Intel soll nicht sterben – auf diese kurze Formel lassen sich zwei aktuelle Entwicklungen rund um den kriselnden amerikanischen Chiphersteller bringen. Die US-Regierung unter Führung von Donald Trump hat erklärt, dass sie einen Zehn-Prozent-Anteil an dem Unternehmen übernehmen will. Und der japanische Konzern Softbank, einer der weltweit größten Tech-Investoren, hat Intel-Aktien im Wert von zwei Milliarden US-Dollar gekauft, um den Chiphersteller zu stützen.
Chiphersteller – bei Intel stimmt dieser Begriff noch im ursprünglichen Sinn des Wortes. Denn Intel gehört zu den wenigen Firmen in dieser Branche, die die wichtigen elektronischen Bauteile entwickeln und auch selbst fertigen – nicht nur, aber auch in den USA. Obwohl in jüngerer Zeit technologisch hinter die Konkurrenz zurückgefallen, zählt Intel als Chipfirma noch immer zur erweiterten Weltspitze.
Intel fällt also mehr als so manches andere Unternehmen in die Rubrik: „wichtig für die nationale Sicherheit“. Schließlich sind Chips nicht nur für die Wirtschaft von höchster Bedeutung, sondern auch fürs Militär. Die technologische Überlegenheit der US-Streitkräfte rührt zu einem großen Teil von der Führerschaft in diesem Bereich her. Intel hat folgerichtig auch einen Milliardenauftrag des Verteidigungsministeriums für die Lieferung von Chips erhalten.
Intel bleibt technologisch zurück
Daher ergibt es für die US-Regierung durchaus Sinn, das Unternehmen mit einer Beteiligung zu unterstützen. Handelsminister Howard Lutnick bestätigte am Dienstag den Einstieg des Staates, nachdem zuvor mehrere Medien über die Pläne berichtet hatten. Die weitaus meisten Hochleistungs-Chips liefert derzeit das Unternehmen TSMC aus Taiwan. Es hat, stark gefördert vom Staat, eine unerreichte Expertise in der hochkomplexen Fertigungstechnologie entwickelt, bei der es mittlerweile um Nanometer geht – also um Millionstel Millimeter. Intel dagegen hat es nicht geschafft, auf diesem Gebiet mitzuhalten. Ob die ehrgeizigen Pläne des neuen Intel-Chefs Lip-Bu Tan aufgehen, der einen großen technologischen Sprung schaffen will, ist fraglich. Immerhin scheint zunächst einmal die Forderung Trumps vom Tisch zu sein, Tan müsse sein Amt sofort räumen – wegen zu enger Beziehungen nach China.
Das ist aber nur eine Sorge weniger für Lip-Bu Tan. Der in Malaysia geborene Chip-Experte muss einerseits sparen. Nachdem es bereits Entlassungen unter seinem Vorgänger Pat Gelsinger gegeben hatte, will Tan noch einmal Jobs abbauen: Weitere 20 Prozent der Belegschaft sollen gehen. Andererseits muss der Konzern technologisch aufholen bei den modernsten Fertigungstechnologien. Intel hat dazu für mehrere Hundert Millionen Euro die neueste Lithografietechnologie des niederländischen Herstellers ASML eingekauft, die noch feinere Strukturen auf Chips erzeugen kann. Mithilfe der ASML-Technologie werden die Chips schneller und zugleich weniger energiehungrig. Bis dato ist die Ausbeute an funktionierenden Chips, der sogenannte yield, aber zu gering. Ob sich das bis zum Herbst verbessert, ist die Frage.
Kommt es zum Einstieg der Regierung bei Intel, handelt es sich um die größte staatliche Intervention in den USA seit der Unterstützung der Autoindustrie nach der Finanzkrise 2008. Geplant ist eine Umwidmung von Mitteln aus dem sogenannten Chips-Act, den die Regierung unter Trumps Vorgänger Joe Biden im Jahr 2022 erlassen hat. Das Ziel damals: Chipentwicklung und Herstellung in den USA zu fördern. Zehn Milliarden Euro Fördergeld, das Intel erhalten hat, könnten in eine direkte Staatsbeteiligung umgewandelt werden. Intels Börsenwert liegt bei gut 100 Milliarden US-Dollar, es geht also um einen Anteil von etwa zehn Prozent.
Intel hat sich durch Managementfehler in vergangenen Jahren in diese missliche Lage gebracht. Die lange dominierende Firma verpasste das Riesengeschäft mit Smartphones ebenso wie das mit künstlicher Intelligenz. Zudem kam die Firma bei den modernsten Fertigungstechnologien nicht schnell genug mit. Firmen wie Nvidia nutzten die Chance und hatten damit überragenden Erfolg.

