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USA:Trumps größtes Konjunkturrisiko ist Trump

Containerschiff in der Bucht von San Francisco. Amerikas Wirtschaft durchlebt mit US-Präsident Trump unruhige Zeiten.

(Foto: Eric Risberg/AP)
  • Dass die US-Wirtschaft bald den längsten Aufschwung der US-Geschichte hinlegen würde, hätten viele Experten noch Anfang 2009 wohl kaum für möglich gehalten.
  • Die USA steckten nach dem Zusammenbruch des Immobilienmarkts und der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers in der tiefsten Krise seit der sogenannten Großen Depression der Dreißigerjahre.
  • Durch die Kombination von finanz- und geldpolitischer Feuerkraft gelang es tatsächlich, die Krise zu überwinden und einen Aufschwung einzuleiten.

Von Claus Hulverscheidt, New York

Dass Donald Trump seine Erfolge nicht gebührend feiern würde, hat ihm vermutlich noch keiner vorgeworfen, und so war mancher in Washington zu Wochenbeginn wohl schon in Deckung gegangen, um der befürchteten Twitter-Kanonade zu entgehen. Doch der Account des US-Präsidenten blieb zunächst ungewohnt stumm - kein einziger Hinweis darauf, dass die amerikanische Wirtschaft mit Beginn des Sommerquartals 2019 ein wahrlich einzigartiges Jubiläum feiern kann: zehn Jahre ununterbrochenes Wachstum, das hat es seit 1850 noch nie gegeben.

Was Trump davon abhielt, sein Smartphone zu zücken, weiß man nicht. Vielleicht aber war es politische Vorsicht, denn eine große Jubelarie hätte sich aus gleich zwei Gründen als Eigentor erweisen können. Zum einen wäre ein Feier-Tweet dem Eingeständnis gleichgekommen, dass siebeneinhalb der zehn Jahre nicht auf sein eigenes Konto gehen, sondern auf das seines Vorgängers Barack Obama. Das aber hätte die liebste Wahlkampferzählung des amtierenden Präsidenten konterkariert, wonach er 2017 ein heruntergewirtschaftetes Land übernehmen und komplett wiederaufbauen musste. Und zum anderen droht der Aufschwung gerade jetzt, im Jubiläumsjahr, zu Ende zu gehen - ein Katastrophenszenario für Trumps Wiederwahlambitionen.

Dass die Wirtschaft bald den längsten Aufschwung der US-Geschichte hinlegen würde, hätten viele Experten noch Anfang 2009 wohl kaum für möglich gehalten. Die USA steckten nach dem Zusammenbruch des Immobilienmarkts und der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers in der tiefsten Krise seit der sogenannten Großen Depression der Dreißigerjahre.

Allein im Schlussquartal 2008 schrumpfte die Wirtschaft aufs Gesamtjahr hochgerechnet um mehr als acht Prozent. Die Wende gelang nur durch einen Gewaltakt des neuen Präsidenten Obama und der Notenbank Fed: Obama schnürte ein 800 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket, die Fed senkte den Leitzins auf null und begann mit dem größten Programm zum Kauf längerfristiger Staatsanleihen, das es je gegeben hat.

Anteil der Arbeitnehmer am Nationaleinkommen ging zurück

Durch die Kombination von finanz- und geldpolitischer Feuerkraft gelang es tatsächlich, die Krise zu überwinden und einen Aufschwung einzuleiten, wenn auch um den Preis dramatisch steigender Staatsschulden und einer gigantisch aufgeblähten Notenbankbilanz. Zudem zeigte sich rasch ein Phänomen, das man aus früheren Jahren bereits kannte: Wird eine Rezession durch eine Finanzkrise ausgelöst, verläuft die Konjunkturerholung viel schleppender als sonst.

So stieg die Wirtschaftsleistung während der langen Aufschwünge der Sechziger- und Neunzigerjahre um insgesamt 54 beziehungsweise 43 Prozent. Dagegen lag das Plus von Mitte 2009 bis Frühjahr 2019 nur bei mageren 22 Prozent. Zugleich ging der Anteil der Arbeitnehmer am Nationaleinkommen spürbar zurück - ein Grund dafür, dass es Trump im Wahlkampf 2016 gelingen konnte, Obama und dessen Aufschwung zu diskreditieren.

Der amtierende Präsident, der das Wachstum mit Steuersenkungen und der Lockerung zahlreicher Auflagen zunächst spürbar gesteigert hatte, muss nun aufpassen, dass das Land nicht ausgerechnet unter seiner Ägide in die Krise rutscht.

Historisch gesehen gibt es in den USA drei wesentliche Ursachen, die eine Rezession auslösen können. Da ist zunächst die Fed, die den Kampf gegen die Inflation mitunter übertreibt und die Leitzinsen so rasch und kräftig anhebt, dass sie Firmen und Verbrauchern den Weg zu bezahlbaren Krediten versperrt. Ein zweiter Auslöser können Spekulationsblasen sein, etwa an den Aktienbörsen, im Technologiesektor oder auf dem Immobilienmarkt wie 1929, 1999 und 2007. Die dritte mögliche Ursache schließlich sind sogenannte externe Schocks wie die Ölkrisen in den Siebzigerjahren.

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