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US-Konzern:Amazon entlohnt Mitarbeiter für positive Tweets

Ein Amazon-Mitarbeiter stellt in einem New Yorker Versandzentrum eine Lieferung zusammen.

(Foto: Mark Lennihan/AP)
  • Twitter-Nutzer in den USA wundern sich seit Tagen über Beiträge von Amazon-Mitarbeitern, die das Unternehmen überschwänglich loben.
  • Nun hat Amazon zugegeben: Sie tun das im Auftrag des Konzerns - und werden dafür sogar entlohnt.

An sich ist ja nichts einzuwenden gegen ein bisschen Lob in rauen Zeiten, gegen ein paar nette Worte zwischen all den Hasskommentaren. Doch die Art des Lobes, mit der Twitter-Nutzer seit einigen Tagen den US-Konzern Amazon überziehen, lässt dann doch aufhorchen.

Eine Gruppe von etwa 15 Amazon-Mitarbeitern hat es sich offenbar zur Aufgabe gemacht, ihren Arbeitgeber gegen jegliche Vorwürfe zu verteidigen. Ihre Profile sind gleich strukturiert, sie alle tragen neben ihrem Vornamen den Zusatz "Amazon FC Ambassador", also "Botschafter der Amazon-Versandzentren". Die Nutzer hinter den Accounts bringen Stunden um Stunden damit zu, vermeintliche Missstände bei dem Konzern vehement abzustreiten, gleichzeitig loben sie Arbeit, Bezahlung und Management enthusiastisch. Doch sie tun das nicht aus echter Begeisterung oder Loyalität zum Unternehmen, zumindest nicht nur. Denn sie werden dafür entlohnt.

"Wir dürfen sehr wohl auf die Toilette gehen, wann immer wir wollen"

Amazon hat eigenen Angaben zufolge bestimmte Lagermitarbeiter ausgewählt, um der Welt zu erzählen, wie die Bedingungen in den Zentren wirklich sind. Mitarbeiter, die negative Erfahrungen gemacht haben, kommen bislang nicht zu Wort. Jeremy etwa ist begeistert von der Gesundheitsversorgung. Carol findet ihren Nachtdienst ungemein spannend, weil sie beobachten könne, was Menschen einkaufen. Und Shaye beteuert, sie sei wahnsinnig stolz, für Amazon arbeiten zu dürfen. Einem anderen Kollegen zufolge erhalten sie für ihre Lobeshymnen einen freien Tag sowie Einkaufsgutscheine im Wert von 50 Dollar. Zudem sei ihnen ein Mittagessen spendiert worden.

Arbeitsrechtler und Aktivisten kritisieren Amazon immer wieder für die Arbeitsbedingungen in den Versandzentren. Die Angestellten stünden unter ständigem Druck, ihr Soll zu erfüllen, und würden zudem kontinuierlich beobachtet. Vor einigen Monaten wurde in Großbritannien öffentlich, dass einige Mitarbeiter sich sogar den Gang zur Toilette sparen und in eine Flasche urinieren sollen, um die von ihnen geforderten Stückzahlen zu erreichen. "Nicht wahr", widersprechen die Mitarbeiter auf Twitter unisono, "wir dürfen sehr wohl auf die Toilette gehen, wann immer wir wollen".

Nun mag es sein, dass Amazon tatsächlich daran arbeitet, die Arbeitsbedingungen in seinen Versandzentren zu verbessern. Natürlich wollen solche Erfolge auch kommuniziert werden. Eine "Armee der Glaubwürdigen" aufzustellen, um der Kritik zu begegnen, scheint aber nicht der beste Schachzug zu sein: Schon jetzt wird der Konzern auf Twitter für die Idee verspottet, erste Fake-Accounts treiben die Lobeshymnen ad absurdum. Und den ach so glaubwürdigen Mitarbeitern glaubt niemand mehr.

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