Ölreserven:USA erhöhen den Druck auf die Opec

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US-Ölpreis gibt nach Rekordsprung auf 100 US-Dollar leicht nach

Ein Arbeiter kontrolliert Ölfässer im Hamburger Hafen.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Um den Anstieg der Benzinpreise zu stoppen, werfen sechs große Staaten einen Teil ihrer Ölvorräte auf den Markt. Die Initiative ist für US-Präsident Biden ein Erfolg - und ein beträchtliches Risiko.

Von Claus Hulverscheidt, Berlin

Eine Staatengruppe unter Führung der USA will den Anstieg der Benzinpreise und damit der Inflationsraten durch den Verkauf von Teilen ihrer Ölreserven stoppen. Wie das Weiße Haus am Dienstag mitteilte, sind an dem Vorstoß auch China, Japan, Indien, Südkorea und Großbritannien beteiligt. Ziel sei es, für mehr Angebot auf dem Weltmarkt zu sorgen, hieß es. Der erhoffte Preisknick blieb allerdings zunächst aus: Mit knapp 80 Dollar kostete ein Fass der Nordseesorte Brent am Nachmittag nur etwa sechs Dollar weniger als beim Jahreshoch Ende Oktober.

Eine konzertierte Aktion dieser Größenordnung hat es im internationalen Ölgeschäft noch nicht gegeben. Viele Länder halten eine sogenannte strategische Ölreserve vor, um für Naturkatastrophen, Kriege und andere Krisen gewappnet zu sein. Dass ein Teil des Vorrats auf den Markt geworfen wird, kommt eher selten vor. Insbesondere US-Präsident Joe Biden steht wegen des ständigen Anstiegs der Benzinpreise daheim stark unter Druck. Wiederholte Forderungen und auch Drohungen Washingtons an die Adresse des Förderländerkartells Opec sowie Russlands, die Produktion angesichts der hohen Nachfrage deutlich auszuweiten, hatten in den vergangenen Wochen nicht gefruchtet.

Wie jetzt aus Washington verlautete, wollen allein die USA über die nächsten Monate 50 Millionen Barrel Öl auf den Markt werfen. Das entspricht fast acht Milliarden Litern. Selbst während des ersten Golfkriegs oder der politischen Umwälzungen im wichtigen Förderland Libyen im Jahr 2011 hatten die Vereinigten Staaten nicht solche Mengen freigegeben.

Dass es Biden gelang, auch einen politischen Konkurrenten wie China für die Initiative zu gewinnen, ist für ihn ein diplomatischer Erfolg und für die Opec ein bedrohliches Signal. Die Entscheidung birgt aber auch für den US-Präsidenten Risiken, denn es ist keineswegs sicher, dass es ihm und seinen Mitstreitern gelingen wird, die Preise spürbar und vor allem dauerhaft zu senken. Opec-Vertreter drohten bereits damit, die eigenen Pläne für eine Ausweitung der Fördermengen auf Eis zu legen.

Deutschland wurde im Rahmen der Aktion offenbar nicht angesprochen. Laut Wirtschaftsministerium könnten die hiesigen Reserven auch nur angezapft werden, wenn die Internationale Energie-Agentur eine solche Aktion konzertiert in die Wege leiten würde.

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