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Verkehr:Gewinner und Verlierer der Punktereform

Stuttgart (dpa) - Das neue Punktesystem der Verkehrssünderkartei in Flensburg tritt am 1. Mai in Kraft. Es wird wohl Gewinner und Verlierer haben. Die Auswirkungen werden sich laut den Autoclubs aber erst nach und nach zeigen.

Gewinner:

Verkehrssicherheit: Ziel der Reform ist eine Stärkung der Verkehrssicherheit - und nach Einschätzung von ADAC-Jurist Jost Kärger könnte sie wirklich der Gewinner sein. Mit Punkten bestraft werde eben nicht mehr, wer ohne Plakette in Umweltzonen fahre, sondern wer die Sicherheit gefährde.

Durchschnittssünder:Auch der Durchschnittssünder könnte ein Gewinner sein, da die meisten Punkte automatisch nach zweieinhalb Jahren verfallen, egal was in der Zwischenzeit passiert. Bisher war das nicht so klar geregelt, neue Verstöße konnten die Verjährung alter Punkte hemmen.

Fußgänger: Eventuell können auch die Fußgänger zu den Gewinnern zählen, hieß es bei den Experten. Ihre Verstöße werden in der Regel mit Bußgeldern von 5 bis 10 Euro geahndet, einen Punkt gibt es ab 60 Euro. Heißt: Fußgänger müssen sich zum Punktesammeln schon extrem daneben benehmen - also etwa Unfallflucht begehen oder Bahnschienen bei geschlossener Schranke überqueren. Das sei bisher aber ganz ähnlich gewesen.

Rechtsanwälte: Mit einem Augenzwinkern sieht der Autoclub ACE die Rechtsanwälte auf der Gewinnerseite. "Das ist alles so kompliziert, dass die sicher viel zu tun bekommen", unkt ACE-Jurist Volker Lempp.

Verlierer:

Verkehrsrowdys: Für die echten Verkehrsrowdys droht der Führerscheinentzug jetzt deutlich schneller. Der vierte gröbere Verstoß, der mit zwei Punkten und einem befristeten Fahrverbot verbunden ist, bedeutet das Ende. "Der ist dann aber auch schon dreimal für mindestens einen Monat zu Fuß gegangen und ist zweimal schriftlich ermahnt und verwarnt worden", betont ADAC-Jurist Kärger.

Berufsfahrer: Auch die Berufsfahrer könnten im neuen, strafferen System schneller in die Nähe des Führerscheinentzugs geraten, warnt der ACE. Zwar seien sie für Ladungsverstöße oder Mängel an ihrem Fahrzeug meist nicht allein verantwortlich, sagte Jurist Lempp, als "schwächstes Glied in der Kette" gingen die Strafpunkte aber auf ihr Konto und bedrohten schneller als bisher ihre Existenz.

Psychologen:Psychologen, die Fahreignungsseminare für Verkehrssünder anbieten, könnten aus ACE-Sicht in Zukunft weniger Kunden haben. Konnte der Verkehrssünder bisher mit der Teilnahme an solchen Seminaren vier Punkte auf einmal tilgen, sei es jetzt nur noch einer. "Da ist der Anreiz natürlich nicht so groß", sagte Lempp. Ein Seminar kostet laut ACE bis zu 400 Euro.

Telefonierer:Notorische Telefonierer bekamen den Führerschein bisher erst abgenommen, wenn sie zum 18. Mal mit dem Handy am Ohr erwischt wurden. In Zukunft ist das schon beim 8. Mal der Fall. Wobei ADAC-Jurist Kärger betont, dass die Unbelehrbarkeit des Autofahrers sicher auch schon beim 7. Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren zu erkennen sein sollte. Danach verfällt der erste Punkt schon wieder.

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