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Verhütung:Kondome werden knapp

Produktion Kondome bei ´Ritex"

Wenn Pariser fehlen, trifft das besonders Entwicklungsländer.

(Foto: dpa)

Die Nachfrage nach Kondomen steigt seit der Corona-Krise rasant. Der Weltmarktführer warnt nun vor Produktionsproblemen.

Im Fernsehen läuft kein Fußball, raus darf man sowieso nicht: Social Distancing hat das öffentliche Leben lahm gelegt, die Distanz in den Betten der Welt scheint dagegen abzunehmen. Viele nutzen die freie Zeit und erzwungene Nähe zum Lebenspartner für körperliche Nähe. Das legen die Bewegungen auf dem Kondom-Markt nahe.

Die Nachfrage steigt, gleichzeitig sinkt das Angebot. Deshalb warnt Marktführer Karex aus Malaysia, der jedes fünfte Gummi der Welt herstellt, nun vor einem globalen Engpass. Die drei malaysischen Fabriken standen bereits mehr als eine Woche lang still, die Regierung des Landes hatte die Produktion gestoppt, um die Ausbreitung des Coronavirus aufzuhalten. Schon jetzt habe das Unternehmen deshalb 100 Millionen Kondome weniger produziert als üblich. Karex stellt mehr als fünf Milliarden Präservative pro Jahr her und exportiert sie in mehr als 140 Länder, wo sie unter Markennamen wie Durex und Carex verkauft werden. Auch in den anderen beiden großen Produzentenländern China und Indien stehen viele Fabriken still.

Der Hersteller Ritex aus Bielefeld erlebt den größten März-Umsatz seiner Geschichte

Etliche Länder wie Australien, Frankreich und auch Deutschland melden derweil, dass die Menschen deutlich mehr Kondome kaufen - wenn es denn welche gibt. Noch sind leere Regale wohl aber nur eine Momentaufnahme. So waren Kondome in einer Lidl-Filiale in Wuppertal schon vor zwei Wochen vergriffen - allerdings nur kurzfristig, Nachschub war auf dem Weg. Der Hersteller Ritex aus Bielefeld erlebte in den vergangenen Wochen "extreme Absatzsteigerungen", sagte eine Firmensprecherin. Sie hätten sich zuletzt wieder ein wenig normalisiert. Trotzdem erlebt Ritex gerade den stärksten März-Umsatz in der Geschichte: rund 12,7 Millionen verkaufte Kondome. Im März 2019 waren es nur 6,7 Millionen. Das Unternehmen produziert ausschließlich in Deutschland, der Nachschub ist also nicht durch Fabrikschließungen in Asien gefährdet. Auch die Rohstofflager in Bielefeld seien noch gut gefüllt. "Als Medizinproduktehersteller haben wir generell hohe Hygienestandards im Einsatz, sodass unsere Produktionsabläufe durch die aktuelle Situation nicht eingeschränkt werden müssen", sagte eine Sprecherin. Ritex rechne nicht mit Engpässen.

Vorerst besteht also wohl kein Anlass, auf steigende Geburtenraten in Deutschland zu hoffen. In anderen Ländern, in denen ungewollte Schwangerschaften ein größeres Problem sind als hier, hat der drohende Kondom-Engpass weniger heitere Konsequenzen. Karex beliefert unter anderem den Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, der die Kondome in Entwicklungsländern verteilt. Wegen dieser besonderen Bedeutung erteilte Malaysias Regierung dem Unternehmen am Freitag eine Genehmigung, die Produktion wieder aufzunehmen, allerdings nur mit der Hälfte der normalen Belegschaft. Doch angesichts der verringerten Kapazität und einer gewissen Anlaufzeit für die Fabriken werde Karex die Nachfrage nicht bedienen können. "Wir werden überall auf der Welt einen Mangel an Kondomen erleben, was beängstigend sein wird", sagte Firmenchef Goh Miah Kiat der britischen Zeitung The Guardian. "Meine Sorge ist, dass für viele humanitäre Programme in Afrika die Knappheit nicht nur zwei Wochen oder einen Monat betragen wird. Dieser Mangel kann sich über Monate hinziehen."

Mit sinkender Nachfrage rechnet Karex in absehbarer Zeit nicht, sagte Goh. "Angesichts der Tatsache, dass die Menschen zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht planen, Kinder zu bekommen. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, bei so viel Unsicherheit."

© SZ vom 31.03.2020

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