Bundesagentur für Arbeit Gefährliches Management

Der Chef der Arbeitsagentur, Detlef Scheele, und Valerie Holsboer, die für Controlling, Finanzen und Personal bei der Arbeitsagentur zuständig ist. An diesem Freitag soll sie vorzeitig entlassen werden.

(Foto: dpa)

Die Demontage der ersten Frau im Vorstand ist ein Symbol für fehlende Professionalität. Dabei muss die Arbeitsagentur gerade jetzt bestens funktionieren.

Kommentar von Alexander Hagelüken

Deutschland hat seit 1952 eine landesweite Jobbehörde. Seit der Jahrtausendwende heißt sie Bundesagentur für Arbeit, und seitdem wurde in ihren Vorstand erst eine einzige Frau gewählt. Diese Frau, Valerie Holsboer, soll an diesem Freitag vorzeitig entlassen werden. Nach einer fragwürdigen Kampagne durch jene Aufsichtsräte, die sie überhaupt ins Amt gehievt hatten. Das wirkt wie Missmanagement. Und es wird zum Skandal, weil es hier nicht um einen Kegelklub geht, sondern um eine der wichtigsten Institutionen der Republik.

Das Arbeitsamt ist erste Anlaufstelle für jeden, der seine Stelle verliert und so oft in große Not gerät. Wenn nun die Konjunktur zurückgeht, wie Fachleute befürchten, wird es darauf ankommen, dass die Jobagentur möglichst vielen Bürgern hilft. Dafür braucht die Riesenbehörde mit 100 000 Beschäftigten hochprofessionelle Strukturen. Die Personalquerelen erwecken den Eindruck, dass ihr die fehlen.

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Besonders zweifelhaft agieren Wirtschaft und Gewerkschaften, die bei der Agentur starken Einfluss haben. Die Arbeitgeber waren es, die Holsboer von außen holten. Nun verweigern sie ihr die Zeit, um eine Erneuerung der Organisation zu gestalten. Sie begründen das mit Inkompetenz. Das wirkt aber nur zum Teil glaubwürdig, weil der zentrale Wirtschaftsfunktionär seine Kandidatin schon bald nach Amtsbeginn zu demontieren begann. Das nährt den Verdacht, dass sie nicht wie gewünscht als Werkzeug funktionierte - das sollte ein Behördenvorstand allerdings auch nie sein.

Pikantes Symbol

Ebenso zweifelhaft verhalten sich die Gewerkschaften. Sie überlassen im Fall Holsboer den Arbeitgebern die Entscheidung, damit jede Seite mit ihren Vorstandsposten verfahren kann, wie sie will. Das ist nicht sachgerecht, sondern machtfixiert. Dass die Gewerkschafter der Demontage der ersten Vorstandsfrau zusehen, ist also ein pikantes Symbol.

Es gibt eine historische Parallele. Als Deutschland vor 20 Jahren in die Massenarbeitslosigkeit schlitterte, versagten Arbeitgeber und Gewerkschaften ebenfalls. Sie förderten die Verkrustung der Jobbehörde, die mit sich selbst beschäftigt war, statt den Arbeitslosen zu helfen. Die Wende kam von außen: Als Medien massiv geschönte Erfolgsdaten aufdeckten, griff die Bundesregierung ein - und modernisierte die Behörde grundlegend. Mit durchschlagendem Erfolg: Der deutsche Boom, der zu Millionen neuen Stellen führte, verdankt sich auch dieser Modernisierung. Die Agentur wurde viel besser darin, Arbeitslose zurück in einen Beruf zu bringen. Ökonomen gehen davon aus, dass das weitaus stärker für den Wirtschaftsaufschwung verantwortlich war als das hochumstrittene Hartz-IV-Konzept.

Doch es war eben die Regierung, die die Agentur modernisierte, nicht Arbeitgeber und Gewerkschaften. Und die verhalten sich im Fall Holsboer nun wieder fragwürdig. Dies zeigt, dass ihr Einfluss auf die Nürnberger Behörde zu groß ist. Die Bundesregierung sollte die selbstherrliche Besetzung von Vorstandsposten beenden.

Die Bundesagentur ist zu wichtig, als dass sie zum Spielball undurchsichtiger Interessen verkommen darf. Die Jobvermittler werden nicht nur gebraucht, um Deutschland durch den drohenden Abschwung zu steuern. Sie stehen zusammen mit den Firmen vor einer ganz neuen Aufgabe. Sie müssen Beschäftigte umschulen, damit diese auch in der Ära der Digitalisierung noch Arbeit finden.

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