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Unternehmen:Uvex bekommt die Weltpolitik zu spüren

Optikermesse Opti

Skibrille von Uvex: Die Firma ist durch die Produkte für viele Sportarten bekannt, verdient aber mehr Geld mit Arbeitsschutzbekleidung.

(Foto: Armin Weigel/dpa)
  • Uvex ist vor allem für seine Helme und Brillen im Wintersport bekannt. Der Hersteller aus Franken rüstet zahlreiche Topathleten aus und profitiert von der Präsenz im Fernsehen.
  • Das Geschäft ist zwar kaum noch ausbaufähig, der Massenmarkt für Skibrillen und -helme ist weitgehend gesättigt. Drei Viertel des Umsatzes aber macht die Firma ohnehin in einem ganz anderen Bereich: mit Arbeitsschutzkleidung.
  • Doch auch da schränken politische Entwicklungen die Zahl der Absatzmärkte ein.

Es sind spektakuläre Hingucker. Felix Neureuther stürzt die Piste hinab und Noriaki Kasai eine Skisprungschanze. Andere Aufnahmen zeigen Gipfelstürmer und Menschen, die unter extremen Bedingungen arbeiten. Sie alle tragen Helme, Brillen oder Schutzkleidung der Marke Uvex. Die von großen Flachbildschirmen auf den Platz vor der Firmenzentrale übertragenen Actionbilder stehen im Kontrast zum gediegenen Weiß-Grau des Gebäudes. Der optische Widerspruch spiegelt das gespaltene Selbstverständnis der Hausherren wider: Da ist eine Marke, die (gefühlt zumindest) fast jeder kennt. Und da sind ihre unauffälligen Eigentümer.

"Ich will nicht sagen, dass wir hier typisches fränkisches Understatement betreiben", sagt Michael Winter, 54, und fügt an: "Es ist nur so, dass unsere Marke im Vordergrund stehen soll und nicht wir." So halten sie es im Grunde seit 1926, seit sein Großvater Philipp M. Winter in Fürth seine "Optische Industrie Anstalt" eröffnet und mit selbiger Schutzbrillen entwickelt und produziert hat. Heute zählt die Uvex-Unternehmensgruppe 2850 Beschäftigte, gut 1900 davon in Deutschland, die im Ende Juli abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 einen Umsatz von 475 Millionen Euro erwirtschafteten, fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor.

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Uvex ist insofern ein kurioses Unternehmen, weil es seine enorme Bekanntheit der Präsenz im Winter-, Reit- und Radsport verdankt, drei von vier Euro aber mit Arbeitsschutzkleidung verdient. Mit hieb-, schnitt- und stichfesten Handschuhen, mit Helmen, Warnwesten, Sicherheitsschuhen oder Spezialbrillen für zum Teil extrem gegensätzliche Anwendungen. "Die einen müssen in einer heißen, feuchten und staubigen Goldmine in Südafrika funktionieren, die anderen bei Minustemperaturen, eisigem Wind und salzigem Sprühwasser auf einer Ölbohrinsel in der Nordsee", sagt Michael Winter.

Speziallacke sorgen dafür, dass die Brillen nicht anlaufen

Obwohl Kaufmann, kann der Unternehmer minutenlang, detailreich und mit Begeisterung Spezialbeschichtungen oder Unterschiede von Schutzbrillen gegen Laserstrahlen erklären. Sein Vater Rainer hat den Firmennamen Uvex vor mehr als einem halben Jahrhundert erfunden, ein Akronym für "Ultraviolet excludet". Das Familienunternehmen ist geschickt darin, Sonderanfertigungen für alle möglichen, vorwiegend industriellen Anwendungen zu entwickeln und daraus Serienprodukte zu kreieren. "Wir fragen unsere Kunden nach ihrem Problem und wie wir ihnen helfen können", sagt Michael Winter. "Häufig werden daraus Branchenlösungen."

