Verantwortung:Nachhaltigkeit darf auch etwas kosten

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Verantwortung: Über gesellschaftliche Verantwortung diskutierten Nanda Bergstein, Dirk Roßmann, Ralph Hamers (v.li.) und Joachim Schreiner (nicht im Bild).

Über gesellschaftliche Verantwortung diskutierten Nanda Bergstein, Dirk Roßmann, Ralph Hamers (v.li.) und Joachim Schreiner (nicht im Bild).

(Foto: Stephan Rumpf)

Shareholder-Value ist für viele Firmen nicht mehr der alleinige Fokus.

Von Kathrin Werner, Berlin

"Wenn man es ernst meint mit der Nachhaltigkeit, bedeutet das, dass man das gesamte Unternehmen transformieren muss", sagt Nanda Bergstein. Sie ist Direktorin für Unternehmensverantwortung bei Tchibo, neudeutsch Corporate Social Responsibility genannt, und damit zuständig dafür, Lieferanten im sogenannten Globalen Süden, besonders Textilfabriken, auf soziale und ökologische Standards in der Produktion zu verpflichten und die Einhaltung zu überwachen. Nachhaltigkeit, sagt sie, bedeutet einen gigantischen Veränderungsprozess für Unternehmen, der nicht immer leicht ist. Bei Tchibo dauere er bereits zwölf Jahre an.

Welche Firma schreibt sich heutzutage nicht auf die Fahnen, nachhaltig zu arbeiten? Unternehmerische Verantwortung hat sich verändert, ist breiter geworden, soziale und ökologische Kriterien gewinnen an Bedeutung. Inzwischen sehen viele Firmen ihre Aufgabe nicht nur darin, ihre Aktionäre glücklich zu machen, sondern betrachten alle sogenannten Stakeholder, also Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten - im Grunde die gesamte Gesellschaft, sagt auch Ralph Hamers, der Chef der niederländischen Großbank ING. "Wir waren nie ein Unternehmen, das den Shareholder-Value groß im Fokus hat", sagt auch Joachim Schreiner, der seit zwölf Jahren das deutsche Geschäft des SAP-Konkurrenten Salesforce führt. "Wir sehen das Unternehmen als Plattform für Veränderung."

Tchibo war vor gut 15 Jahren in einen Skandal um Billig-Klamotten verwickelt - ein Weckruf, sagt Bergstein. Seither hat das Unternehmen umgestellt, kontrolliert zum Beispiel Lieferanten sehr genau auf ihre Umwelt- und Arbeitsbedingungen und ist zum weltweit drittgrößten Anbieter von Biobaumwollsachen aufgestiegen. Und das, obwohl es sich nicht unbedingt finanziell lohnt, die meisten Menschen seien nicht bereit, dafür mehr Geld zu bezahlen. "Wir merken nicht, dass nachhaltige Lösungen automatisch gefragt sind, es ist für uns eine Grundsatzfrage, eine Frage der Haltung", sagt Bergstein. Es sei auch die Aufgabe des Unternehmens, Nachhaltigkeit bezahlbar zu machen und die Kunden dafür zu begeistern. Tchibo ist eine Allianz mit mehreren anderen Textilkonzernen eingegangen, um gemeinsam für bessere Standards zu kämpfen. Da aber nicht alle Firmen die gleichen Werte haben und doch mancherorts noch der Shareholder-Value regiert, fordert sie mehr Regulierung.

"Ich versuche zu zeigen, wofür ich als Familienunternehmer stehe", sagt auch Drogerie-Gründer Dirk Roßmann. Er prüfe inzwischen jedes einzelne Produkt genau auf dessen Nachhaltigkeit. Dabei gehe es nicht nur ums Geldverdienen oder darum, was andere denken. "Es geht auch darum, dass man sich selbst noch ertragen kann." Gerade hat er das Buch "Wir sind das Klima!" des US-Autors Jonathan Safran Foer an alle Bundestagsabgeordneten sowie die Vorstände aller Dax- und M-Dax-Unternehmen verschickt. Außerdem hat er 25 000 Exemplare im Internet verschenkt. Salesforce-Manager Schreiner glaubt, dass es auch Aufgabe von Unternehmen sei, die Mitarbeiter zu mehr Nachhaltigkeit zu "erziehen", sagt er. Das Cloud-Unternehmen hat zum Beispiel das sogenannte "1-1-1 Modell": Es spendet jeweils ein Prozent der Produkte, des Gewinns und der Mitarbeiterzeit. Beschäftige können sich zum Beispiel sieben Tage im Jahr zusätzlich freinehmen, um gemeinnützige Projekte zu unterstützen.

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