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US-Haushaltsstreit:Wehe, wenn das System stillsteht

Es gibt Hoffnung, und die ist auch bitter nötig: Spitzenvertreter von Demokraten und Republikanern stehen offenbar vor einem Kompromiss, der den von der Pleite bedrohten USA zumindest etwas Zeit verschafft. Dafür ist es auch allerhöchste Zeit. Gelingt keine Einigung, droht der Welt eine weit schlimmere Finanzkrise als im Jahr 2008.

Von Marc Beise

Was würde passieren, wenn die USA zahlungsunfähig würden? Das ist die Preisfrage. Dieser Tage trafen sich in Washington die Vorstandsvorsitzenden der größten Bankhäuser der Welt und auch sie stellten sich diese Frage. Mehr noch: Sie wurde ihnen gestellt, von Journalisten. Jamie Dimon, der Chef der Großbank JP Morgan, zögerte kurz, um dann zu antworten: "Das wollen Sie besser nicht wissen." Anshu Jain, sein Kollege von der Deutschen Bank, begann seine Antwort beruhigend: Eine Regierungskrise in den USA koste Wachstum, nun ja, "aber es gibt ein Leben danach" - wenn, ja wenn diese Krise zeitlich befristet sei. Und dann kam der Nachsatz: Bei einer Zahlungsunfähigkeit sei dies nicht der Fall.

Die Herren sind nervös, und nicht nur sie. Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, der Präsident der Weltbank, Finanzminister, Notenbankchefs, alle versuchen den Politikern in Washington klarzumachen, dass sie mit dem Feuer spielen, dass das, was sie da tun in ihrem innenpolitischen Streit, riesige Konsequenzen haben kann für den Rest der Welt.

Nicht dass die Vereinigten Staaten ein seit Langem unvernünftig hoch verschuldetes Land sind, schreckt die internationale Finanzgemeinde, das kennt man. Schon gar nicht schreckt das die Banker, die ja mit Schulden ihr Geld verdienen - vorausgesetzt sie bekommen immer mal wieder Dollar und Euro und Yen zurück, die sie dann erneut verleihen können: So geht der ewige Kreislauf des Geldes, und die großen Notenbanken, namentlich die amerikanische Fed, tragen ihren Teil zu diesem Spiel bei, indem sie mehr und mehr Geld drucken und ins System drücken. Was Banker aber fürchten, und das mit jeder Faser ihrer beruflichen Existenz, ist, dass dieses revolvierende System ins Stocken gerät.

Schockwelle um den Globus

So war es nach der Insolvenz des Wall-Street-Hauses Lehman Brothers im September 2008 der Fall, als die amerikanische Regierung dieser einen Bank den Geldhahn zudrehte, was es so noch nicht gegeben hatte. Prompt breitete sich eine Schockwelle um den Globus aus: Das System steht. Plötzlich machte sich Panik breit, keiner wollte mehr keinem Geld leihen, stürzten die Aktienkurse in den Keller, gerieten Banken in Not, verloren Depots an Wert, versiegten Kreditflüsse, strebten - ja, das kam vor - Kunden an die Geldautomaten, um abzuheben, was ging.

So könnte es nun wieder kommen, nur schlimmer. Was also, fragen wir noch einmal, kann passieren, wenn die Regierung in Washington nach ihrer eigenen Rechnung an diesem Donnerstag, 17. Oktober 2013, die vom Kongress gesetzte Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen Dollar erreicht?

Rein buchhalterisch passiert zunächst gar nichts. Denn dann zählt ja das, was noch bar in der Staatskasse ist, es sollen 30 Milliarden Dollar sein. Damit kann man einige Tage überbrücken, kleinere Rechnungen bezahlen; wer jemals sein Konto bis an die Grenze des Dispo-Kredits überzogen hat, mag das kennen.

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