Verdacht auf Beihilfe zum Prozessbetrug:Anwälte der Deutschen Bank im Visier der Staatsanwaltschaft

Jahrelang hatten die Anwälte der Kanzlei Hengeler Mueller die Deutsche Bank im Kirch-Prozess vertreten. Nun wurden die Räume der Kanzlei durchsucht. Die Anwälte könnten der Beihilfe zum Prozessbetrug beschuldigt werden.

Die Geschäftsräume der Kanzlei Kanzlei Hengeler Mueller in Frankfurt wurden in der vergangenen Woche durchsucht. Das bestätigte die Kanzlei an diesem Montag. Dabei seien auch Unterlagen beschlagnahmt worden. Die Kanzlei hatte die Deutschen Bank und ihren Ex-Chef Rolf Breuer jahrelang im Prozess mit den Erben des Medienmoguls Leo Kirch begleitet und die Manager auch auf ihre Auftritte vor Gericht vorbereitet. Die Anwälte könnten der Beihilfe zum Prozessbetrug beschuldigt werden.

In dem Prozess wurden der Bank und Breuer vorgeworfen, für den Untergang des Medienimperiums mitverantwortlich zu sein. Auslöser für den Konflikt war ein Interview Breuers, das Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs genährt hatte. Das habe Investoren verschreckt und den Untergang ausgelöst, argumentierten die Erben Kirchs. Mit ihnen hatte sich das Geldhaus im Februar nach zwölf Jahren Streit auf einen Vergleich geeinigt: Die Deutsche Bank zahlt eine knappe Milliarde Euro an die Kirch-Erben.

Anklage offen

Nun wirft die Münchner Staatsanwaltschaft den Bankern vor, sich in dem Verfahren abgesprochen und dabei die Unwahrheit gesagt zu haben. Sie hatte deshalb auch die Zentrale der Deutschen Bank durchsucht. Die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht dazu äußern, ob es auch ein Ermittlungsverfahren gegen Hengeler Mueller gebe.

Die Ermittlungen gegen Breuer, seinen Nachfolger Josef Ackermann und weitere Ex-Vorstände sowie gegen den derzeitigen Co-Chef der Bank, Jürgen Fitschen, liefen weiter. Ob es zu einer Anklage kommt, ist offen.

Einem Bericht des Spiegel zufolge hat Fitschen das Angebot abgelehnt, das Verfahren gegen ihn gegen Zahlung einer Geldbuße einzustellen. Die Deutsche Bank hatte sich kurz vor Vergleich mit den Erben Kirchs von Hengeler Mueller getrennt. Die Kanzlei vertritt aber immer noch Breuer.

© Süddeutsche.de/Reuters/sana/hgn
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