Vergütung Ohne Rücksicht auf Verluste

Boni trotz magerer Gewinne: Die Deutsche Bank zahlt ihren Mitarbeitern seit Jahren hohe Erfolgsprämien.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Zugespitzt formuliert könnte man sagen, bei der Deutschen Bank herrsche eine Art Kommunismus: Während die Arbeitnehmer dort seit 2010 insgesamt gut 23 Milliarden Euro Boni kassierten, mussten sich die Aktionäre mit mageren vier Milliarden Euro Dividendenausschüttung für ihre Aktien zufriedengeben. Das war auch 2018 nicht anders: Zwar verringerte sich der Bonus-Pool für die knapp 92 000 Beschäftigten des Instituts von 2,3 Milliarden Euro im Vorjahr auf nur noch 1,9 Milliarden Euro. Die Bank beschäftigte aber auch fast 6000 Personen weniger. Immer noch 643 Mitarbeiter werden im Geschäftsbericht als einkommensstarke Mitarbeiter aufgeführt, verdienten mithin mehr als eine Million Euro - das sind deutlich mehr als in jedem anderen Dax-Konzern. Und die Aktionäre? Sie werden sich 2018 wohl mit 270 Millionen Euro Dividende zufriedengeben müssen. Ganz zu schweigen von den Kursverlusten.

Haben die Aktionäre also einfach Pech gehabt? Schließlich ist es eben riskant, am Kapitalmarkt zu investieren. Das aber ist nur ein Aspekt der Angelegenheit: Die hohen Boni in den vergangenen Jahren führten auch dazu, dass die Eigenkapitaldecke des Instituts zeitweise gefährlich dünn wurde. Man zahlte die Zulagen nämlich auch in Jahren, in denen das Geldhaus Verlust machte. Dieses Gebaren wiederum schwächte die Deutsche Bank empfindlich: Spätestens seit der Finanzkrise zählt für eine globale Bank kaum mehr als ihre Kapitalstärke, um sich gegen die internationale Konkurrenz durchzusetzen.

Warum aber ist es für die Bank so schwer, die Boni auch einmal auszusetzen, wenn es schlecht läuft? In anderen Branchen ist das schließlich auch möglich. Schuld ist ein Dilemma, mit dem alle Investmentbanken kämpfen: Ihre Mitarbeiter gelten als wenig loyal, ziehen rasch von einer Adresse zur nächsten. Gerade jetzt, da die Deutsche Bank hart um Marktanteile kämpfe, müsse man "in Leute investieren und international wettbewerbsfähig bleiben", heißt es zur Erklärung. Nur in einem Jahr traute sich der ehemalige Vorstandschef John Cryan, die Boni ausfallen zu lassen, sah sich dann aber gezwungen, wieder zur alten Vergütungspraxis zurückzukehren. Vor allem US-Banken versprechen ihren Mitarbeitern weiterhin steigende Extras, während sich die Händler europäischer Banken mit niedrigeren Boni zufrieden geben müssen. Das nutzen die Mitarbeiter gern als Drohpotenzial.

Tatsächlich zeigt ein Blick in den gerade veröffentlichten Personalbericht der Bank, dass allen voran die Mitarbeiter in den USA, Großbritannien und Asien am wenigsten loyal sind. Dort arbeiten vorwiegend Investmentbanker. Während in New York 2018 fast jeder vierte Mitarbeiter kündigte, war es in Deutschland nur jeder zwanzigste.