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Veranstaltungen:Der Hoffnungsvolle

"Das hat zu großer Solidarität geführt", sagt Ole Hertel über den Stillstand in der Veranstaltungsbranche.

(Foto: oh)

Ole Hertel leitet eine der größten Mehrzweckhallen der Republik. Jetzt hat er sich mit anderen zusammengetan, um der Branche wieder eine Zukunft zu geben.

Von Jan Heidtmann

In normalen Zeiten hat Ole Hertel nicht so viel mit dem Theater und den Berliner Philharmonikern zu tun. Seine Welt sind eher große Sportveranstaltungen, Eishockey, Leichtathletikwettbewerbe oder auch mal ein Konzert von Peter Gabriel. Doch jetzt hat sich Hertel mit der Intendantin der Berliner Philharmoniker und dem Chef der Berliner Volksbühne zusammengetan. "Fast jeder aus der Veranstaltungsbranche hat derzeit dasselbe Problem", sagt er. "Das gab es noch nie. Das hat zu großer Solidarität geführt."

Ole Hertel, 46, leitet eine der größten Mehrzweckhallen der Republik, die Mercedes-Benz Arena im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Sein Problem sieht derzeit so aus: 1, 3 Millionen Besucher kommen eigentlich Jahr für Jahr zu Besuch und zahlen Tickets. 2020 waren es gerade einmal rund 350 000 Besucher, fast alle aus der Vor-Corona-Zeit zwischen Januar und März. Derzeit hielten nur die "Ankermieter" den Betrieb am Laufen, die Eisbären und die Basketballer von Alba Berlin, die hier ihre Ligaspiele vor leeren Rängen austragen. Die 70 Mitarbeiter Hertels sind auf Kurzarbeit, im Durchschnitt bei 70 Prozent. "Mir fehlt es, dass Menschen hierherkommen. Das Gebäude ist in diesem Sinne wie tot", sagt Hertel.

Rund 20 Experten haben sich nun mit Veranstaltern aus dem Kultur- und Sportbereich zusammengeschlossen, um der Pandemie ein geordnetes Ende zu setzen. Jedenfalls insofern, dass diese Branche wieder eine Perspektive bekommt. Unter den Fachleuten sind vor allem Mediziner, aber auch Juristen, Sportpraktiker oder Kulturmanager. Sie haben die Erfahrungen mit der Pandemie seit vergangenem März gesammelt und ein gut 20-seitiges Konzept erarbeitet. Dieses soll Theaterbesuche genauso wieder möglich machen, wie ein Eishockeyspiel mit Publikum in der Mercedes-Benz Arena. Also ein Konzept, dass auf jede Größe von Veranstaltungen anwendbar sei.

Die Autoren gehen dabei davon aus, dass es keinen Tag X geben wird, an dem die Pandemie vorbei ist. Dass also Konzepte gebraucht werden, die auch mit Corona funktionieren. Zugleich fordern sie, sich von den Inzidenzwerten als zentralen Maßstab für Lockerungen zu lösen. "Ich hoffe, dass wir den Fokus ein Stück weit von der 7-Tage-Inzidenz wegnehmen können", meint Hertel. Jetzt, da die Risikogruppen bald geimpft sind, sei die Belastung des Gesundheitssystems die eigentlich kritische Größe. Kurz gesagt: Stehen die Intensivstationen nicht unter Druck, könnten Konzert- und Sporthallen unter strengen Regeln wieder geöffnet werden.

Für Hertel kommt der erzwungene Stillstand zu einem etwas merkwürdigen Zeitpunkt - erst im vergangenen Sommer ist er zum General Manager der Arena ernannt worden. Aber vielleicht passt das ganz gut zu seinem Lebenslauf, der nicht ohne Brüche ist. Dazu gehört das erzwungene Ende als Kugelstoßer, Mitte der Neunzigerjahre gehörte Hertel zu den Besten in Deutschland. Wegen einer verschleppten und nie richtig auskurierten Verletzung musste er seine Karriere als Sportler beenden.

Der Berliner Hertel studierte dann Sportwissenschaften in Potsdam, in seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit Sportinfrastrukturmanagement, vor allem am Beispiel der gerade im Bau befindlichen O2-Arena - so hieß die Mercedes-Benz-Arena vor ihrer Umbenennung. Nach einer Anstellung beim Olympiastadion begann er 2008 im Veranstaltungsmanagement der O2-Arena, wo er kontinuierlich bis zum Juni vergangenen Jahres aufstieg. Seitdem beschäftigt er sich vor allem mit immer neuen Hygienekonzepten. "Wenn es wieder losgehen kann, sind wir bereit, sichere Veranstaltungen durchzuführen", sagt Hertel.

© SZ
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