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Verdacht auf Steuerhinterziehung:Razzia bei Schalke-Funktionär

Die Spur führt nach Liechtenstein: Steuerfahnder haben die Büros des Fleischunternehmers und Schalke-Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies durchsucht. Nach SZ-Informationen steht er im Verdacht, über Stiftungen in Liechtenstein Steuern hinterzogen zu haben.

Die Fußballkunst seiner Spieler macht dem Fleischunternehmer Clemens Tönnies, 56, derzeit vermutlich mehr Spaß als die Lage im eigenen Revier. Der Bundesligist Schalke 04, die "Königsblauen", halten sich zur Freude des Aufsichtsratsvorsitzenden derzeit gut. Doch was ist bei ihm selber los? Fahnder waren am Dienstag in der Firmenzentrale im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück eingerückt und hatten sie durchsucht. Es geht nach Erkenntnissen der Süddeutschen Zeitung um den Verdacht auf Steuervergehen.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt demzufolge auch gegen den Steuerexperten Josef Schnusenberg, den einflussreichen Berater der Tönnies-Gruppe. Er war ebenfalls viele Jahre lang Funktionär bei Schalke 04. Es geht um den Verdacht der Einkommensteuerhinterziehung zugunsten Dritter, offenbar von Tönnies. Auch bei Schnusenberg in Rheda-Wiedenbrück ist die Justiz wohl vorstellig geworden. So sollen am Dienstag dem Vernehmen nach die Büroräume des Tönnies-Vertrauten durchsucht worden sein. Die Steuerfahnder interessierten sich augenscheinlich für viele Details, für Spuren, die in ein schönes kleines Alpenland weisen.

Es soll in dieser Steuersache um Stiftungen in Liechtenstein gehen. Der Verdacht, den man aus anderen Fällen kennt: Erträge, die hier anfielen, seien in Deutschland nicht ordnungsgemäß versteuert worden. Nach SZ-Informationen sollen die Liechtensteiner Stiftungen "Gafluna" und "Overseas" eine wichtige Rolle spielen - ein Firmenmantel namens "Orgaplan" soll ebenfalls in Liechtenstein anzutreffen sein. Was wurde hier wie abgerechnet? Wie kam es zu dieser Konstruktion? Das wollen die Steuerfahnder wissen. Schnusenberg soll diese Stiftungen und den Firmenmantel vor vielen Jahren gegründet haben. Auch soll er in Liechtenstein in wichtiger Rolle aufgetaucht sein und faktisch Weisungen erteilt haben. Erwiesen ist bisher nichts. Schnusenberg sei derzeit im Urlaub, heißt es in seiner Kanzlei, er könne erst Anfang kommender Woche Stellung nehmen.

Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann, Sprecher der Schwerpunktabteilung zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld, sagt, es seien etwa 20 Beamte (Steuerfahnder, Vertreter der Staatsanwaltschaft, Polizisten) beteiligt gewesen. Die Vorwürfe richteten sich gegen Tönnies als Privatmann; es gehe um Steuererklärungen von 2006 an. Der Sachverhalt sei nicht neu, es hätten sich jedoch neue Verdachtsmomente ergeben. Die mögliche strittige Summe reiche nicht "in Millionenhöhe".

Sicher ist: Es geht nicht um die von Tönnies gegründete gemeinnützige Stiftung Kinderträume. Ein Sprecher von Clemens Tönnies sagt, man sei seit langem mit der Staatsanwaltschaft über die erhobenen Vorwürfe im Gespräch; deshalb sei man "verwundert" über diese Aktion. Man werde wie auch in der Vergangenheit mit den Behörden kooperieren.