bedeckt München 26°

US-Arbeitsmarkt:Firmen stellen wieder Mitarbeiter ein

Experten warnen trotz des Rückgangs der Arbeitslosigkeit in den USA vor Euphorie. Zumal sich die Corona-Krise in vielen Bundesstaaten gerade wieder verschärft. Präsident Trump feiert sich trotzdem.

Von Claus Hulverscheidt, Berlin

Die Zahl der Beschäftigten in den USA ist nach dem tiefen Corona-bedingten Einbruch zu Beginn des Frühjahrs im Juni um rund 4,8 Millionen Menschen gestiegen. Das war der stärkste Monatszuwachs, den es je gab, und noch einmal mehr als von Experten erwartet. Damit sind allein seit Anfang Mai 7,5 Millionen Menschen in ihre Jobs zurückgekehrt oder haben neue gefunden. Die Erwerbslosenquote sank von 13,3 im Vormonat auf 11,1 Prozent.

Fachleute hatten allerdings bereits vor Bekanntgabe der Zahlen vor zu viel Optimismus gewarnt. Sie verweisen unter anderem darauf, dass die Daten bereits Mitte Juni erhoben wurden und der jüngste dramatische Wiederanstieg der Zahl der Corona-Infizierten noch nicht berücksichtigt ist. Die erneute Verschärfung der Krise hatte in den vergangenen Tagen viele Bundesstaaten dazu bewogen, die längst eingeleitete Lockerung von Kontakt- und Geschäftsbeschränkungen zu stoppen oder wieder zurückzunehmen. Manche Staaten verboten es etwa Restaurants erneut, Gäste in geschlossenen Räumen zu bewirten.

Hinzu kommt: Trotz des jetzigen massiven Beschäftigungszuwachses ist der vorherige Einbruch noch längst nicht wieder ausgeglichen. Das gestand auch das Arbeitsministerium ein. So waren im Juni noch fast 15 Millionen weniger Menschen bei US-Firmen und Behörden angestellt als im Februar. Die Arbeitslosenquote lag zugleich noch knapp acht Prozentpunkte über dem Wert des letzten Vor-Corona-Monats. Zugleich gab das Ministerium bekannt, dass allein in der vergangenen Woche 1,4 Millionen Menschen einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt hätten.

Zudem kämpfen die Regierungsstatistiker seit Wochen mit Abgrenzungsproblemen, die dazu führen, dass die Arbeitslosenquote besser aussieht als die Lage in Wahrheit ist. Wie das Ministerium selbst eingestand, lagen die Raten im Mai und Juni statt bei 13,3 und 11,1 in Wahrheit eher bei 16,3 und 12,1 Prozent. Grund ist, dass viele Bürger in der Umfrage, auf der die Statistik beruht, versehentlich falsche Angaben dazu machen, ob sie von ihren Arbeitgebern nun entlassen oder "nur" in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt wurden.

Wie nicht anders zu erwarten, feierte sich Präsident Donald Trump dennoch für die "historischen Arbeitsmarktzahlen". Er plädierte zudem dafür, den "sehr erfolgreichen" Kurs der Wirtschaftsöffnung fortzusetzen.

© SZ vom 03.07.2020
Zur SZ-Startseite