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Verdacht der Zinsmanipulation:Schweizer Wettbewerbshüter ermitteln gegen Deutsche Bank

Erst schlechte Zahlen, jetzt ein Ermittlungsverfahren: Die Deutsche Bank steht im Verdacht, gemeinsam mit elf weiteren großen Finanzhäusern die Zinsen für den gemeinsamen Geldverkehr manipuliert zu haben. Durch unerlaubte Absprachen sollen sich die Banken Vorteile verschafft haben.

Die Deutsche Bank gerät ins Visier der Schweizer Wettbewerbskommission: Das Kartellamt ermittelt gegen das Institut von Vorstandschef Josef Ackermann und elf weitere Banken wegen möglicher Kartellabsprachen. Zu den betroffenen Geldhäusern gehören auch die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse. Das Verfahren in der Schweiz kam aufgrund einer Selbstanzeige in Gang.

Es geht um Absprachen beim Referenzzinssatz Libor, den die Banken zu ihren Gunsten verfälscht haben sollen. Libor steht für die "London Interbank Offered Rate", also den Zinssatz für den Londoner Interbankenmarkt. Dieser bestimmt, zu welchen Konditionen sich die Banken untereinander Geld leihen können. Er ist auch Grundlage für viele Finanzprodukte - und beinflusst insgesamt Handel im Volumen von 350 Milliarden Dollar.

Der Libor wird täglich um 11 Uhr in London fixiert. Um ihn festzulegen, werden mehrere Banken angefragt, die ihren Wunschwert melden. Aus den Antworten wird ein Mittel gebildet. Um Manipulationen vorzubeugen, werden die höchsten und niedrigsten gemeldete Wert gestrichen. Doch das System sei "eine Pseudo-Auktion", zitiert die Schweizer Handelszeitung einen Börsenexperten.

Dass es bei der Berechnung des Libors nicht immer mit rechten Dingen zugegangen sein könnte, war in der Vergangenheit immer wieder vermutet worden. So gab es in den USA Ermittlungen wegen möglicher Manipulationen. "Wir stehen in Kontakt mit dem US-Justizministerium und der EU-Wettbewerbskommission", sagte ein Sprecher der Schweizer Wettbewerbshüter.

Teil der Untersuchung sind auch japanische Geldhäuser. Sie sind bei der Berechnung der Tokyo Interbank Offered Rate Tibor beteiligt. Neben falschen Eingaben für die Referenzsätze sollen Derivatehändler auch die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskursen, die sogenannten Spreads, abgesprochen und so Kunden manipulierte Preise in Rechnung gestellt haben.

Die Wettbewerbskommission will nun klären, inwieweit die möglichen Absprachen Auswirkungen auf den Wettbewerb in der Schweiz hatten. Falls Banken für schuldig befunden werden, kann sie die regelwidrig erzielten Gewinne einziehen. Die Bank nehme die Untersuchung sehr ernst und arbeite vollumfänglich mit den Behörden zusammen, erklärte UBS. Credit Suisse wollte keine Stellung nehmen.

© Süddeutsche.de/rtr/bero/bbr
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