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US-Familienunternehmen:Gespaltene Gefühle

Zudem dringt der Verband darauf, die Kreditgarantien des sogenannten "Small Business Administration"-Programms auszubauen. Dieses Förderprogramm unterstützt Betriebe dabei, Erfindungen zur Marktreife zu bringen, indem es Kredite an Kleinunternehmen staatlich garantiert. Die Ideenschmieden, die ein Motor der nordamerikanischen Innovationskraft und des Wirtschaftswachstums sind, leiden besonders unter der Schockstarre an den Finanzmärkten. Risikokapitalgesellschaften haben ihre Investitionen zusammengestrichen. Daher ruft die NSBA die öffentliche Hand zu Hilfe.

Es ist noch nicht lange her, da war Obama vielen Mittelständlern suspekt. Vor allem mit seinen Plänen, die Steuersenkungen der Regierung Bush rückgängig zu machen und kleine Firmen zu verpflichten, ihren Angestellten eine Krankenversicherung zu bezahlen, machte er sich im Wahlkampf kaum Freunde im Unternehmerlager.

Der Republikaner John McCain versuchte, daraus Kapital zu schlagen, als er den Klempner Joseph Wurzelbacher zur Galionsfigur seiner Kampagne machte. Doch "Joe, the Plumber" konnte den Siegeszug des Demokraten nicht stoppen und wurde zum Symbol republikanischer Niveaulosigkeit.

Verbitterung über Republikaner

Zwei Gründe begeistern mittlerweile auch Unternehmer für Obama: Zum einen pflegt der neue Präsident einen pragmatischen Politikstil. Als sich der Abschwung beschleunigte, rückte er rasch davon ab, die Steuern für Besserverdiener zu erhöhen. Zum anderen ist die Verbitterung der Familienunternehmer über die Republikaner groß, vor allem über die Industrie- und Finanzpolitik der Regierung Bush. "Wir wollen eine schlanke Regierung und einen freien Markt", sagt Mittelstandsbankier Dunkelberg. "Heute ist der Staat größter Aktionär der Citibank. Die Wall Street streicht Milliardenhilfen ein - und der Rest ist auf sich gestellt."

Auch in der Gesundheitspolitik rechnen die Unternehmer nicht mehr mit dem Schlimmsten. "Obama wird sich erst um die Wirtschaftskrise kümmern müssen", sagt Dunkelberg. "Eine systematische Reform wird er frühestens in ein, zwei Jahren angehen können." Doch die Sorgen bleiben: Die Pflicht, Angestellte zu versichern würde viele Unternehmer in den Ruin treiben, warnt die NSBA.

Auch in der Steuerpolitik drohen Konflikte. Die Demokraten haben signalisiert, an der Erbschaftsteuer festhalten zu wollen, die George W. Bush aussetzen ließ. Schon formiert sich Widerstand im Unternehmerlager. Jahrelang haben sie die Erbschaftsteuer als Todessteuer verdammt. Jetzt wollen sie ihre Wiederbelebung mit allen Mitteln verhindern.

Jenseits der politischen Auseinandersetzung wartet aber noch ein weiteres, womöglich weitaus ernsteres Problem auf viele US-Mittelständler. Bald geht die Generation der Baby Boomer in Rente. Viele Unternehmer müssen rechtzeitig einen Nachfolger für ihre Betriebe finden. Keine leichte Aufgabe. Nur 30 Prozent aller Familienunternehmen in den USA überstehen die Übergangsphase in die zweite Generation. Bis in die dritte schaffen es gar nur zwölf Prozent. Dynastien haben es nicht leicht in Amerika. Auch das hat Obama mit seinem Wahlsieg gezeigt.