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US-Finanzpolitik:Im Auftrag der Fed

FILE PHOTO: A BlackRock Inc sign on its New York offices

Blackrock gehört zu den größten Finanzinvestoren der Welt.

(Foto: Lucas Jackson/REUTERS)

Finanzkonzerne wie Blackrock profitieren in den USA von der Krise. Denn der Großinvestor soll im Auftrag der US-amerikanischen Notenbank kräftig in Firmenanleihen investieren. Der Auftrag stößt auf Kritik.

Seit Wochen schon hält die Corona-Krise die Weltwirtschaft in ihrem eisernen Würgegriff: Fabriken sind verwaist, Umsätze brechen weg, Banken wanken - selbst die mächtigsten Konzerne können sich der zerstörerischen Kraft des Virus kaum entziehen. Einige wenige Firmen jedoch scheinen immer gut im Geschäft zu sein, ganz egal, ob die Konjunktur nun boomt oder in Rezessionstristesse versinkt. Allen voran: der US-Finanzgigant und weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock sowie die Investmentgesellschaft Pimco, Tochter des Allianz-Konzerns und international führender Anbieter von Rentenfonds.

Wie jetzt bekannt wurde, hat die US-Notenbank Fed Blackrock den Auftrag erteilt, ihr milliardenschweres Programm zum Kauf von Unternehmensanleihen in die Praxis umzusetzen, mit dem die Währungshüter die Wirtschaft stabilisieren wollen. Ziel ist es zu verhindern, dass in Corona-Zeiten Betriebe wegen fehlender Darlehen in den Ruin getrieben werden und die Kapitalmärkte aus Mangel an Anlegern austrocknen. Dazu wird die Fed in den nächsten Monaten in großem Stil Anleihen aufkaufen, mit deren Hilfe sich Firmen im Normalfall langfristig Geld von Rentenfonds, Pensionskassen, Stiftungen und Privatbürgern leihen. Hinzu kommt ein umfassendes Kaufprogramm für Geldmarktpapiere, das Pimco bereits abwickelt. Über solche Commercial Papers stillen viele Firmen ihren kurzfristigen Geldbedarf.

Faktisch schwingt sich die Notenbank damit zu einem sogenannten Kreditgeber der letzten Instanz auf, einem Garanten, dessen uneingeschränktes Rückzahlungsversprechen es anderen Geldgebern erlaubt, einem Betrieb auch in der Krise weiter Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Die Fed stellt die Leitlinien auf, durchgeführt werden die eigentlichen Wertpapierkäufe aber von Blackrock und Pimco. Allein Blackrock wird nach Informationen des Wall Street Journals im Auftrag der Notenbank bis zu 750 Milliarden Dollar in Firmenanleihen investieren - und dafür sicher eine hübsche Entlohnung erhalten.

Dass die Fed private Geldhäuser mit derlei Geschäften beauftragt, ist nicht neu. Dennoch ruft die Auswahl der Treuhänder mancherorts Stirnrunzeln hervor - und das aus mehreren Gründen. Mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt mehr als acht Billionen Dollar zählen Blackrock und Pimco zu den größten Finanzinvestoren der Welt. Kritiker halten insbesondere Blackrock für so mächtig, dass Konzernchef Laurence Fink sogar Regierungen unter Druck setzen könne.

Vor allem aber: Beide Finanzhäuser sind als Aktionäre und Kreditgeber selbst an Tausenden Unternehmen aus allen Branchen beteiligt. Sie üben Stimmrechte aus, investieren Kundengelder und legen Indexfonds, sogenannte ETFs, auf. Daraus könnte ein erheblicher Interessenkonflikt entstehen, denn als Treuhänder der Fed müssen beide Anlagefirmen neutral sein und sämtliche Anleihen, Geldmarktpapiere und Renten-ETFs gleichbehandeln. Mancher Experte hat seine Zweifel, dass ihnen das gelingen wird. "Wenn du als Vermögensverwalter für die Fed tätig bist, sollten deine eigenen Fonds von den Käufen ausgeschlossen sein", sagte Nouriel Roubini, Ökonom an der New York University, dem Wall Street Journal.

Blackrock-Chef Fink hält solche Mahnungen für ehrenrührig und weist Spekulationen zurück, das Stützungspaket der Fed sei in Wahrheit ein Rettungsprogramm für den ETF-Markt oder gar für sein eigenes Unternehmen. Derlei Kritik, so der Konzernchef vor Analysten, sei schlichtweg "beleidigend"

© SZ vom 12.05.2020
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