Verdienstunterschiede Disney-Erbin kritisiert Gehälter von Disney-Managern

Ein Gehalt, dass das eines einfachen Mitarbeiters um mehr als das Tausendfache übersteige, sei schlicht "Wahnsinn", findet Disney-Erbin Abigail Disney.

(Foto: Getty Images for Women's Media C)
  • Abigail Disney hat das 65-Millionen-Dollar-Gehalt des Disney-Vorstandschefs Bob Iger kritisiert: Es sei schlicht "Wahnsinn".
  • Iger beleide demnach Menschen, wenn er ihnen so wenig zahle, dass sie von ihrem Job bei Disney nicht leben könnten, so Disney.
  • Firmenchefs in den USA verdienen im Schnitt 254 Mal so viel wie ihre mittleren Beschäftigten.
Von Claus Hulverscheidt, New York

Es muss mächtig gegärt haben in Abigail Disney, denn nach einem kurzen Hinweis, dass sie nur für sich und keinesfalls für die ganze Familie spreche, explodierte ihr Twitter-Account diese Woche regelrecht. 34 Kurznachrichten setzte sie binnen weniger Stunden ab, und in keiner kommt das aktuelle Management des Disney-Konzerns, den ihr Großonkel Walt und Großvater Roy vor fast hundert Jahren gegründet hatten, gut weg. Dabei geht es der Firma glänzend - so glänzend, dass sich Vorstandschef Robert Iger im vergangenen Jahr mit einem Gesamtsalär von 65 Millionen Dollar belohnte. "Ich mag Bob Iger", schrieb Abigail Disney im ersten ihrer fast drei Dutzend Tweets. Ein Gehalt aber, dass das eines einfachen Mitarbeiters um mehr als das Tausendfache übersteige, sei schlicht "Wahnsinn".

Mit ihren Aussagen trifft die Konzernerbin einen Nerv. Umfragen zufolge finden drei von vier US-Arbeitnehmern, dass Firmenchefs zu viel verdienen. Das ist in einem Land, in dem es lange eine Tugend war, reich zu werden, erstaunlich. Während demokratische Politiker wie Bernie Sanders die Umfragen nutzen, einst verpönte Dinge wie höhere Steuern und eine allgemeine Krankenversicherung zu fordern, begegnen die Republikaner dem Phänomen hilflos und beschimpfen Mahner wie Abigail Disney als "Linksradikale" und "Sozialisten". Hinter dem Geschrei steckt Angst, denn die Zahlen sind eindeutig: Firmenchefs in den USA verdienen im Schnitt 254 Mal so viel wie ihre mittleren Beschäftigten, mancherorts - bei Disney, Starbucks und Oracle etwa - sind die Quoten noch fünfmal höher.

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Dass sich nun ausgerechnet Abigail Disney zu Wort meldet, ist kein Zufall. Die 59-Jährige, die beim Konzern ihrer Vorväter nach eigenen Worten "nichts zu sagen hat" und nur noch ein kleines Aktienpaket besitzt, hat sich in den USA einen Namen als Dokumentarfilmerin, Philanthropin und Aktivistin für soziale Belange und Frauenrechte gemacht. Was sie bei der Gehaltsdebatte vor allem umtreibt, sind gar nicht die Millionenzahlungen an die Manager, sondern die Jammerlöhne von Sekretärinnen, Hausmeistern und Putzfrauen. Firmenchef Iger sei sicher "brillant", aber er beleidige Menschen, wenn er ihnen so wenig zahle, dass sie von ihrem Job bei Disney nicht leben könnten, sagt die Mutter von vier Kindern. Wer in Vollzeit zum Erfolg einer profitablen Firma beitrage, "sollte nicht hungrig nach Hause gehen, nicht seine Insulindosis rationieren und nicht im Auto schlafen müssen".

Dass Abigail nach dem Studium an den Elite-Unis Yale, Stanford und Columbia ins Filmgeschäft einstieg, erscheint bei jemandem, der ihren Namen trägt, nur folgerichtig. Doch sie konnte nie viel anfangen mit den Werken, die ihre Familie weltberühmt machten, mit lustigen Cartoons, träumerischen Märchen und seichten Familiendramen. In ihrem ersten großen Dokumentarfilm folgte sie einer Gruppe liberianischer Frauen, die mit gewaltlosen Protesten und Sex-Streiks für Frieden in dem kriegszerrissenen Land kämpften. Für "The Armor of Light" aus dem Jahr 2015, in dem es um die Waffengewalt in den USA geht, erhielt sie einen Emmy, den bedeutendsten Fernsehpreis des Landes.

Genauso wichtig sind Disney jedoch ihre Stiftungen und Organisationen, mit denen sie weltweit Frauen hilft. Ihren Anteil am Gewinn der israelischen Kosmetikfirma Ahava, an der ihre Familie beteiligt ist, spendete sie an Gruppen, die sich für ein Ende der "illegalen Ausplünderung" des Westjordanlands einsetzen. Dass sie seit ihrer Tweet-Serie gegen Iger in den sozialen Medien als Heuchlerin beschimpft wird, als reiches Töchterchen, das sich über andere Reiche erhebe, lässt sie nach eigenem Bekunden kalt. "Nehmen Sie es mir ruhig übel. Das stört mich nicht, es ist nur natürlich", schrieb sie am Mittwoch. Sie habe im Laufe ihres Lebens mehr als 70 Millionen Dollar gespendet. "Und ich verbringe meine Tage damit herauszufinden, wie ich auch den Rest noch loswerden kann."

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