bedeckt München 22°

US-Airlines:Bitterer Winter

Spätestens zum Jahreswechsel geht den großen US-Fluggesellschaften das Geld aus. Angesichts der Rettungsaktionen für Banken und Autohersteller hoffen die Konzerne mal wieder auf die Regierung.

J. Flottau

Es war ja auch zu schön, um wahr zu sein. Noch bis vor wenigen Monaten haben Analysten die notorisch defizitären amerikanischen Fluggesellschaften gelobt. Diese hatten artig bereits im vergangenen Jahr wegen des hohen Ölpreises die Kapazität gekürzt und waren so besser vorbereitet auf die große Wirtschaftskrise als die meisten Airlines im Rest der Welt. Und deswegen sagten die professionellen Berater auch voraus, dass die US-Airlines 2009 schwarze Zahlen schreiben werden.

Jets von United Airlines (vorne) und US Airways auf den Flughafen Pittsburgh. Um zu überleben, bleibt den beiden Fluggesellschaften vielleicht nur die Fusion.

(Foto: Foto:)

Nur ein Quartal später hat sich die Stimmung nahezu vollständig gedreht. Mit Jetblue und Southwest haben nur die zwei großen US-Billigfluggesellschaften für die Monate April bis Juni einen Gewinn ausgewiesen, alle anderen Anbieter aus den Vereinigten Staaten verbrannten Geld.

Hauptgrund dafür ist der beispiellose Einbruch der Nachfrage, der den Airlines weltweit zu schaffen macht. Lufthansa-Partner United Airlines etwa musste erleben, wie der Umsatz um 25 Prozent zurückging. Die durchschnittlichen Preise pro Ticket sanken um 19 Prozent. In einer Branche, in der wegen der traditionell geringen Gewinnspannen Nuancen über die Profitabilität der Unternehmen entscheiden, sind solche Rückgänge nicht aufzufangen.

United war schon sehr kreativ

"Wir müssen uns unser gesamtes Geschäft genau anschauen, unser Streckennetz, unsere Flotte, unsere Kosten, um zu entscheiden, was wir ändern können", sagt auch Delta-Air-Lines-Finanzchef Hank Halter.

Jamie Baker, Analyst bei JP Morgan, prognostiziert für drei der großen Anbieter in dem Land spätestens im Winter ernste Liquiditätsengpässe: United Airlines, US Airways und American Airlines seien bereits heute bei einer äußerst niedrigen Eigenkapitalquote angekommen, bei der andere Fluggesellschaften in der Vergangenheit bereits Insolvenz nach Kapitel elf des US-Konkursrechtes (Chapter 11) angemeldet hätten.

Selbst ein starker Anstieg der Nachfrage bis zum Winter würde nicht genug flüssige Mittel in die Kassen spülen. Nach Bakers Prognose brauchen die drei Konzerne deswegen spätestens Ende des Jahres neue Kredite. Vor allem United war schon sehr kreativ bei den Versuchen, an Geld zu kommen. So hat die Airline einen Großteil der Ersatzteile ihrer Flugzeuge verkauft.

Selbst der beliebte Rettungsanker Chapter 11, mit dem sich die Unternehmen in der Regel vieler Altlasten entledigen können, verspricht wenig Hoffnung: "Man kann keine Pensionsverpflichtungen mehr loswerden, wenn man sie bereits losgeworden ist", argumentiert Baker.

Die Altlasten sind schon weg

Er spielt darauf an, dass sowohl United als auch US Airways in den vergangenen Jahren bereits ein Insolvenzverfahren absolviert haben - US Airways sogar zwei. Die Altlasten sind also schon weg. Auch der Umstand, dass die beiden Firmen ihre Piloten von allen großen US-Fluggesellschaften am schlechtesten bezahlen, hilft ihnen nicht mehr.

Die große Unbekannte ist mittlerweile, wie sich die US-Regierung verhält, sollten in einem halben Jahr wirklich mehrere Airlines vor dem endgültigen Aus stehen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 half sie mit 15 Milliarden Dollar aus, fünf Milliarden davon mussten die Unternehmen nie zurückzahlen.

Angesichts der Rettungsaktionen für Banken und Autohersteller spekulieren auch manche Airline-Manager darauf, dass Präsident Barack Obama schon mit Steuermitteln einspringen wird, wenn es hart auf hart kommt. Mit unguten Folgen indes: Die späteren Insolvenzen von Delta, Northwest und United wären zu vermeiden gewesen, wenn die Regierung America West oder US Airways - zwei Gesellschaften, die schon vorher Probleme hatten - nicht künstlich am Leben gehalten hätte, sagte Baker.

Vielleicht nur ein Ausweg

Durch die Pleiten wäre überflüssige Kapazität aus dem Markt verschwunden, die Überlebenden hätten sich erholen können.

Darüber hinaus haben sich die verschiedenen US-Regierungen der vergangenen Jahre immer wieder dagegen gesträubt, eine Bereinigung durch Fusionen zuzulassen. Nur zwei - America West/US Airways und Delta/Northwest - wurden mit hohen Auflagen genehmigt. In der Branche wird dennoch mittlerweile spekuliert, dass United und US Airways vielleicht nur ein Ausweg bleibt: fusionieren.

© SZ vom 01.08.2009/pak
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB