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USA:Trump macht Wall-Street-Anwalt zum Chef der Börsenaufsicht

Bislang Wall-Street-Anwalt, bald wohl Chef der US-Börsenaufsicht unter Donald Trump: Jay Clayton

Bislang Wall-Street-Anwalt, bald wohl Chef der US-Börsenaufsicht: Jay Clayton

(Foto: dpa)
  • Donald Trump will den Wall-Street-Anwalt Walter J. Clayton zum Chef der US-Börsenaufsicht machen.
  • Damit beruft Trump erneut einen Mann in sein Team, der enge Kontakte zu den größten US-Banken hat.
  • Trump will die Regulierung der Banken zurückdrehen. Clayton könnte als Chef der Börsenaufsicht eine Schlüsselrolle dabei einnehmen.

Von Jan Schmidbauer

Seinen Namen kannten bislang wohl nur Fachleute: Walter J. Clayton heißt der Mann, der bald der wichtigste Hüter des amerikanischen Börsenhandels werden soll. Die New York Times beschreibt ihn als "Insider unter den Insidern", als einen "Dealmaker". Clayton war bislang Partner in der Kanzlei Sullivan & Cromwell, die sich auf Fusionen und Börsengänge spezialisiert hat. Dort beriet er große Banken wie Goldman Sachs und fädelte Zusammenschlüsse von Unternehmen mit ein. Nun wechselt Clayton die Seite.

Der designierte US-Präsident Donald Trump gab am Mittwochabend bekannt, dass er ihn für den Chefposten der Börsenaufsicht SEC nominieren will. Die SEC überwacht den Wertpapierhandel und die Einhaltung der Regeln an der US-Börse. "Jay Clayton ist ein hoch talentierter Experte in vielen Bereichen der Finanzmarktregulierung und wird unter gleichzeitiger Einhaltung der Regeln sicherstellen, dass unsere Finanzinstitutionen blühen und Jobs schaffen", teilte Trump mit.

Die Berufung Claytons ist ein Zeichen, dass Trump mit seiner Ankündigung Ernst macht, die Regulierung der Finanzmärkte zurückzuschrauben. Die Regierung unter Präsident Obama hatte als Reaktion auf die Finanzkrise die Regeln für Banken verschärft. Als wichtigstes Element gilt der Dodd-Frank-Act, ein 2010 beschlossenes Reformpaket. Dieses möchte Trump demontieren. Und Clayton könnte dabei nun sein wichtigster Verbündeter werden. Denn als Chef der Börsenaufsicht würde er bei der Neugestaltung der Bankenregulierung eine Schlüsselrolle einnehmen.

Für die Berufung Claytons wurde Trump umgehend kritisiert

An den Finanzmärkten ist die Euphorie seit der Wahl Donald Trumps groß. Der Dow Jones steht kurz davor, die Marke von 20 000 Punkten zu übertreffen. Als Gewinner der Wahl sehen sich insbesondere auch die Banken. Papiere von Instituten wie Goldman Sachs oder der Bank of America haben seit der Wahl Trumps deutlich zugelegt. Die Banken erhoffen sich ein besseres Geschäft, sobald der neue Präsident die Regeln an den Finanzmärkten gelockert hat.

Für die Berufung Claytons wurde Trump umgehend kritisiert. "Die Nominierung eines Wall-Street-Insiders, der die Wall Street regulieren soll, beweist, dass Donald Trump keine Absicht hat, streng mit der Wall Street umzugehen", sagte etwa die kalifornische Abgeordnete Maxine Waters.

Als Chef der Börsenaufsicht wäre Clayton wohl einigen Interessenkonflikten ausgesetzt. Während seiner Zeit als Partner bei Sullivan & Cromwell half er unter anderem beim riesigen Börsengang des chinesischen Onlinehändlers Alibaba. Gegen diesen ermittelt die Börsenaufsicht derzeit wegen Unregelmäßigkeiten in der Buchführung. Die Nähe, die Clayton bislang zu den großen Banken hatte, könnte ebenfalls zu Interessenkonflikten führen.

Clayton ist nicht die einzige Wall-Street-Größe in Trumps Team

Weltweit herrscht Verwunderung über die Personalentscheidungen des zukünftigen Präsidenten. Denn sie wollen nicht so recht zu dem passen, was er im Wahlkampf ankündigte. Trump hatte im Wahlkampf eine Botschaft. Sollte er ins Weiße Haus einziehen, versprach er seinen Wählern, werde er etwas tun gegen die "korrupten Eliten", gegen die angebliche Vetternwirtschaft zwischen Politik und Finanzindustrie. Mit Clayton beruft er nun allerdings einen Mann in sein Team, der bis dato Teil der Finanzindustrie war.

Und Clayton ist nicht die erste Personalie, die aus dem direkten Umfeld der Wall Street kommt. Finanzminister soll etwa Steve Mnuchin werden. Er leitet einen Hedgefonds und arbeitete 17 Jahre für Goldman Sachs. Auch Trumps wichtigster Wirtschaftsberater, Gary Cohn, kommt von der Wall Street. Er hatte bislang einen Spitzenposten bei Goldman Sachs inne. Wenn der Senat Trumps neue Personalie, Walter J. Clayton, abnickt, hätte der künftige US-Präsident nun auch in der Börsenaufsicht einen Mann installiert, der sich an der Wall Street bereits bestens auskennt.

© SZ.de/mahu/mane

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