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Verkehr - Bautzen:Junge-Leute-Ticket für Sachsen ab August 2019 geplant

Dresden (dpa/sn) - In Sachsen soll im Sommer 2019 ein Junge-Leute-Ticket eingeführt werden. Darauf hätten sich die Geschäftsführer der Verkehrsverbünde mit den Landräten verständigt, sagte der Bautzener CDU-Landrat Michael Harig am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte "MDR Aktuell" berichtet. Nach diesem Modell könnten junge Menschen künftig zwischen dem 14. und 26. Geburtstag für 48 Euro pro Monat in einem Verkehrsverbund Zug und Bus fahren - für fünf Euro zusätzlich können sie einen weiteren Verkehrsverbund nutzen.

"Wir haben ein gutes Angebot, das über die Forderung von Handwerkskammern und IHK hinausgeht", sagte Harig. Denn im Gegensatz zum geforderten Azubi-Ticket sei das Junge-Leute-Ticket unabhängig von Beruf oder Ausbildung und nur an das Alter gebunden. Die Kosten werden derzeit errechnet, dann müsse man über die Gelder reden, so Harig. "Aber wir können das Junge-Leute-Ticket zum 1. August 2019 einführen, wenn wir alle wollen." Auch zum Thema eines einheitlichen Sachsentarifs und einem Plus-Bus-Netz wollen sich die Landräte verständigen - so sollen etwa bis zum Januar Linienvorschläge für Buslinien auf dem Land gemacht werden.

Damit kommen die Landräte, die teilweise auch die Vorsitzenden der sächsischen Verkehrsverbünde sind, Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) entgegen. Dieser hatte den Landräten unter anderem vorgeworfen, keine akzeptable Lösung für das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Bildungsticket unterbreitet zu haben und die Gründung einer Landesverkehrsgesellschaft angekündigt.

"Es hat mich natürlich sehr gefreut, als ich gehört habe, dass die Zweckverbände ohne Landesunterstützung jetzt bereit sind, ein Junge-Leute-Ticket auf den Weg zu bringen", sagte Dulig am Donnerstag und sprach von einem "attraktiven Angebot" für junge Menschen. An der Gründung einer Landesverkehrsgesellschaft, die den Schienenpersonenverkehr in Sachsen künftig zentral regelt, will Dulig aber festhalten. "Wir brauchen kein verkehrspolitisches Kirchturmdenken von vorgestern. Dort, wo bürokratische Strukturen und Kleinstaaterei den Fortschritt behindern, schaffen wir sie ab."

Wenn sich die Landräte konstruktiv an der Gestaltung der Landesverkehrsgesellschaft beteiligten, sei es möglich, bereits auf dem Weg dahin die Mittel des Haushalts entsprechend fließen zu lassen, stellte Dulig in Aussicht.

Landrat Harig will dagegen an bewährten Strukturen festhalten und warnte bei einer zentralen Organisation des Nahverkehrs vor Einschnitten gerade im ländlichen Raum. Wenn der Gesetzgeber das System ändern wolle, "dann nach dem Prinzip: Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen."

"Aus Handwerkssicht spricht nichts gegen die nunmehr von sächsischen Verkehrsverbünden und Landräten gefundene Kompromissformel, ab August 2019 statt eines Azubi- oder Bildungstickets ein Junge-Leute-Ticket einzuführen", sagte dagegen der Präsident des Sächsischen Handwerkstages, Roland Ermer. Er rief alle Beteiligten auf, sich möglichst schnell an einen Tisch zu setzen und das Junge-Leute-Ticket als Lösung anzuerkennen.