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US-Automobilindustrie:Lang lebe der Rostgürtel

Es brummt wieder in der amerikanischen Automobilindustrie: Als letzter der drei großen Konzerne kehrt nun auch der Sorgenfall Chrysler in die Gewinnzone zurück - dank einer schrägen Partnerschaft.

Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte es in den vergangenen zwei Jahren nicht leicht, seine Kritiker zu überzeugen. Es fing damit an, dass er zwei schwache Autobauer zusammenlegte, um daraus einen starken zu bauen - Fiat und Chrysler.

Street Mag Show

Ein Model posiert auf der Street Mag Show 2008 in Hannover vor einem historischen Chrysler. Der Konzern ist nach Jahren des Darbens in die Gewinnzone zurückgekehrt.

(Foto: dpa)

Als er dann bekanntgab, die Autos des US-Herstellers in Europa künftig unter dem Namen Lancia zu verkaufen, wurden die Experten erst recht skeptisch: Die amerikanische Traditionsmarke, die eher für große Straßenkreuzer als für europäische Eleganz steht, und die italienische Marke - das schien nicht zusammen zu passen.

Jetzt hat der Italiener, der heute sowohl Chef von Fiat als auch von Chrysler ist, einen ersten Erfolg vorzuweisen: Chrysler hat im ersten Quartal des Jahres erstmals seit seiner Insolvenz 2009 wieder einen Gewinn eingefahren. 116 Millionen Dollar verdiente der Autobauer aus Detroit zuletzt; der Umsatz kletterte im gleichen Zeitraum um 35 Prozent auf 13,24 Milliarden Dollar.

Am Tag, an dem die USA den Tod des Terroristen Osama Bin Laden feiern, ist die Gewinnmeldung von Chrysler allerdings auch ein weiterer Erfolg für US-Präsident Barack Obama. Seine Regierung hatte die amerikanische Autoindustrie 2009 vor dem Kollaps bewahrt und zukunftsfähig gemacht. Chrysler galt stets als besonderer Sorgenfall unter den Big Three, den drei führenden amerikanischen Autoherstellern.

Während Ford die tiefe Rezession der Jahre 2008 und 2009 ohne die direkte Hilfe Washingtons überstand und der zeitweise verstaatlichte Großkonzern General Motors im vergangenen Jahr an die Börse zurückkehrte, schien die wirtschaftliche Erholung an Chrysler vorbei zu gehen. Kritiker des Unternehmens sahen sich bestätigt. Auch innerhalb der US-Regierung hatte es Stimmen gegeben, die darauf drängten, Chrysler abzuwickeln statt den Konzern mit Milliardenkrediten zu stützen und durch eine geordnete Insolvenz zu führen.

Chrysler war nach der Trennung von dem deutschen Autohersteller Daimler und der Übernahme durch die Beteiligungsgesellschaft Cerberus nie wieder in Gang gekommen. Die klotzigen Modelle des Unternehmens fanden immer weniger Abnehmer. Der Marktanteil sank auf sieben Prozent.

Detroit 2011: Chrysler / Lancia 300

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