US-Verkehrsstudie Schlimmer als vorher

In neun US-Metropolen hat der Verkehr trotz Uber & Co. zugelegt. Die Fahrgemeinschaften sind wohl sogar der Grund dafür, dass mehr gefahren wird.

Von Jürgen Schmieder

Das Versprechen ist gewaltig, so wie die meisten Versprechen aus dem Silicon Valley gewaltig sind: Wäre das nicht wunderbar, wenn wir, anstatt alleine im Fünf-Personen-Auto zu sitzen und über diese Ineffizienz die Straßen zu verstopfen, Fahrgemeinschaften bilden würden? Wenn der Fahrer ein bisschen Geld bekäme und auch der Vermittler entlohnt würde? Wären nicht alle ein bisschen glücklicher und die Welt ein besserer Ort? Wie so oft im Techniktal an der Westküste sind Ideen und Versprechen meist nicht mehr ganz so grandios, wenn sie einem Realitätscheck unterzogen werden: Bruce Schaller, einst stellvertretender Leiter der Verkehrsplanung in New York, hat eine Datenstudie veröffentlicht, der zufolge Fahrvermittler wie Uber und Lyft den Verkehr in neun amerikanischen Metropolen verschlimmert haben.

"Das liegt daran, dass viele Gäste von öffentlichen Verkehrsmitteln auf die Ride-Sharing-Dienste umgestiegen sind", schreibt Schaller, der bereits mit der Studie "Unsustainable?" über die Auswirkungen der Fahrdienste auf New York City Aufsehen erregt hat. Manche seien vorher auch zu Fuß gegangen oder mit dem Rad gefahren. Nun behauptet Schaller, dass für jeden Kilometer, der wegen der neuen Fahrgemeinschaften weniger gefahren werde, etwa 2,6 neue Kilometer hinzukämen. So seien in diesen neun Städten, darunter Los Angeles (Foto), innerhalb der vergangenen sechs Jahre 9,1 Milliarden Kilometer zusätzlich gefahren worden: "Die Fahrer bewegen sich zwischen den Fahrten, und sie müssen ihre Passagiere abholen."

Uber und Lyft haben die Studie als unzureichend und veraltet bezeichnet, weil Schaller nur Daten bis zum Ende des vergangenen Jahres analysiert habe. Sie verkaufen ihre Idee noch immer als grandios und geben weiterhin ein gewaltiges Versprechen auf eine bessere Zukunft ab.