USA Milliardenschwere Firma vom Handel ausgesetzt

Der Fall Neuromama ist mysteriös. Die Aktien des Unternehmens wurden kaum gehandelt, aber plötzlich sollte die Firma 35 Milliarden Dollar wert sein. Die Börsenaufsicht schritt ein.

Die Firma war außergewöhnlich viel wert, ihr Geschäftszweck mysteriös. Der Fall war so sonderbar, dass diese Woche schließlich die amerikanische Finanzaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) einschritt. Die Aktien der Neuromama Ltd. wurden vom Handel ausgesetzt. Die SEC sprach von "potenziell manipulativen Transaktionen" und Sorgen über die Identität der Personen, die die Kontrolle über die Firma hätten.

Offiziell lizenziert Neuromama Technologie-Patente, dazu kommen weitere Projekte. Der Börsenwert der Firma stieg in diesem Jahr auf 35 Milliarden Dollar, er hatte sich mehr als vervierfacht. Viele Aktien waren allerdings nicht im Umlauf, das Handelsvolumen war klein. Manchmal wurden 500 Papiere an einem Tag gehandelt, manchmal gar keine. Vor der Aussetzung war der Marktwert von Neuromama größer als der des Autoherstellers Tesla. Auch der Firmensitz wirft viele Fragen auf. Er lag zunächst im Südwesten Sibiriens, später an einem Strandort nahe dem mexikanischen Tijuana. Die obskure Firma veröffentlichte schon seit 2013 keine Finanzberichte mehr.

Neuromamas Milliardenbewertung ist für Beobachter ein typischer Fall des größtenteils nicht-regulierten außerbörslichen Markts, auf dem nicht nur Amerikaner aktiv sind. Aktien vieler Unternehmen kosten nur ein paar Cent, die Firmen unterwerfen sich nicht den Transparenz-Anforderungen der Börsen in New York. Dieser Bereich ist seit langem eine Fundgrube für Betrüger. Als die SEC den Handel stoppte, berief sich die Behörde unter anderem auf falsche Angaben des Unternehmens, als es sich für eine Notierung an der Nasdaq beworben habe.

Das Problem ist seit langem bekannt. "Strohfirmen sind seit Jahrzehnten ein Problem für die Behörde, weil sie nicht über die Ressourcen verfügt, um sie zu beaufsichtigen", sagt Stephen Crimmins, ein ehemaliger SEC-Anwalt, der inzwischen für die Kanzlei Murphy & McGonigle arbeitet. "Das ist ein Bereich, der unbedingt mehr Aufmerksamkeit bedarf." Trotz der SEC-Bemühungen, mehr als 800 solcher Unternehmen in den vergangenen paar Jahren im Rahmen einer Aktion namens "Shell Expel" zu entfernen, werden noch immer Hunderte Firmen ohne offensichtlichen, echten Geschäftszweck gehandelt. Mehrere wie Neuromama haben nur kleine oder gar keine Umsätze berichtet - und kommen dennoch auf einen Marktwert von Milliarden an Dollar. Ein Anruf bei Neuromama blieb unbeantwortet.