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Verkauf von Kaufhof:Warum Hudson's Bay nach Europa kommt

Kaufhof Köln

Hudson's Bay übernimmt Kaufhof und kommt so nach Europa. Szene aus Köln

(Foto: dpa)
  • Für 2,8 Milliarden Euro übernimmt Hudson's Bay Company die Warenhauskette Kaufhof. Selbst die Gewerkschaft Verdi stimmt für den Verkauf.
  • Verlierer des Deals ist der österreichische Karstadt-Eigentümer René Benko. Er hatte ebenfalls mitgeboten.
  • Die neuen Eigner sind auch im Immobiliengeschäft aktiv. Etwa zwei Drittel der Kaufsumme sollen auf die Kaufhof-Immobilien entfallen.
  • HBC will in die Kaufhof-Filialen investieren. Auch die Luxusmarke Saks soll in die Filialen einziehen.

Analyse von Kirsten Bialdiga, Köln

Am Ende waren sich dann doch alle einig. Am Sonntagabend war es, da erteilte der Metro-Aufsichtsrat seine Zustimmung zum Verkauf von Galeria Kaufhof für 2,8 Milliarden Euro an die kanadische Hudson's Bay Company (HBC). Die Kontrolleure fällten die Entscheidung zum Verkauf des Traditionsunternehmens dem Vernehmen nach in einer Telefonkonferenz - und alle sollen zugestimmt haben. Auch die Vertreter der Gewerkschaft Verdi, die dem Käufer mit gesundem Misstrauen begegnen. Drei Jahre lang soll es keine Filialschließungen beim Kaufhof geben und auch keinen Stellenabbau, musste HBC auf Verlangen der Metro zusichern.

Wochenlang hatten die Metro-Aufsichtsräte zuvor die Alternativen hin- und hergewogen. Hatten sich gefragt, ob der nordamerikanische Investor HBC der bessere Käufer für den Kaufhof sein würde - oder der österreichische Karstadt-Eigentümer René Benko, der ebenfalls knapp drei Milliarden Euro geboten haben soll. Er wollte aus Karstadt und Kaufhof eine Deutsche Warenhaus AG schmieden.

Den Ausschlag für die Nordamerikaner hätten am Ende das schlüssigere Konzept gegeben sowie Finanzierungsfragen, hieß es in Verhandlungskreisen. Oder wie Metro-Chef Olaf Koch es formulierte: "Die Bewertung passt, der Partner ist tatsächlich in der Lage, den Kauf zu stemmen - und sein Konzept ist zukunftstauglich."

Mit dem Verkauf der Warenhaus- und Sportkette Kaufhof mit ihren 140 Filialen und 21 500 Beschäftigten geht in Deutschland eine Ära zu Ende. Seit 1996 hatten die Kaufhäuser dem Handelskonzern Metro gehört, der das 136 Jahre alte Unternehmen zunächst mit großem Elan betrieb, zuletzt aber nicht mehr zum Kerngeschäft zählte. In dieser Zeit lief Kaufhof dem damaligen Marktführer Karstadt nach und nach den Rang ab. Während Konkurrent Karstadt sich am Kauf von Hertie verhob und unter der Führung von Thomas Middelhoff die Warenhausimmobilien verkaufte, verfügt Kaufhof noch heute über etwa 60 eigene Kaufhaus-Immobilien. Für den Erfolg eines Warenhauses ist der Immobilienbesitz von großer Bedeutung: Hohe Mieten können eine Filiale leicht in ihrem Bestand gefährden.

Es kommt daher nicht von ungefähr, dass beide Kaufhof-Interessenten, HBC-Präsident Richard Baker und Karstadt-Eigner Benko, auch Immobilieninvestoren sind. Rund zwei Drittel des Kaufpreises von 2,8 Milliarden Euro, von dem noch Pensionsverpflichtungen und Schulden in nicht genannter Höhe herunterzurechnen sind, entfallen früheren Angaben zufolge auf die Kaufhof-Immobilien - und nicht auf den eigentlichen Geschäftsbetrieb.

Für HBC-Chef Baker ist die Kaufhof-Übernahme nicht der erste Deal dieser Art. Seine Beteiligungsgesellschaft NRDC übernahm 2006 die US-Kaufhauskette Lord & Taylor, zwei Jahre später die kanadische Hudson's Bay, den ältesten Händler Nordamerikas, und vor zwei Jahren die US-Luxuskette Saks Fifth Avenue mit ihrem Glamour-Store in New York.

