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Gehälter:Die meisten Top-Verdiener sind immer noch Männer

Männer High Five

Männer sind bei den Spitzenverdienern nach wie vor meist unter sich.

(Foto: Caia Image/mauritius images)

Fast 1,5 Millionen Beschäftigte in Deutschland verdienen so gut, dass sie ab einer bestimmten Obergrenze keine Rentenbeiträge zahlen müssen. Nur ein Siebtel davon sind Frauen.

Von Thomas Öchsner

Die meisten Angestellten in Deutschland könnten von solchen Gehältern nur träumen: Wer im Westen mehr als 7100 Euro brutto im Monat verdient, muss für das Gehalt oberhalb dieser Grenze keine Rentenbeiträge zahlen. Im Osten liegt diese Grenze bei derzeit 6700 Euro. Aber wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verdienen überhaupt so viel?

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) hat sich nun die Zahlen genauer angeschaut. Das Ergebnis: 2019 erhielten knapp 1,5 Millionen Beschäftigte ein Gehalt oberhalb der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze. Auf Grund dieser Grenze gibt es hierzulande eine rechnerische Höchstrente. Die Zahlen zeigen aber noch etwas anderes: Frauen schaffen es nach wie vor eher selten, in diese Gruppe der Top-Verdiener aufzusteigen.

Die Statistik der Rentenversicherung, über die das Portal Ihre Vorsorge zuerst berichtete, ist eindeutig: 2019 - für 2020 und 2021 liegen noch keine Zahlen vor - erhielten knapp 1,27 Millionen Männer, aber nur etwa 210 000 Frauen ein Jahresgehalt von mehr als 80 400 Euro in den alten und 73 800 Euro in den neuen Bundesländern. Das sind im Monat 6700 Euro für Beschäftigte im Westen und 6150 Euro im Osten. So hoch waren vor zwei Jahren die Verdienstgrenzen, bis zu denen Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber hälftig Beiträge in die Rentenkasse leisten mussten. Nur etwa ein Siebtel in dieser Gruppe der Top-Verdiener waren damit also Frauen. Geht man davon aus, dass Unternehmen Gehälter oberhalb dieser Grenze vor allem für leitende Angestellte zahlen, deutet dies darauf hin, dass Frauen immer noch eher selten Spitzenpositionen einnehmen.

Langfristig gibt es aber einen positiven Trend: 2009 lag bei etwa 152 000 Frauen das Gehalt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze. 2019 traf dies bereits auf fast 210 000 weibliche Angestellte zu. Das ist ein Anstieg von etwa 38 Prozent. Bei den Männer lag das Plus bei rund 15 Prozent. Das lässt erkennen, dass sich die Aufstiegschancen für Frauen zumindest etwas verbessert haben.

Umstrittene Grenzen

Was nicht überraschend ist: Im Osten Deutschlands gibt es deutlich weniger Top-Verdiener als im Westen. Nur etwa jeder 13. mit einem Verdienst oberhalb der Grenzen für die Rentenbeiträge arbeitet in Ostdeutschland.

Die Beitragsbemessungsgrenzen sind seit Jahren umstritten. Kritiker argumentieren, davon profitierten ausgerechnet Spitzenverdiener. Die Partei "Die Linke" fordert etwa, die Beitragsbemessungsgrenzen in der Rentenversicherung zu vereinheitlichen und "in mehreren Schritten drastisch" anzuheben. Top-Verdiener und ihre Arbeitgeber müssten dann deutlich mehr Rentenbeiträge zahlen. Die betroffenen Beschäftigten hätten dann aber auch höhere Rentenansprüche. Die Spitzenverbände der Wirtschaft lehnen dies vehement ab, weil sich dadurch die Lohnnebenkosten für die Unternehmen erhöhen würden.

Ganz anders läuft es in der Schweiz. Dort müssen Erwerbstätige Beiträge vom gesamten Einkommen aus unselbständiger oder selbständiger Arbeit sowie aus Vermögen wie zum Beispiel Sparguthaben in die gesetzliche Altersversorgung zahlen. Eine Obergrenze, von der an keine Rentenbeiträge mehr fällig sind, gibt es dort nicht.

© SZ
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