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Vergleichsportal:Check 24 will Provisionen nicht offenlegen

Vergleichsportale erhalten von den Anbietern Geld. Wie viel, das soll künftig bekannt werden. Check 24 wehrt sich: Konzerne wie VW müssten ihre Margen auch nicht preisgeben.

Von Friederike Krieger

Das Vergleichsportal Check 24 wehrt sich gegen Forderungen der Politik, Provisionen gegenüber den Kunden offenzulegen. "Das ist völlig untypisch in der deutschen Wirtschaft", sagte Unternehmensgründer Henrich Blase bei einem Pressegespräch in München. "Ein Unternehmen wie VW würde zum Beispiel auch nie seine Margen preisgeben."

Internetportale wie Check 24 und Verivox, auf denen Kunden Versicherungen, Kredite, Strom- und Gastarife oder Reisen vergleichen können, erleben momentan starken Widerstand. Erst kritisierten die Verbraucherschützer, dass die Unternehmen oft nur einen unvollständigen Marktüberblick lieferten und Kunden nicht immer den besten Preis erhielten. Dann forderten die Verbraucherschutzminister des Bundes und der Länder, dass die Vergleichsportale die Provisionen offenlegen sollen, die sie von den Anbietern bei Vermittlung eines Vertrags erhalten. Die Befürchtung der Politiker: Wenn die Portale von einem Unternehmen eine höhere Provision erhalten als von einem anderen, hätten sie einen Anreiz, die Suchergebnisse zu verändern. Sie könnten den Anbieter, der mehr Geld zahlt, ganz oben im Vergleich listen. "Bei uns haben die Provisionen keinen Einfluss auf die Vergleichsergebnisse", sagte Geschäftsführer Christoph Röttele. Check 24 hat im Geschäftsjahr 2014/2015 etwa 330 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, der Großteil davon stammt aus Provisionen. Wie viel davon auf den einzelnen Vertrag entfällt, könne Check 24 nicht preisgeben. "Wie in vielen Branchen sind die Provisionen auch bei uns ein Betriebsgeheimnis", sagte Röttele.

Die Portale haben die Befürchtung, dass sie, sollten sie beim Vertragsabschluss die Provisionen nennen, Begehrlichkeiten bei Kunden wecken. Sie könnten dann einen Teil des Geldes verlangen. Die Minister hatten vorgeschlagen, zunächst den Portalen ein Jahr Zeit zu geben, um die Provisionen von sich aus offenzulegen. Erst wenn das nicht funktioniert, soll der Gesetzgeber eingreifen. Auch eine freiwillige Selbstverpflichtung sieht Blase kritisch. So sei etwa gar nicht sicher, ob sich Anbieter aus den USA wie Booking.com in Europa an gemeinsamen Regeln beteiligen. "Die Gefahr besteht, dass sich die deutschen Anbieter durch eine freiwillige Offenlegung schwächen, wenn sich die amerikanischen Portale nicht daran halten", sagte Blase.

© SZ vom 03.05.2016
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