Rodrigo Rato, einst Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie spanischer Superminister für Wirtschaft und Finanzen, muss bis Donnerstag eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren antreten. Der Staatsgerichtshof in Madrid wies seinen Antrag zurück, erst die Entscheidung des Verfassungsgerichts in seiner Causa abzuwarten. Rato war 2017 gemeinsam mit einer Gruppe von Managern und Politikern wegen Unterschlagung, Geldwäsche und Bilanzfälschung verurteilt worden. Sie sollen "schwarze Kreditkarten" für private Ausgaben genutzt haben.
In den anschließenden Verfahren war deutlich geworden, dass Politiker der konservativen Volkspartei (PP) ein korruptes Netzwerk um die regionale Sparkasse Caja Madrid gebildet hatten. Sie geriet vor sieben Jahren im Zuge der Finanzkrise in eine Schieflage. Um dem Kollaps zuvorzukommen, wurde die Bank 2011 von der damaligen sozialistischen Regierung mit fünf weiteren Sparkassen zu dem damals neu gegründeten Konsortium Bankia vereinigt, an dessen Spitze Rato trat. Wie der frühere Caja-Chef Miguel Blesa setzte auch Rato darauf, Politiker mit der Vergabe von "schwarzen Kreditkarten" zu umwerben. Die Gesamtsumme der privaten Abbuchungen belief sich laut dem Urteil auf rund zwölf Millionen Euro, auf Rato entfielen davon knapp 100 000 Euro. Die Summen hatte Blesa als "Computerfehler" verbuchen lassen. Der einst gefeierte Bankenmanager beging 2017 Selbstmord, um der Haft zu entgehen.
Der mit Blesa befreundete Rato war da schon längst zur Symbolfigur der spanischen Krise geworden. Als Superminister für Wirtschaft und Finanzen der konservativen Regierung unter José Maria Aznar (1996-2004) hatte er mit einer Reform des Bodengesetzes sowie seiner Steuerpolitik die Grundlagen für die gigantische Immobilienblase gelegt, die 2008 platzte. Während seiner Amtszeit aber wurde Rato als Wirtschaftsmagier gerühmt und übernahm später, als Nachfolger von Horst Köhler, den Chefposten des IWF. Dort ignorierte er alle Warnungen vor einer drohenden Finanzkrise. Nach drei Jahren gab er vorzeitig den Posten auf.
Auch als Chef von Bankia hielt er nicht lange durch, nach anderthalb Jahren musste er gehen, weil er die Umstrukturierung nicht in den Griff bekam. Zehntausende Bankia-Kunden verloren damals einen Großteil ihrer Einlagen; Geschädigte richteten eine Webseite ein, die die Verfehlungen Ratos beleuchtete. Die Bankia-Gruppe musste mit Milliarden-Krediten der EU vor dem Bankrott gerettet werden. Rato selbst aber bestand dennoch auf die Zahlung einer Abfindung von 1,5 Millionen Euro - damit wurde er endgültig zum Symbol für Inkompetenz und Raffgier in der Politik.