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US-Notenbankchefin Janet Yellen:Der weitere Weg unter Yellen wird nicht einfach werden

Alle Beteiligten operieren auf unerforschtem Terrain - gerade wenn es um die Normalisierung der Geldpolitik geht. Und die Normalisierung muss jetzt kommen, alles andere wäre unverantwortlich. Die Inflation, vor der Bernanke-Kritiker seit Jahren warnen, ist zwar bisher ausgeblieben. Im Gegenteil: Die Teuerung ist so gering, dass viele schon den Absturz in eine zerstörerische Deflation fürchten. Aber irgendwann wird das Inflationspotenzial freigesetzt werden. Tatsächlich hat die Fed im Dezember mit der Normalisierung begonnen, allerdings äußerst vorsichtig: Sie verknappt das Geld noch lange nicht, sondern reduziert lediglich das Tempo, mit dem sie neues schafft.

Der weitere Weg für die Fed unter Yellen wird nicht einfach werden. Geldpolitik hat nicht nur mit Geld zu tun, sondern ebenso viel mit Politik. Die Fed arbeitet nicht im luftleeren Raum, sondern in Washington mit seinem dysfunktionalen politischen System und sie hat es mit einer verunsicherten öffentlichen Meinung zu tun.

Das größte Risiko heißt Überforderung

Geldpolitik kann zudem jede Menge unbeabsichtigter Konsequenzen nach sich ziehen. Ein Beispiel ist die Währungskrise, die jetzt in der Türkei, Argentinien. Südafrika und anderen Ländern ausgebrochen ist. Deren Ursachen liegen in den Ländern selbst, ausgelöst wurde die Krise jedoch durch Spekulationen über höhere Zinsen in den USA. Die Fed muss sich auf solche Überraschungen einstellen. Dabei könnte es helfen, dass Yellen als fähige Kommunikatorin gilt.

Das größte Risiko für die Fed unter Yellen heißt Überforderung. Yellen und ihr Gegenpart Mario Draghi von der EZB stehen ja auch deshalb so in den Schlagzeilen, weil sie von den gewählten Politikern allein gelassen werden. Die Finanzpolitik als zweite Säule der Krisenpolitik fällt aus.

Washington ist durch den Krieg zwischen Demokraten und Republikanern gelähmt; dort hat sich die Lage immerhin insofern etwas gebessert, als nach einem Waffenstillstand im Kongress die Finanzpolitik ein bisschen rationaler geworden ist. In Europa fehlen der institutionelle Rahmen und die Öffentlichkeit, um eine gemeinsame rationale Finanzpolitik zu stützen. Alles zusammen bringt Janet Yellen in die außerordentliche Position einer Taube, die sich jetzt als Falke bewähren muss.

© SZ vom 03.02.2014/ebri
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