Eine Schutzbrille mit am unteren Rand des Sichtfensters eingebauter Vergrößerungslinse zum Beispiel, oder ein aufklappbares Gesichtsvisier, bei dem die Augen geschützt bleiben, Trinken und Essen aber möglich sind, ohne den Helm abzunehmen. Stoßfest und unzerbrechlich sollen Brillen und Visiere idealerweise sein, Dreck nicht daran haften, und von innen her sollen sie nicht anlaufen, wenn ihr Träger schwitzt. Für all das sorgen hauchdünn aufgetragene Speziallacke.

Als Kind habe er früher Ski- als Radfahren gelernt, erzählt Michael Winter. Seine Familie, die seiner Schwester und die Eltern sind Gesellschafter. Um das operative Geschäft der Uvex-Holding kümmert sich Michael Winter mit Finanzchef Georg Höfler, einem Freund aus gemeinsamen Kindertagen. Die untergeordneten Teilkonzerne Arbeitsschutz und Sport werden von familienfremden Managern geleitet.

Durch die Athleten ist Uvex im Fernsehen omnipräsent - gut fürs Geschäft

Der Sport hat die Fürther Firma bekannt gemacht. 33 Medaillen holten Uvex-Athleten bei den olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang. Unter anderem rüstet Uvex exklusiv den Deutschen Skiverband aus. Die Omnipräsenz im Wintersport und damit in stundenlangen Fernsehübertragungen befruchten die Marke. Das Geschäft ist allerdings kaum noch ausbaufähig; der Massenmarkt mit Brillen oder Helmen für Skifahrer ist weitgehend gesättigt, mit Ausnahme von China. Außerdem wird zumindest alpines Skifahren immer teurer und gerät ökologisch unter Druck.

Reiten wiederum ist eine Randsportart, weshalb sie bei Uvex vor allem im Radbereich das größte Potenzial sehen. "Vor allem in Großstädten ist der Trend zum Radfahren nicht aufzuhalten", sagt Michael Winter. Also weitet Uvex seine Produktpalette aus, ebenso jene für die Trendsportarten Mountainbike und Triathlon. Im weitaus größeren Geschäft mit Arbeitsschutzkleidung kämpft Uvex mit den Unbillen internationaler Politik.

"Südafrika, die Türkei, der Iran, England, Russland - uns ist in den vergangenen Jahren ein wichtiger Markt nach dem anderen weggebrochen", klagt Winter. Mal aufgrund von Währungsschwankungen, mal als Folge politischer Entwicklungen. So verlor Uvex mit Gazprom einen großen Kunden in Russland, als die dortige Regierung als Reaktion auf die westlichen Sanktionen im Nachgang zur Krim-Annexion die Order ausgab, russische Firmen müssten auch bei russischen Firmen einkaufen.

Die Firma setzt nun zunehmend auf den US-Markt

Als Reaktion auf die Rückgänge in den genannten Ländern setzt Uvex verstärkt auf die Vereinigten Staaten, den größten Markt für Arbeitsschutzbekleidung. Lange spielten die Franken dort so gut wie keine Rolle, hatten sie doch 1993 nicht nur Teile ihres US-Geschäftes, sondern auch den Markennamen für den amerikanischen Markt verkauft. Um dort wieder Fuß zu fassen, stieg Uvex 2016 mit 45 Prozent beim US-Schutzhandschuhhersteller Hex-Armor ein; 2022 werden die Franken voraussichtlich die Mehrheit übernehmen. Schon jetzt wachsen Produktpalette und damit erzielte Umsätze. "Wir machen gerade auf dem US-Markt gute Sprünge", sagt Winter.

Und dann ist da das Digitalgeschäft. Zum Beispiel mit Arbeitsschuhen samt Sensor, der via Smartphone-App Hilfe organisiert, wenn der Schuhträger gestürzt und womöglich sogar bewusstlos ist. Oder da ist der Helm samt eingebautem Telefon. Bei solchen Einzelprodukten werde es nicht bleiben, sagt Markus Burghart, bei Uvex für die Entwicklung von digitalen Produkten zuständig. "Wir treiben die Vernetzung auch im Arbeitsschutz auf die Spitze."

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