute. Im Landkreis Stendal wurden im vergangenen Jahr 15 gezählt nach 11 im Jahr 2017. "Neben dem Alter sind auch vorhandene Krankheiten ein Beweggrund zur freiwilligen Abgabe des Führerscheins von Bürgern über 65 Jahre. Wobei das Krankheitsbild meist der Hauptbeweggrund des freiwilligen Verzichtes ist", teilte eine Sprecherin mit.

Aus dem Bördekreis und dem Landkreis Harz hieß es, ältere Bürger hätten keine Führerscheine freiwillige abgegeben. Der Salzlandkreis, die Landkreise Jerichower Land und Anhalt-Bitterfeld sowie die Landeshauptstadt Magdeburg hatten keine Zahlen parat.

Angelika Zander von der Landesseniorenvertretung "In der Stadt ist es nicht das Problem, aber im ländlichen Raum steht die Frage nach den Alternativen." Dort sei das eigene Auto für viele die einzige Bewegungsmöglichkeit, weil schlichtweg kein Bus mehr fährt.

In mehreren Regionen sind Rufbusse unterwegs, zudem gibt es für Senioren in der Regel vergünstigte Abos und Tickets für den öffentlichen Nahverkehr. Im Landkreis Wittenberg hat es laut dem Sprecher schon eine Reihe von Angeboten gegeben - vom Einkaufsbus über bürgerschaftliche Initiativen. Letztlich funktionierten sie aber in der Regel nicht - sie wurden nicht genutzt.