Konflikt zwischen USA und Iran Eine Eskalation wäre ein Schock für die Energiemärkte

Von den Drohgebärden am Golf zeigen sich die Marktteilnehmer bislang noch nicht beeindruckt.

(Foto: REUTERS)
  • Trotz des Konflikts zwischen Iran und USA ist der Ölpreis bislang relativ stabil.
  • Aber in einem Kriegsszenario wären Erdölexporte aus den Golfstaaten zumindest vorübergehend blockiert.
  • Sollte ein militärischer Konflikt auf andere Länder der Region übergreifen, könnte ein längerer Engpass drohen.
Von Jan Willmroth

An der Küste im Nordosten Chinas, im riesigen Hafen von Dalian, wartet ein Vermögen, das niemand haben will. Als die USA vor gut sechs Monaten Ernst machten mit neuen Sanktionen gegen Iran, wurde in dem Land bald der Platz knapp, um Erdöl einzulagern. Also nutzten die Iraner Tanker auf hoher See als schwimmende Lagerstätten, und sie füllten Öltanks in Häfen wie Dalian. Dort liegt nun seit Monaten iranisches Öl im Wert von etwa einer Milliarde Dollar, das die Chinesen nicht mehr importieren können, ohne gegen die Sanktionen der USA zu verstoßen.

China ist der wichtigste Abnehmer iranischen Öls und war bis vor einer guten Woche eines von acht Ländern, denen die USA noch Ausnahmegenehmigungen für den Ölimport aus Iran erteilt hatten. Seit dem 2. Mai darf nun kein Land mehr Öl aus dem Golfstaat einführen. Teherans Ölexporte brechen bereits ein, eine der wichtigsten Geldquellen der Mullahs ist dabei zu versiegen. Nach offiziellen Zahlen finanziert sich das iranische Regime noch zu 35 Prozent aus dem Ölexport.

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Eine Eskalation dieses Konflikts wäre für die Energiemärkte ein Schock, mit schwer zu kalkulierenden Folgen für die Weltwirtschaft. Sicher zu erwarten sind Preissteigerungen für Benzin, Diesel und andere Erdölprodukte. In einem Kriegsszenario wären Erdölexporte aus allen Golfstaaten zumindest vorübergehend blockiert und würden dem Weltmarkt augenblicklich fehlen. Sollte ein militärischer Konflikt auf andere Länder der Region übergreifen, könnte ein längerer Engpass drohen - den Wegfall Venezuelas als verlässlichen Öllieferanten und die unklare Lage in Libyen nicht mit eingerechnet.

Saudi-Arabien hat versprochen, Teherans Kunden ihre Öl-Bestellungen zu ersetzen

Noch zeigen sich die Marktteilnehmer aber nicht beeindruckt von den Drohgebärden am Golf. Der Preis für ein Fass (etwa 159 Liter) Öl der Referenzsorte Brent schwankte im Lauf der Woche um 70 Dollar. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China drückt den Preis, während ihn die Spannungen am Golf und Ausfälle in Russland und Nigeria steigern.

Seit Ankündigung der Iran-Sanktionen vor einem Jahr ist eine Fördermenge von 1,7 Millionen Fass Öl pro Tag vom Markt verschwunden, was aber keine größeren Folgen hatte. Nicht zuletzt sind die USA in der Zwischenzeit zum Nettoexporteur aufgestiegen und kompensieren den Ausfall Irans als Öllieferant für Europa. Im Dezember hatte sich das Ölkartell Opec mit Russland und anderen Partnerstaaten sogar darauf verständigt, die Produktion zu drosseln, um den Preis zu stützen. Die Internationale Energieagentur befand kürzlich, die Produktionskapazitäten seien "auf einem komfortablen Niveau" und die Märkte angemessen versorgt.

Ein akuter Mangel ist also zumindest bislang nicht zu befürchten, zumal Saudi-Arabien nicht uneigennützig versprochen hat, Teherans Kunden ihre Ölbestellungen zu ersetzen. Wenn die iranische Delegation um Ölminister Bijan Namdar Zanganeh Ende Juni zum Opec-Treffen nach Wien reist, werden dort auch die Sanktionen Thema sein. Vor allem aber werden die 14 Mitglieder des Ölkartells und ihre zehn Verbündeten entscheiden, ob sie ihre Förderkürzungen fortsetzen. Viel wird davon abhängen, wie fragil die Situation dann ist. Und davon, ob Iran weiterhin genügend Öl auf dem Schwarzmarkt loswerden kann.

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