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Verkehr - Hamburg:Verkehrsfluss-Erfassung: Hamburg sieht sich als Vorreiter

Hamburg (dpa/lno) - Die Hansestadt Hamburg erfasst den innerstädtischen Verkehrsfluss nun rund um die Uhr mit Wärmebildkameras und sieht sich mit dieser Echtzeit-Erfassung als Vorreiter in Europa. Am Donnerstag ging die automatisierte Verkehrsmengenerfassung von Autos, Lkw und Zweirädern in Betrieb. Sie sei wichtig für die Lenkung und weitere Planung des Verkehrs in der Stadt und in der Metropolregion, sagte Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos). Es könne schneller auf Staus reagiert und präziser geplant werden. Hamburg sei europaweit die erste Stadt, die diese Technik flächendeckend installiere, ergänzte der Senator. Das Zählen per Hand und nur einmal im Jahr werde allmählich überflüssig.

Mit den Wärmebildkameras werden die Verkehrsdaten anonymisiert erhoben; das heißt, auf den Bildern sind weder Personen noch Kennzeichen zu erkennen, sondern nur Fahrzeuge. Derzeit seien 115 Kreuzungen mit zwei bis acht solcher Kameras ausgestattet, berichtete Volker Rech, technischer Geschäftsführer der Hamburger Verkehrsanlagen GmbH. Bis Ende nächsten Jahres sollen an Ampeln und Laternen 2000 Kameras installiert sein, wodurch an rund 420 Kreuzungen der Verkehr erfasst werden könne. An rund 40 Stellen wie Velorouten und Knotenpunkten wird Radverkehr aufgezeichnet (Hamburger Radverkehrszählnetz). "Wir messen den Pulsschlag des Verkehrs", sagte Rech. Er könne witterungsunabhängig erfasst werden.

Die Zahlen sollen auf eine offene städtische Daten-Plattform eingespeist und von Herbst an kostenlos zur Verfügung stehen. Die Daten können dann von Verkehrsplanern, Baustellenkoordinatoren und der Verkehrsleitzentrale der Polizei, aber auch von Navigationsherstellern und App-Entwicklern genutzt werden. Auch für die Bürger werden sie auf der Plattform einsehbar sein.

Die Anwendungen gehören zu derzeit rund 60 laufenden Projekten der Stadt für Intelligente Verkehrssysteme (ITS), die beim internationalen ITS-Kongress im Oktober 2021 in Hamburg präsentiert werden sollen. Die Gesamtkosten beider Projekte werden mit knapp 23 Millionen Euro angegeben, wovon 12,4 Millionen vom Bund kommen.

Dem verkehrspolitischen Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Ewald Aukes, reicht das "reine Erfassen von Verkehrsteilnehmern" nicht aus: Hamburg müsse auch entsprechend handeln können, "was angesichts fehlender intelligenter Ampelsteuerungen in weiten Teilen der Stadt bislang nicht umsetzbar ist".