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Verfahren um Häuser in Los Angeles:Deutsche Bank windet sich aus "Slumlord"-Streit

A foreclosure sale sign sits in front of a house in Miami Beach

"Slumlord"-Vorwürfe gegen Deutsche Bank: Auf einem Schild vor einem Haus in Miami Beach, Florida, steht "Zwangsvollstreckung" (Symbolbild).

(Foto: REUTERS)

Sie galt als einer der "größten Slumlords von Los Angeles": Weil die Deutsche Bank gepfändete Häuser verfallen lassen und die Bewohner drangsaliert haben soll, zog die Stadt vor Gericht. Jetzt haben die Parteien ihren Streit wohl beigelegt. Doch wie kam die Bank aus Frankfurt überhaupt an Immobilien in Kalifornien?

Der Streit zwischen Deutscher Bank und der Stadt Los Angeles beschäftigt die Gerichte, jetzt deutet sich im Rechtsstreit um verwahrloste Häuser in L.A. eine Einigung an. Das Finanzinstitut und die Stadt hätten sich verständigt, heißt es in einer gemeinsam beim zuständigen Gericht eingereichten Mitteilung. Details wurde zunächst nicht bekannt.

2011 hatten Vertreter der kalifornischen Metropole gegen die Bank geklagt - und sie als "Slumlord" bezeichnet. Mit dem Begriff werden im Englischen Vermieter bezeichnet, die ihre Wohnungen und Häuser verkommen lassen. Auf Reparaturen warten die Bewohner vergeblich, die Miete wird dafür mit Nachdruck eingetrieben und das oft in bar, um so lästige Steuerzahlungen zu vermeiden. Die Zusammensetzung aus Slum und Landlord, zu deutsch Elendsviertel und Vermieter, hat wegen des Streits in Los Angeles nun auch in Deutschland Verbreitung gefunden.

"Myriaden von Rechtsverstößen"

Entzündet hatte sich der Disput an einigen hundert Häusern in Los Angeles. In den Augen der Stadtverwaltung hatte die Bank die von säumigen Schuldnern gepfändeten Wohnhäuser verwahrlosen lassen und so zum Niedergang ganzer Wohnviertel beigetragen. Die Anwälte der Stadt beschimpften die Deutsche Bank als "einen der größten Slumlords der Stadt Los Angeles" und warfen dem Institut außerdem vor, die mittellosen Bewohner drangsaliert oder sogar widerrechtlich vertrieben zu haben, um die Häuser besser weiterverkaufen zu können. Dadurch habe auch die Kriminalität zugenommen.

In der Klageschrift war davon die Rede, dass die Bank, beziehungsweise ihre Töchter Deutsche Bank National Trust Company und Deutsche Bank Trust Company Americas, "Myriaden von Rechtsverstößen begangen" hätten. In dem Rechtsstreit ging es aber nur um 166 ausgewählte Fälle. Insgesamt soll die Bank sogar mehr als 2000 Häuser in Los Angeles besessen haben. Die Stadt hatte der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge angestrebt, dass die Deutsche Bank die betroffenen Grundstücke säubern lässt und zudem Hunderte Millionen Dollar an Strafen zahlt.

Kalifornische Häuser in deutscher Hand

Die Deutsche Bank hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und betont, sie sei der falsche Adressat der Klage. Sie trete lediglich als Treuhänder für Investoren auf, mit den eigentlichen Zwangsvollstreckungen und der Verwaltung der gepfändeten Häuser habe die Bank nichts zu tun.

Auch nach der Einigung bleibt die Frage, warum die Bank mit Sitz in Frankfurt überhaupt Immobilien in Kalifornien besitzt. Schon 2002 hatte US-Präsident George W. Bush gefordert, dass mehr US-Bürger die Möglichkeit bekommen sollen, Hausbesitzer zu werden. Im Vorfeld der Finanzkrise hatten sich immer mehr Amerikaner von geliehenem Geld ein Haus gekauft. Die Banken verliehen schließlich sogar Geld an Menschen ohne Job, sogenannte Ninja-Kredite (No Income, No Job or Assets). Die Finanzbranche bündelte viele solcher Hypotheken und verkaufte sie als forderungsbesicherte Wertpapiere (mortgage-backed-securities) in die ganze Welt. Besonders deutsche Institute griffen gerne zu.

Mitte 2006 begannen die Immobilienpreise zu stagnieren und brachen schließlich dramatisch ein. Zugleich stiegen die Kreditzinsen für viele Hausbesitzer. Weil sie es sich nicht mehr leisten konnten, hörten viele Kreditnehmer zu diesem Zeitpunkt auf, Zinsen zu zahlen. Andere zahlten keine Raten mehr zurück, weil der Marktpreis ihres Hauses plötzlich niedriger war als die Hypothek, die sie zurückzahlen mussten.

Nach dem Crash saßen Institute wie die Deutsche Bank und viele deutsche Landesbanken plötzlich auf Bergen von forderungsbesicherten Wertpapieren, deren Grundlage - Hypotheken auf Immobilien in den USA - nicht mehr bedient wurde. Nach der Zwangsvollstreckung "erbte" zum Beispiel die Deutsche Bank viele solcher Häuser in Kalifornien. Und wurde so, zumindest in den Augen der Stadtverwaltung, zu "einem der größten Slumlords von Los Angeles".