USA Warum Ivanka Trump unter Klüngel-Verdacht steht

Die Firma von Ivanka Trump kann Kunden aus China gut gebrauchen - in den USA hat sich die Präsidentschaft des Vaters für sie eher negativ ausgewirkt.

(Foto: REUTERS)
  • Seit Trump US-Präsident ist, gibt es den Vorwurf, dass er Amt und Geschäft zu sehr vermische.
  • Jetzt hat China der Modefirma der Präsidententochter gerade sieben neue Markenrechte zugesprochen.
  • Nur wenige Tage vor der Genehmigung der Rechte hatte Donald Trump verkündet, er sei bereit, chinesischen Wirtschaftsinteressen entgegenzukommen.
Von Kathrin Werner, New York

Die Produkte klingen nicht sehr glamourös: Steppdecken und Wickeltücher, Gardinen, Bettwäsche, Handtücher und andere Textilien. Aber zusammengenommen können sie viel Geld einbringen. Geld, das von China nach New York fließt. Aus den Portemonnaies chinesischer Konsumenten an Ivanka Trump. China hat der Modefirma der Präsidententochter gerade sieben neue Markenrechte zugesprochen - mitten in der heißen Phase des Handelsstreits zwischen der Regierung ihres Vaters und der Volksrepublik.

Nur wenige Tage vor der Genehmigung der Rechte hatte Donald Trump verkündet, er sei bereit, chinesischen Wirtschaftsinteressen entgegenzukommen: Es ging um den chinesischen Handyhersteller ZTE. Der US-Präsident erlaubt dem Unternehmen nach langem Streit nun doch, weiter Vorprodukte in den USA zu kaufen, wenn ZTE einer Strafzahlung von 1,3 Milliarden Dollar zustimmt, "umfangreiche Sicherheitsgarantien" abgibt und das Management wechselt. ZTE hatte gegen Iran- und Nordkorea-Sanktionen verstoßen. Die US-Regierung verbot US-Zulieferern wie Qualcomm und Intel daraufhin, in den kommenden sieben Jahren Bauteile oder Software an das Unternehmen zu verkaufen, was es fast in die Pleite trieb. Mitte Mai hatte Trump dann überraschend erklärt, er arbeite mit Chinas Präsident Xi Jinping an einer Lösung. Die Regierungschefs der weltgrößten Volkswirtschaften streiten über Handelsfragen wie Patentschutz und Währungsmanipulation. Trump droht mit Zöllen, zeigte sich zuletzt aber milder. Das liege auch an den Geschäftsinteressen seiner Familie, kritisieren Trumps Gegner.

Eine Präsidentenberaterin rief in einem Interview dazu auf: "Geh und kauf Ivankas Zeug."

Nicht nur Ivankas Modelinie, auch die Trump-Organisation selbst, die Immobilienfirma des Präsidenten, steht unter Klüngel-Verdacht. Die Trump-Firma will in einem geplanten Vergnügungspark auf der indonesischen Insel Java Hotels und Golfplätze bauen. Ein chinesischer Staatskonzern hat nun einen Vertrag zum Bau des Parks unterzeichnet und dafür gerade einmal 72 Stunden vor Trumps Deal mit ZTE einen Kredit der chinesischen Regierung über 500 Millionen Dollar bekommen. Die Trump-Organisation plant die Anlage in Indonesien schon seit 2015, also vor Trumps Präsidentschaft, trotzdem finden Beobachter das zeitliche Zusammentreffen des Staatskredits mit dem ZTE-Deal mehr als verdächtig. Trumps Anhänger halten es für puren Zufall - genauso wie die Zuteilung von Ivankas neuen Markenrechten.

Ihre Firma kann Kunden aus China jedenfalls gut gebrauchen, in den USA hat sich die Präsidentschaft des Vaters für sie eher negativ ausgewirkt. Die Nobel-Einzelhandelskette Nordstrom nahm Ivanka Trumps Schuhe und andere Produkte im Februar 2017 aus dem Programm. Grund seien sinkende Verkaufszahlen, nicht die Politik, teilte die Firma damals mit, nachdem Trump-Fans sie per Twitter attackiert hatten. Auch bei Burlington Coat Factory und Belk gibt es ihre Klamotten nicht mehr im Onlineangebot. Zwar verkaufen noch etliche Läden wie Walmart, Zappos, Macy's und Bloomingdale's ihre Marke, doch laut Medienberichten sinkt der Absatz. Vor gut einem Monat hat Ivankas Firma den eigenen Mode- und Lifestyle-Blog um eine eigene Verkaufswebsite für die Kleidung erweitert.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Tochter in China in Verdacht gerät, privaten Nutzen aus der Präsidentschaft ihres Vaters zu schlagen. Als Xi Jinping im April 2017 in die USA reiste, saß Ivanka Trump beim Abendessen mit am Tisch. Einen Tag später erhielt sie die Markenrechte für drei ihrer Produktlinien von den chinesischen Behörden, es ging um Schmuck, Taschen und Wellness-Dienstleistungen. Sie hatte die Rechte erst gut ein Jahr zuvor beantragt - eine Genehmigung im Eiltempo, so wie jetzt wieder. Inzwischen hat sie 34 Markenrechte in China.

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Ivanka Trump war im Januar 2017, kurz vor der Amtseinführung ihres Vaters, offiziell von der Führung ihrer Firma zurückgetreten, genauso wie ihr Vater den Chefposten in der Trump-Organisation aufgab. Stattdessen übernahm Trumps Tochter eine Rolle als Beraterin im Weißen Haus. Sie blieb über ein Stiftungskonstrukt aber weiter Eigentümerin des Unternehmens. Immer wieder gibt es Vorwürfe, die Trump-Familie vermische Profit und Politik. "Als Beraterin des Weißen Hauses hat Ivanka die USA bei zahlreichen diplomatischen Veranstaltungen vertreten, trotz der potenziellen Konflikte, die ihre Geschäftsinteressen betreffen", kritisiert die Gruppe Citizens for Responsibility and Ethics.

Gerade bei Ivanka Trump, die so sehr mit der Marke ihrer Firma verschmolzen ist, dass die Firma ohne ihr Gesicht nicht existieren würde, stellt sich die Frage, ob es überhaupt eine Bedeutung hat, wenn sie sich offiziell aus der Führung zurückzieht. Das Wall Street Journal ermittelte vor einiger Zeit, dass sie auf 68 Prozent aller Fotos, die sie in sozialen Medien veröffentlicht, ihre eigenen Sachen trägt - sie ist eine wandelnde Werbeanzeige. Trumps politisches Team gibt sich zudem keine große Mühe, die Trennung von Firma und Politik zu unterstützen. "Geh und kauf Ivankas Zeug, würde ich sagen", sagte Trump-Beraterin Kellyanne Conway in einem Interview, gerade in einer Zeit, als es heftige Kritik an ihrer Vermischung von Geschäft und Politik gab. "Ich gebe hier einen kostenlosen Werbespot: Geht und kauft es noch heute, ihr könnt es online finden."

Trump lässt einen großen Teil ihrer Produkte von Auftragsfertigern in China herstellen. Dort gibt es Streit um Löhne und Arbeitsbedingungen. Als ihr Vater vor Kurzem Zölle gegen etliche Waren aus China verhängte, ließ er Klamotten aus dem Land freistellen - inklusive der Klamotten der Modefirma Ivanka Trump.

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