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Verdacht auf Insiderhandel:Französische Staatsanwaltschaft klagt Daimler an

Wer wusste wann von den Problemen bei der Produktion des Airbus A380? Die Staatsanwaltschaft Paris hat Anklage gegen die beiden früheren EADS-Großaktionäre Daimler und Lagardère wegen möglicher Mauscheleien bei Aktiengeschäften erhoben. Die Betroffenen sind überrascht - und weisen die Vorwürfe zurück.

Eine längst vergessen geglaubte Affäre droht den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS wieder einzuholen. Die Staatsanwaltschaft Paris hat, wie am Montag bestätigt wurde, Anklage gegen die beiden früheren Großaktionäre Daimler und Lagardère sowie sieben ehemalige und aktuelle Top-Manager des Unternehmens wegen des Verdachtes des Insiderhandels erhoben. Die Unternehmen wiesen die Vorwürfe zurück.

In dem Verfahren geht es um die Verspätungen in der Produktion des Großraumflugzeuges Airbus A380 und die Frage, wann genau wer von den Problemen gewusst hat. Im Juni 2006 war der Aktienkurs der EADS auf einen Schlag um mehr als 25 Prozent eingebrochen, nachdem Airbus eine weitere milliardenteure Verzögerung bei dem Projekt verkünden musste. Monate zuvor hatten sowohl Daimler als auch Lagardère jeweils Aktienpakete von 7,5 Prozent an EADS verkauft.

Die Staatsanwaltschaft Paris, die zu dem Fall noch nicht im Detail offiziell Stellung genommen hat, argumentiert nun offenbar, dass wichtige Funktionsträger in den beteiligten Unternehmen schon früher von den Schwierigkeiten wussten, mit einer Bekanntgabe aber so lange gewartet haben, bis sie ihre Anteile verkauften konnten. Einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft zufolge gehören zu den Angeklagten der Airbus-Verkaufschef John Leahy und der ehemalige Airbus- und EADS-Chef Noel Forgeard. Leahy gehört derzeit auch noch dem EADS-Vorstand an.

Die französische Börsenaufsicht AMF hatte den Fall ebenfalls geprüft, ließ 2009 aber alle Vorwürfe gegen die Beteiligten fallen. Die Staatsanwaltschaft Paris leitete dennoch Anfang 2011 ein formelles Ermittlungsverfahren gegen die beiden Unternehmen und die Manager ein. In einer Stellungnahme schreibt EADS, dass alle Betroffenen wie schon 2009 entlastet werden sollten. Der Konzern gebe den betroffenen Managern weiter seine volle Unterstützung und schenke Ihnen Vertrauen. Man sei "zuversichtlich", dass diese erneut darlegen könnten, dass die Anschuldigungen haltlos seien.

Daimler und Lagardère gehörten seit der Gründung des Konzerns im Jahr 2000 zu den sogenannten Kernaktionären, hatten aber seit längerem ihren Ausstieg geplant. Ihre letzten Anteile haben sie allerdings erst im Frühjahr 2013 abgestoßen.

Anwälte der beiden Unternehmen wiesen nun die neuen Anschuldigungen zurück. Ein Anwalt des Medienkonzerns Lagardère sagte, er sei "überrascht", dass es zu der Anklage gekommen sei, schließlich habe die Börsenaufsicht AMF die Sache bereits vor vier Jahren fallen gelassen. Auch Daimler weist den Vorwurf des Insiderhandels zurück. Ein Termin für den nun anstehenden Prozess steht noch nicht fest.