US-Präsident in Davos Trump macht die Schweiz nervös

Im vergangenen Jahr war er das wohl größte Thema, in diesem Jahr kommt er persönlich nach Davos: US-Präsident Donald Trump.

(Foto: Bloomberg)
  • In der Schweiz überschlagen sich die Nachrichten, seit Donald Trump angekündigt hat, nach Davos zu kommen.
  • Für linke Politiker ist der Besuch ein Albtraum. Die Proteste gegen die Veranstaltung könnten in diesem Jahr wieder deutlich größer ausfallen.
  • Auch logistisch dürfte es eine Herausforderung werden. Hoteliers fürchten dramatische Auswirkungen.
Von Charlotte Theile, Zürich

Nur noch knapp zwei Wochen, dann werden im schweizerischen Bergdorf Davos die Reichen und Mächtigen dieser Welt eintreffen. Es schien, als sei alles vorbereitet für das jährlich stattfindende Weltwirtschaftsforum. Doch am Dienstagabend erreichte die Schweiz eine Nachricht, die so ziemlich alles verändert. Donald Trump wird nach Davos fliegen, teilte das Weiße Haus mit. Der Präsident freue sich sehr darauf, seine "America first"-Politik mit anderen Staatschefs zu diskutieren, teilte seine Sprecherin mit.

Seither herrscht große Aufregung im Land. Die Nachrichten überschlagen sich geradezu. So erklärt die Boulevard-Zeitung Blick ihren Lesern sehr ausführlich, wie viele Helikopter, Limousinen und schwer bewaffnete Sicherheitskräfte "die Amis" bei solchen Besuchen üblicherweise mitbringen. "So marschiert das Weiße Haus in Davos ein", schrieb das Blatt.

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Alain Berset, seit einigen Tagen Bundespräsident der Schweiz und damit protokollarisch an der Reihe, ist davon nicht eingeschüchtert. Im Gegenteil: Er ließ bereits mitteilen, er würde den US-Präsidenten gerne zum "Austausch" treffen. Sein Sprecher lobte zudem die Beziehungen zu den USA.

Die Veranstalter des Weltwirtschaftsforums, die im vergangenen Jahr mit Chinas Staatschef Xi Jinping immerhin den "zweitmächtigsten Mann der Welt" zu Gast hatten, freuen sich über die unerwartete Aufwertung der zum 48. Mal stattfindenden Zusammenkunft in den Bündner Bergen. Ein Davoser Hotelier, der einst Bill Clinton zu Gast hatte, warnt dagegen vor dem logistischen Aufwand, der nun auf den Ort zukommt: "Trumps Besuch wird Davos ganz dramatisch berühren", sagte er. Schließlich reist der Präsident mit einer riesigen Entourage an - gut möglich, dass er ein gesamtes Fünf-Sterne-Hotel belege. Von einer Neubeurteilung der Sicherheitsmaßnahmen ganz zu schweigen.

Auch inhaltlich dürfte der Besuch von Trump, der für eine protektionistische Wirtschaftspolitik steht, den Charakter des Weltwirtschaftsforums verändern. 2017 fand das Treffen wenige Tage vor Trumps Amtsantritt statt - und damals waren sich die meisten Besucher einig: Der Populist aus Washington, der sich gegen viele internationale Verträge ausgesprochen hatte und weder für Freihandel noch für koordinierten Klimaschutz etwas übrigzuhaben schien, sei ein Problem. Ohnehin schien die neue US-Administration wenig vom Treffen in der Schweiz zu halten. Trumps früherer Chefstratege Steve Bannon hatte Davos als "Hort der feigen globalen Elite" geschmäht.

Nun fliegt Trump persönlich ein. Und trotz der möglichen Konflikte freuen sich die Veranstalter. Barack Obama hatte es während acht Jahren Präsidentschaft nie nach Davos geschafft. 2016 flog, ebenfalls mit gewaltigem Sicherheitsaufwand, sein Vize Joe Biden ein. Die Trump-Administration schickte im vergangenen Jahr nur Anthony Scaramucci, der im Sommer für einige Tage Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses wurde. In Davos wurde der Berater des US-Präsidenten trotzdem als "heimlicher Star" gehandelt. Seine Botschaft von damals ähnelt den Worten, mit denen Trump sich auf Twitter in diesen Tagen selbst beschreibt. Der Präsident sei ein "Genie", sagte Scaramucci in Davos. Die Welt könne froh sein, ihn zu haben.

Für linke Politiker ist der Trump-Besuch ein Albtraum

Viele sehen das anders, auch in der Schweiz. Linke Politiker wie die Juso-Präsidentin Tamara Funiciello protestieren gegen den Besuch. Es sei "eine Katastrophe, dass dieser Typ" anreise, sagte sie. Trump ist in linken Kreisen das Feindbild schlechthin: Er gilt als neoliberal, rassistisch, sexistisch und verlogen.

Die Demonstrationen gegen das Weltwirtschaftsforum, die vor einigen Jahren das ganze Land beschäftigt hatten, waren zuletzt kleiner geworden. Mit Trump als Special Guest wird das anders sein. In Zürich und Bern werden große Proteste erwartet. "Niemand sonst hat das Potenzial, in Davos oder anderswo in der Schweiz derart für Gegenveranstaltungen und Proteste zu mobilisieren", teilt die globalisierungskritische Nichtregierungsorganisation "Public Eye" mit. Auch die Boulevardzeitung Blick kann ihre Aufregung nicht für sich behalten. Die "brave Runde", zu der Davos in den vergangenen Jahren geworden sei, werde durch Trump wieder aufgemischt. "'Amerika wieder groß machen' lautete Trumps Versprechen. 2018 macht er Davos wieder groß. Riesig groß."

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