Meinung am Mittag: USA und China Konfrontation der Supermächte

Das Treffen von Xi Jinping und Donald Trump nach dem G-20-Gipfel: Es wurde als kleiner Schritt zum Miteinander der beiden Supermächte gedeutet. Mittlerweile geht es wieder um die Härte im Gegeneinander.

(Foto: REUTERS)

Der Westen ließ sich von der Hoffnung leiten, dass China nicht nur der Marktwirtschaft verfällt, sondern auch den westlichen Werten. Das war ein Trugschluss.

Kommentar von Stefan Kornelius

Eines der großen Rätsel der Weltpolitik ist entschlüsselt, eine der letzten Unbekannten in der Gleichung der Mächte scheint aufgelöst zu sein: China und die USA haben ihre Rivalität akzeptiert. Die Zeit von Ausgleich, gedeihlichem Miteinander, behutsamer Steuerung - sie ist vorbei. Es geht nun nicht mehr um die Modalitäten des Miteinanders, sondern um die Härte im Gegeneinander. In Washington jedenfalls wächst eine seltene Einigkeit zwischen allen politischen Lagern: Die USA müssen sich wehren gegen den Handelsgiganten, den Technologieriesen, den militärischen Aufsteiger China. Willkommen in der neuen Welt der Supermachtskonfrontation, in der nur noch nicht entschieden ist, wie heftig die Kollision ausfallen wird.

Seit der Öffnung des Landes vor 40 Jahren war der Westen von der Hoffnung geleitet, dass China auf dem Weg der Marktwirtschaft auch von den Segnungen individueller Freiheiten und des Pluralismus geküsst werden würde, kurz: dass China irgendwann dem westlichen Modell verfallen müsste. Das war ein Trugschluss. Vielmehr hat das Land zwar einen rasanten Aufstieg absolviert, es hat Hunderte Millionen Menschen aus der Armut geführt und einen bemerkenswerten Ehrgeiz dabei gezeigt. Aber es hat auch eine eigene Form der Ordnung entwickelt, die nun mehr und mehr Konflikte mit dem Westen provoziert.

Tech-Industrie Für China ist diese Festnahme eine "Kriegserklärung"
Huawei-Managerin

Für China ist diese Festnahme eine "Kriegserklärung"

Das Land ist empört darüber, dass Meng Wanzhou im Gefängnis sitzt. Die Managerin arbeitet nicht nur für den Milliardenkonzern Huawei. Sie ist auch die Tochter des Gründers.   Von Lea Deuber

Militärisch, technologisch, ideologisch, in den Spielregeln der Marktwirtschaft, der Transparenz, Offenheit und der Rechtsstaatlichkeit: Chinas Modell wird von einer wachsenden Zahl Politiker und Wirtschaftsführer im Westen als Bedrohung wahrgenommen. Die Landnahme oder besser Landgewinnung im Südchinesischen Meer steht geografisch für diese raumgreifende Grundhaltung, die staatlich proklamierte Technologiepolitik mit ihren strategischen Zukäufen in aller Welt ist ihre ökonomische Ausgeburt.

Im Fall Huawei spiegeln sich alle Rivalitäten

All dies fiele in die Kategorie natürliche und bisweilen auch heftige Konkurrenz, wenn denn der Wettbewerb unter gleichen Bedingungen stattfände. Findet er aber nicht, weder unter marktwirtschaftlichen noch unter politischen Gesichtspunkten. Vor allem die politische Absicht hinter Chinas neuem Expansionismus löst, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim China-Besuch so treffend gesagt hat, "ein mulmiges Gefühl" aus. Ökonomische Rivalität ließe sich steuern, politische Konfrontation mündet früher oder später in den Systemkonflikt.

Dieser Wendepunkt auf dem Weg zum Konflikt ist mit den USA nun erreicht. Im Haftbefehl gegen die Huawei-Vorstandsfrau Meng Wanzhou spiegeln sich alle Rivalitäten um Märkte, Transparenz, Vertragstreue, Kontrolle und natürlich die Systemfrage: Wie viel Macht gesteht man einem Konzern in der Steuerung der Technologie der Zukunft zu, wenn unklar ist, wer diesen Konzern in welcher Absicht tatsächlich lenkt?

Steinmeier hat freundlich im Ton, aber klar in der Sache seinen chinesischen Gastgebern die Grundvoraussetzungen für ein gedeihliches Miteinander unterschiedlicher Systeme genannt: Verlässlichkeit und Berechenbarkeit. Die USA sind weiter, auch weil Trump dem Dialog den Sauerstoff entzieht. Hier stehen sich nun zwei Großmächte feindselig gegenüber. Deutschland und Europa werden sich diesem Sog nicht entziehen können.