Hollywood-Studio WarnerNetflix gibt auf – jetzt kommen die Trump-Leute

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Das Logo von Netflix auf einem Gebäude des Unternehmens in Hollywood: Der Streaming-Konzern bessert sein Angebot nicht nach.
Das Logo von Netflix auf einem Gebäude des Unternehmens in Hollywood: Der Streaming-Konzern bessert sein Angebot nicht nach. Daniel Cole/REUTERS
  • Netflix zieht sich überraschend aus dem Bieterkampf um Warner Bros. zurück, da das Geschäft nicht mehr finanziell attraktiv sei.
  • Konkurrent Paramount Skydance hatte sein Angebot erhöht und könnte nun Warner Bros. übernehmen.
  • Paramount-Chef David Ellison ist der Sohn von Oracle-Gründer Larry Ellison, einem engen Vertrauten von Donald Trump.
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Der Streaming-Konzern Netflix zieht im Bieterwettstreit um das Hollywood-Studio Warner Bros. nicht mehr nach. Jetzt könnte der Weg für Paramount frei sein – und damit für einen Vertrauten von Präsident Donald Trump.

Von Caspar Busse

Es sah eigentlich nach einer ziemlich klaren Sache aus: Der weltweit größte Streaming-Anbieter Netflix wollte das berühmte Hollywood-Studio Warner Bros. übernehmen und dafür die beträchtliche Summe von 80 Milliarden US-Dollar zahlen. Netflix würde mit dem Zukauf noch größer und mächtiger werden und hätte noch mehr Zugriff auf attraktive Inhalte. Das sah auf dem Papier schlüssig aus, so schlüssig, dass sich Netflix zu Milliardenzahlungen verpflichtete, sollte das Ganze doch noch scheitern. Aber was sollte da noch dazwischenkommen?

Seit diesem Freitag, also fast drei Monate später, sieht es nun schlecht für den Deal aus. Denn Netflix zieht sich überraschend aus dem Bieterkampf um Warner Bros. zurück. Das Geschäft sei finanziell nicht mehr attraktiv, heißt es plötzlich vom Streaming-Anbieter. Der Hintergrund: Konkurrent Paramount Skydance hatte zuvor sein konkurrierendes ⁠Angebot für Warner Bros. deutlich erhöht, nämlich auf 31 Dollar je Aktie. Die überarbeitete Offerte von Paramount sei dem bestehenden Vertrag mit Netflix überlegen, teilten die Warner-Laute dazu mit.

Warum so plötzlich? „Wir waren schon immer diszipliniert“, heißt es in einer Mitteilung von Netflix. „Bei ‌dem Preis, der erforderlich wäre, ‌um mit dem jüngsten Angebot von Paramount Skydance gleichzuziehen“, lohne sich die Übernahme nicht mehr. Man werde daher nicht mit dem Gebot von Paramount Skydance mitziehen. Den Anlegern zumindest gefällt das: Die Netflix-Aktie ging zeitweise um mehr als zehn Prozent nach oben. Netflix ist der mit Abstand größte Streaming-Anbieter der Welt. Warner Bros. hat beispielsweise Batman, Harry Potter und Superman im Programm sowie zahlreiche Serien von „Game of Thrones“ bis zu „Die Sopranos“.

Es geht auch um die Zukunft von CNN

Das Geschäft hat, wie in den USA zuletzt so oft, auch eine politische Dimension. Denn zu Warner Bros. gehört auch der Nachrichtensender CNN, der nicht mit Kritik an US-Präsident Donald Trump spart. Kein Wunder, dass CNN einer der Lieblingsfeinde von Trump ist und von ihm regelmäßig als Verbreiter von „Fake News“ attackiert wird. Netflix wollte CNN ursprünglich nicht mit übernehmen, sondern vorher abstoßen. Paramount dagegen hat deutliches Interesse an dem TV-Sender, und hier spielt die Politik rein.

Paramount-Chef David Ellison ist der Sohn von Oracle-Gründer Larry Ellison, und der Mann, der einer der reichsten Amerikaner ist, ist wiederum ein enger Vertrauter von Donald Trump. Der ursprüngliche Einstieg bei Paramount Skydance gelang auch mit den Milliarden aus dem Hause Ellision. Am Ende, so die Befürchtungen mancher in den USA, könnte CNN also so unter die Kontrolle des Trump-Lagers gelangen. Der TV-Sender gehört seit 2022 zum Medienkonzern Warner Bros.

Produzent David Ellison bei der UK-Premiere von „Top Gun: Maverick“ in einem Kino in London im Jahr 2022 (Archivbild).
Produzent David Ellison bei der UK-Premiere von „Top Gun: Maverick“ in einem Kino in London im Jahr 2022 (Archivbild). Alberto Pezzali/AP

Paramount-Chef David Ellison, 43, hatte monatelang um Warner Bros. gekämpft, auch mit einer politischen Lobbykampagne. Er reiste mehrfach nach Washington, um für den Deal zu werben. Sein Vater Larry garantierte sogar persönlich mehr als 40 Milliarden Dollar Eigenkapital für den Deal. Auch Trump selbst mischte sich zuletzt ein und forderte Netflix auf, Vorstandsmitglied Susan Rice, eine ehemalige Obama-Beraterin, wegen kritischer Äußerungen zu feuern.

Falls die Übernahme zustande kommt, würde der junge Ellison zum Chef eines der größten Medienimperien der Welt werden. Dazu würden zwei bekannte Hollywood-Studios gehören, nämlich Paramount und Warner Bros., sowie mehrere Streamingdienste und mehr als ein Dutzend amerikanische Kabelsender, darunter CNN, CBS, MTV, TNT und der Streamingdienst HBO. Paramount hatte zuletzt auch in Europa von der Uefa die Fernsehrechte an der Fußball-Champions-League erworben, unter anderem für Deutschland.

Ganz abgemacht ist es aber noch nicht, dass Paramount am Ende zum Zug kommt, auch wenn es jetzt gut ausschaut. In dem spektakulären Übernahmekampf um Warner Bros. gab es zuletzt immer wieder überraschende Wendungen. Zudem müssen noch Kartellbehörden zustimmen. Netflix hatte zugesagt, Warner Bros. sieben Milliarden Dollar zu zahlen, sollte der Deal scheitern – auch das viel Geld für etwas, was nicht zustande kommen sollte.

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