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US-Notenbanker Bernanke zur Krise:Europa, hol dir dein Geld woanders!

Die US-Notenbank könnte dem schuldengeplagten Europa mit ihrer finanziellen Feuerkraft helfen. Doch ihr Chef Ben Bernanke erteilt diesen Wünschen nun eine Absage: Einen "bailout" werde es mit ihm nicht geben. Dafür macht Russland der Euro-Zone eine Milliarden-Zusage.

Auf Amerika kann Europa nicht zählen. Im Kampf gegen die Schuldenkrise der alten Welt hat der US-Notenbank-Chef Ben Bernanke dem Wunsch nach einer Beteiligung seiner Fed an einer Rettungsaktion eine Absage erteilt. Das sagten zumindest republikanische Senatoren nach einem Treffen mit Bernanke.

Fed Chair Ben Bernanke Brief GOP Lawmakers On Euro Zone Financial Crisis

Kein bailout für Europa: Ben Bernanke (links) auf dem Weg zu seinem Treffen mit republikanischen Senatoren.

(Foto: AFP)

"Wir machen uns alle Sorgen, ob der amerikanische Steuerzahler für europäische Staaten und Banken einspringen wird", sagte Senator Lindsey Graham. Doch Bernanke habe gesagt, dass er weder die Absicht noch die Befugnis habe, dies zu tun, betonte ein anderer Senator.

Zugleich soll Bernanke deutlich gemacht haben, dass die Euro-Schuldenkrise auch die USA beeinträchtigen könnte.

Ob Bernanke mit seinem Statement jede Form von Hilfe für Europa ausgeschlossen hat, ist unklar. Es dürfte jedoch die Mission von Jens Weidmann erschweren. Der Präsident der Deutschen Bundesbank hatte erst am Mittwoch gesagt, auch Länder und ihre Institutionen außerhalb der Euro-Zone und der EU müssten sich an den Extra-Zahlungen an den Internationalen Währungsfonds beteiligen - also zum Beispiel die Fed. Sollte der Rest der Welt nicht mitmachen, werde die Bundesbank ihre bereits dem IWF zugesagten 45 Milliarden Euro zurückhalten, drohte Weidmann. Zuvor hatte er bereits in einem Brief an Finanzminister Wolfgang Schäuble für die Einbindung von Nicht-EU-Staaten geworben.

Weil sich die Schuldenkrise zuletzt auch auf große Euro-Länder wie Italien ausgeweitet hat, wurde beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel eine Aufstockung der IWF-Gelder mit Hilfe der Notenbanken um bis zu 200 Milliarden Euro verabredet, um den Schutzschirm über der Euro-Zone zu stärken. Bundesbank und Fed sind beide Anteilseigner des IWF. Denn der gehört nicht den Staaten, sondern ihren Notenbanken.

Weidmann will sicherstellen, dass das Geld nicht nur speziell für die Rettung angeschlagener Euro-Länder verwendet wird, sondern dem Währungsfonds generell zur Verfügung steht. Wenn nur Zentralbanken der Euro-Zone Geld einsetzten, käme das seiner Überzeugung nach der illegalen Schuldenfinanzierung durch die Währungshüter gleich.

Eine klarere Zusage als Bernanke hat Russland gemacht: Die Regierung will der Euro-Zone über den Internationalen Währungsfonds mindestens zehn Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. "Wir sind bereit, unseren Anteil über den IWF zu erfüllen", sagte ein Berater von Präsident Dmitri Medwedew in Brüssel vor Beginn des EU-Russland-Gipfels. "Zehn Milliarden Dollar sind der Mindestbeitrag."

In den Vereinigten Staaten hat die europäische Schuldenkrise noch einen anderen Effekt: Amerikanische Verbraucher und Unternehmen haben im vergangenen halben Jahr ein Viertel ihrer Barguthaben von ausländischen Banken abgezogen, darunter vielen europäischen, berichtet die Financial Times. Bei der Americas Trust Company, einer Tochter der Deutschen Bank, ging die Summe um fast sieben Prozent zurück. Allerdings muss das nicht nur daran liegen, dass die Amerikaner das Vertrauen in Banken aus der Schuldenzone verlieren. Wegen des hohen Verwaltungsaufwands sortieren europäische Banken derzeit viele amerikanische Kunden aus.