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US-Notenbank:Fed peilt Leitzinserhöhung an

  • Die US-Notenbank Federal Reserve hat die erwartete Erhöhung des Leitzinses im Sommer vorbereitet.
  • Aus der Wortwahl der Erklärung des Ausschusses können die Finanzmärkte herauslesen, dass der erste Zinsschritt in Washington vermutlich im Juni kommt.
  • Fed-Chefin Janet Yellen gilt weiterhin als "Taube" - eine Notenbankerin, die im Zweifel Arbeitslosigkeit mehr fürchtet als Inflation.
  • Der Dow Jones in New York stieg um 100 Punkte, als die Entscheidung der Fed bekannt wurde.

Von Nikolaus Piper

Es war eine wohl vorbereitete Entscheidung. Seit Tagen schon spekulierten Analysten und Wirtschaftsjournalisten über die nächsten Schritte der Notenbank Federal Reserve weg vom Kurs des ultrabilligen Geldes. An diesem Mittwoch kam der Schritt nun: Der Offenmarktausschuss der Fed beschloss auf seiner regulären Sitzung zwar noch keine Erhöhung des Leitzinses von derzeit null bis 0,25 Prozent, bereitete ihn aber vor. Aus der Wortwahl der Erklärung des Ausschusses können die Finanzmärkte herauslesen, dass der erste Zinsschritt in Washington vermutlich im Juni kommt. Sicher ist das allerdings nicht.

Konkret geht es um das Wort "geduldig". Noch im Januar hatte die Fed erklärt, sie könne aufgrund ihrer Lagebeurteilung "geduldig" warten, ehe sie mit der Normalisierung beginnt. Dieser Satz fehlt diesmal. Stattdessen versichert der Ausschuss, es sei unwahrscheinlich, dass die Zinsen bereits bei der nächsten Sitzung im April erhöht würden. Die nächsten Schritte hingen nun davon ab, ob sich der Arbeitsmarkt weiter bessere und man hinreichend sicher sein könne, dass die Inflation bei 2,0 Prozent bleibt. Dies ist die offizielle Zielmarke der Fed, bei der sie die Gefahr einer zerstörerischen Deflation gebannt sieht.

Fed-Chefin Janet Yellen gilt weiterhin als "Taube"

Allerdings sind die Formulierungen des Ausschusses vorsichtiger ausgefallen als die meisten an den Märkten erwartet hat-ten. Daraus schlossen die Investoren, dass Fed-Chefin Janet Yellen weiterhin eine "Taube" ist, also eine Notenbankerin, die im Zweifel Arbeitslosigkeit mehr fürchtet als Inflation. Was bedeutet, dass die Normalisierung der Geldpolitik mit höheren Zinsen sehr langsam kommen wird.

Die Reaktion an den Börsen folgte unmittelbar: Der Dow Jones in New York stieg um 227 Punkte, als die Entscheidung der Fed bekannt wurde. Der Euro stieg im Vergleich zum Vortag um 3,7 Prozent auf über 1,09 Dollar, die Rendite zehnjähriger US-Bundesanleihen fiel wieder unter die Zwei-Prozent-Marke und erreichte am Abend 1,927 Prozent. Auch die Rendite deutscher Bundesanleihen sank.

© SZ vom 19.03.2015/fie
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