Die Finanzierung folgt dabei stets einem ähnlichen Muster: HBC hält an den Immobilien fest, bringt sie aber größtenteils in eine Joint-Venture-Gesellschaft ein, an der die Amerikaner das Gros der Anteile halten. So sichern sie sich bei den Banken bessere Finanzierungskonditionen - für die Kaufhof-Übernahme muss sich HBC kaum neu verschulden. Nach dem Erwerb kommt HBC auf umgerechnet neun Milliarden Euro Umsatz und 464 Standorte.

Die Kanadier wollen die Edelmarke Saks Fifth Avenue in die Kaufhof-Filialen holen

Die Kaufhof-Übernahme ist für HBC der erste Aufschlag in Europa. "Dies ist ein historischer Schritt für beide Unternehmen", sagte HBC-Auslandschef Don W. Watros. Die Kaufhausketten ergänzten sich. "In der Welt, in der wir leben, hat der Größere gegenüber dem Kleineren Vorteile." Es sei geplant, in die Kaufhof-Häuser zu investieren, in das Interieur, die Beleuchtung, die Präsentation und das Sortiment, sagte Watros, ohne die geplanten Investitionen zu beziffern. Auch die Luxusmarke Saks soll in die Kaufhof-Filialen einziehen.

Wachsen soll auch der Onlinehandel, hier vor allem der Einkauf über verschiedene Kanäle. Künftig etwa soll es kein Problem mehr sein, Waren in einer Kaufhaus-Filiale auszuprobieren, sie dann an ein günstiger gelegenes Haus liefern zu lassen - oder aber gleich nach Hause. "Warenhaus und Internet sind eine ideale Kombination", sagte HBC-Präsident Baker. Ein reiner Onlinehändler habe keine Möglichkeiten, seine Ware so zu präsentieren.

Um die spezifischen Vorlieben der hiesigen Kaufhauskunden zu treffen, will HBC am Kaufhof-Management rund um Lovro Mandac und Olivier Van den Bossche ebenfalls für mindestens drei Jahre festhalten. "Nur ein einheimisches Management-Team kann den Kunden am Ort wirklich verstehen", sagte HBC-Chef Jerry L. Storch. Der Sitz der Kaufhof-Verwaltung soll in Köln bleiben.

Seit Jahren schon hatte Metro-Chef Koch nach einem Käufer für den Kaufhof gesucht. Obwohl die Kaufhäuser im Metro-Konzern zuletzt zu den profitabelsten Geschäften zählten.

Doch der finanzschwache Metro-Konzern sieht seine Schwerpunkte für Investitionen künftig anderswo: Bei den Elektronikmärkten von Media-Saturn und bei der Supermarkttochter Real. Den Verkaufserlös kann Metro daher gut gebrauchen. Der Kaufhof-Verkauf bringt der Metro nicht nur einen Sonderertrag von 700 Millionen Euro beim Betriebsergebnis. Zugleich sinken die Nettoschulden um 2,7 Milliarden Euro. Analysten begrüßten den Verkauf. Dieser sei eine gute Nachricht für die Metro-Aktionäre, etwa die Haniel-Gruppe, erklärte die DZ Bank. Trotzdem brachen Metro-Aktien um fast fünf Prozent ein. Offenbar enttäuschte der Kaufpreis.

Dagegen wird die Übernahme in Kaufhof-Kreisen begrüßt. Zusammen mit HBC könne es dem Kaufhof gelingen, neue attraktive Marken auf die Flächen zu holen, sagte ein hochrangiger Manager. Einen Zusammenschluss mit Karstadt zu einer Deutschen Warenhaus AG hätten auch die Kaufhof-Arbeitnehmervertreter mit Skepsis gesehen. Sie befürchteten, dass es über kurz oder lang an Doppelstandorten zu Filial-Schließungen gekommen wäre.

Metro-Chef Koch sieht sich an diesem Montag in Köln bestätigt, Kaufhof nicht vor drei Jahren schon verkauft zu haben. Weder die Bewertung noch die Finanzierung noch das Konzept hätten seinerzeit überzeugt, meint er. Einer der Bieter damals: René Benko.

© SZ vom 16.06.2015

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