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US-Notenbank:Powells Draghi-Moment

Die amerikanische Notenbank Fed kündigt unbegrenzte Hilfen für die US-Wirtschaft an.

Von Claus Hulverscheidt, New York

Die US-Notenbank Fed wird ihr Corona-Paket zur Stützung von Firmen und privaten Haushalten noch einmal massiv ausweiten. Wie die Fed am Montag mitteilte, wird es fortan keine Grenzen mehr dafür geben, Staatsanleihen zu kaufen. Mit dem Erwerb der Anleihen wollen die Währungshüter die langfristigen Zinsen möglichst niedrig halten. Zudem will die Notenbank durch eine ganze Reihe von Maßnahmen dafür sorgen, dass Kommunen, Kleinbetriebe, Bauherren, aber auch etwa Studenten weiter Kredite erhalten.

Der Beschluss erinnert an die Garantie, die Mario Draghi, damals Chef der Europäischen Zentralbank, 2012 während der Euro-Krise gegeben hatte. Draghi hatte seinerzeit erklärt, man werde alles tun, um die Währungsunion zusammenzuhalten, "koste es, was wolle". Die Fed-Führung um ihren Chef Jerome Powell erklärte nun, sie werde Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere "in den Umfängen, die nötig sind", kaufen. Ziel sei es, ein reibungsloses Darlehensgeschäft sicherzustellen und dafür zu sorgen, dass alle geldpolitische Beschlüsse im Geschäftsalltag auch ihre Wirkung entfalten könnten.

Die Fed betonte in ihrer Erklärung, dass die US-Wirtschaft wegen der Ausbreitung des Coronavirus vor "schweren Verwerfungen" stehe. Entsprechend aggressiv müssten die Reaktionen ausfallen. Um zu verhindern, dass Firmen wegen Werksschließungen, Nachfragemangel, Ausgangssperren oder anderer behördlicher Anordnungen in existenzielle Not geraten, will die Notenbank unter anderem dafür sorgen, dass Unternehmen problemlos Anleihen emittieren können. Zugleich wird eine neue Kreditlinie geschaffen, mit deren Hilfe Studenten-, Auto- und Kleinunternehmerdarlehen sowie Kreditkartenschulden gebündelt und in Form von Wertpapieren weiterverkauft werden können. Banken haben damit keinen Grund mehr, die Vergabe von Krediten unter Verweis auf die unsichere wirtschaftliche Situation zu verweigern. Darüber hinaus kündigte die Fed an, sie werde schon bald ein Darlehensprogramm auflegen, mit dem kleine und mittlere Betriebe unterstützt werden sollen.

Obwohl Experten die Entscheidung der Notenbank als großen Schritt nach vorn bezeichneten, gaben die US-Aktienkurse am Montag zunächst nach. Grund war aber wohl eher, dass sich der Senat entgegen der Erwartungen zunächst nicht auf ein Konjunkturpaket in Billionenhöhe hatte einigen können.

© SZ vom 24.03.2020

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