Urlaubstrends:Wohin die Reise geht

Mehr Besucher denn je kommen nach Deutschland, im achten Jahr in Folge steigt die Zahl der Gäste - davon profitieren viele Branchen.

Von Michael Kuntz, Berlin

Nur einem Teil der Menschheit ist es vergönnt, verreisen zu können. Aber es werden immer mehr, die mehr erkunden als ihr Heimatland. Zur Zeit leben 7,6 Milliarden Menschen auf dem Planeten. Davon waren im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden als Touristen weltweit über die Grenzen hinweg unterwegs. Das waren sieben Prozent oder ungefähr 90 Millionen mehr als 2016 - mit anderen Worten: Deutlich mehr Menschen, als Deutschland Einwohner hat, reisten 2017 erstmals ins Ausland.

Auch die lange als Reiseweltmeister titulierten Deutschen - in dieser Eigenschaft wurden sie inzwischen allerdings von den Chinesen überholt - waren 2017 mehr privat unterwegs, gemessen wird das in Tagen: 1,68 Milliarden Tage verbrachten die Deutschen privat auf Reisen und Ausflügen. Das waren elf Millionen Tage mehr als ein Jahr zuvor. Die Welt wird also mobiler.

Davon profitiert auch Deutschland als Reiseziel: Im achten Jahr in Folge legte die Zahl der Übernachtungen zu, diesmal um drei Prozent auf 460 Millionen, bei den Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland gab es sogar ein Plus von vier Prozent. Von der steigenden Lust am Reisen und an Ausflügen profitieren mehrere Branchen: Der Umsatz des Gastgewerbes stieg im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent, immerhin ist das auch bei Berücksichtigung der Inflationsrate noch ein Prozent mehr als im Jahr davor. Auch die deutschen Flughäfen spürten diese Entwicklung. Sie fertigten im vergangen Jahr 235 Millionen Passagiere ab und konnten so fünf Prozent mehr Menschen durch ihre Ladenpassagen schleusen.

Die Touristikbranche kommt also nach einem wirtschaftlich guten Jahr zur ITB nach Berlin, der größten Reisemesse weltweit. Doch wie geht es weiter? Geht es so gut weiter? "Die Reiselaune ist zum Jahreswechsel sogar noch einmal gestiegen", stellt Michael Frenzel fest, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft. Gleichzeitig sieht er positive konjunkturelle Voraussetzungen für dieses Jahr: weitere Zuwächse beim Reallohn, eine gute Lage am Arbeitsmarkt, niedrige Zinsen und eine entsprechend niedrige Sparneigung. Das Fazit von Frenzel: "Eine große Reisefreude trifft also auf häufig gut gefüllte Reisekassen." Er sieht bereits ein neues Rekordniveau im laufenden Jahr mit 1,5 bis zwei Prozent mehr Reisetagen der Deutschen.

Der Verbandspräsident richtete jetzt vor Beginn der ITB mahnende Wort an den neuen Vorsitzenden des Tourismusausschusses im Bundestag, der von der AfD gestellt wird, zum Leidwesen vieler in der Reiseindustrie. Frenzel nannte nicht den Namen Sebastian Münzenmaier, appellierte aber deutlich an ihn: "Wir sind die Visitenkarte unseres Landes. Wir sind Kulturvermittler und Völkerverständiger. Unser Tun basiert auf dem In der Reiseindustrie gehe es nicht al Grenzen überwinden im übertrlgenen und wörtlichen Sinn."

lein ums Geldverdienen, auch Werte seien wichtig. Untrennbar verbunden mit der Tourismuswirtschaft und ihren Angeboten seien Gastfreundschaft, Willkommenskultur, Respekt, Völkerverständigung und Weltoffenheit. Die in weiten Teilen aus kleinen und mittelständischen Betrieben bestehende Branche tue alles dafür, dass der Tourismus ein zentraler Wirtschaftsfaktor in Deutschland bleibt.

© SZ vom 07.03.2018
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