Bahlsen Kekshersteller lässt Geschichte seiner Zwangsarbeiter aufarbeiten

  • Nach tagelangen Diskussionen um seinen Umgang mit Zwangsarbeitern kündigt Bahlsen an, seine Geschichte von Wissenschaftlern aufarbeiten zu lassen.
  • Damit reagiert der Kekshersteller auf Kritik an Aussagen der Erbin Verena Bahlsen, sie habe die NS-Vergangenheit der Firma verharmlost.
  • Verena Bahlsen hatte sich zuvor für ihre Aussage entschuldigt, Zwangsarbeiter seien damals gut behandelt worden.
Von Veronika Wulf

Nun versucht der Kekshersteller, selbst noch die Kurve zu kriegen in der kuriosen Verkettung viel kritisierter Aussagen der Unternehmenserbin Verena Bahlsen. Das Familienunternehmen aus Hannover kündigte an, wissenschaftlich zu untersuchen, welche Rolle Zwangsarbeiter in der Unternehmensgeschichte spielten, und wie sie behandelt wurden. Der Göttinger Professor Manfred Grieger sei beauftragt, dazu ein unabhängiges Expertengremium zusammenzustellen, teilte die Gruppe am Donnerstag in einer Erklärung mit.

Alles begann mit einer Aussage von Verena Bahlsen, die in den Augen mancher vielleicht ungeschickt war, aber noch als freie Meinungsäußerung durchgegangen wäre. "Ich bin Kapitalistin", sagte die Start-up-Gründerin und Bahlsen-Erbin auf einer Digitalkonferenz in Hamburg in der vergangenen Woche. "Mir gehört ein Viertel von Bahlsen und da freue ich mich auch drüber. Es soll mir auch weiterhin gehören. Ich will Geld verdienen und mir Segelyachten kaufen von meiner Dividende und so was."

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So weit so provokativ. Das Problem: Das Familienunternehmen, das vor allem für den Leibniz-Keks bekannt ist, hat einen Teil seines Erfolges den Zwangsarbeitern zu verdanken, die es zur Zeit des Nationalsozialismus beschäftigte. Die Kritik gegen die 26-Jährige blieb nicht aus, vor allem auf Social Media. Neben Geschichtsvergessenheit warfen ihr Twitternutzer vor, sich das Geld für die möglichen Segelyachten nicht selbst verdient zu haben.

Verena Bahlsen wollte sich entschuldigen - und machte es nur noch schlimmer. Der Bild sagte sie: "Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt." Spätestens nach dieser zweiten Aussage bekam die Bahlsen-Erbin das ab, was man wohl als Shitstorm bezeichnet.

Später entschuldigte sie sich für die missglückte Entschuldigung. "Nichts liegt mir ferner, als den Nationalsozialismus und seine Folgen zu verharmlosen", sagte die Unternehmenserbin in einer persönlichen Erklärung und sprach von unbedachten Äußerungen sowie einem Fehler. Sie erkenne an, dass sie eine Verantwortung für die Historie des Unternehmens trage. "Ich entschuldige mich ausdrücklich bei all denen, deren Gefühle ich verletzt habe." Noch hat sich die Empörungswelle auf Twitter nicht gelegt. Und den Spitznamen "Kapitalistin" wird Verena Bahlsen so schnell wohl auch nicht wieder los.

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