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UPS übernimmt TNT Express:Mega-Übernahme setzt deutschen Paketdienst DHL unter Druck

Fusion bei den Paketdienst-Anbietern: Für mehr als fünf Milliarden Euro übernimmt der US-Konzern UPS den niederländischen Konzern TNT Express. Die Amerikaner wollen damit ihr Geschäft in Europa ausbauen - und der Deutschen Post Marktanteile abjagen.

Die Deutsche Post bekommt verstärkte Konkurrenz im Paketgeschäft: Der US-Paketdienst UPS übernimmt für 5,2 Milliarden Euro den niederländischen Anbieter TNT Express und wird damit zu einem der wichtigsten Rivalen von DHL, dem zur Deutschen Post gehörenden Logistikunternehmen.

UPS wolle die Transaktion voraussichtlich noch im dritten Quartal 2012 abschließen, sagte UPS-Finanzchef Kurt Kuehn in einer im Internet übertragenen Pressekonferenz. Die Übernahme ermögliche "beschleunigtes Wachstum" für den fusionierten Konzern.

Die Amerikaner hatten TNT Express schon lange umworben. In den vergangenen zehn Jahren habe es immer wieder Gespräche zwischen beiden Unternehmen gegeben, berichtet das Wall Street Journal. Auch der UPS-Konkurrent FedEx soll schon lange an TNT interessiert gewesen sein, hielt sich zuletzt aber zurück.

UPS will den TNT-Express-Aktionären nun 9,50 Euro je Anteilsschein zahlen. Ein erstes Angebot lag im vergangenem Jahr bei 8,25 Euro pro Aktie, im Februar gaben beide Unternehmen abermals offizielle Übernahmegespräche bekannt. Doch ein Angebot von 9,00 Euro pro Aktie lehnte TNT erneut ab.

TNT Express war Mitte 2011 vom Briefgeschäft der niederländischen Post abgespalten worden. Mit einem Marktanteil von 18 Prozent ist TNT in Europa führend vor DHL, der Tochter der Deutschen Post, die auf 15 Prozent kommt.

Zuletzt kämpfte das niederländische Unternehmen mit Problemen und Verlusten. Zwar stieg der Umsatz 2011 um drei Prozent, allerdings stand in der Bilanz am Ende ein Verlust von 270 Millionen Euro. Der Aktienkurs entwickelte sich dementsprechend deutlich nach unten. Aus diesem Grund hatte es unter den Investoren zuletzt immer wieder Rufe nach einem größeren Partner gegeben.

UPS ist der weltgrößte Paketdienst mit einem Umsatz von 53 Milliarden Dollar. Mit der Übernahme will der US-Konzern seine Anteile auf dem europäischen Markt ausbauen. Neben den Niederlanden hat er vor allem Großbritannien, Frankreich und Deutschland im Blick.

Die Deutsche Post rechnet damit, dass die EU die Übernahme umfassend untersucht. "Wir gehen davon aus, dass es eine vertiefte Prüfung durch die EU-Kommission geben wird", sagte ein Post-Sprecher. Mit der Übernahme stärke ein "wesentlicher Player" seine Marktmacht in einer Branche, in der es nur wenige große Teilnehmer gebe. UPS erwartet allerdings, dass die EU-Kommission keine größeren wettbewerbsrechtlichen Bedenken habe. Man gehe davon aus, dass die Brüsseler Wettbewerbshüter die Übernahme nach einer einfachen, einmonatigen Prüfung durchwinken werden.

An der Börse allerdings werden die Auswirkungen der Mega-Fusion offenbar eher gering eingeschätzt: "Alles in allem glauben wir, dass die Konsolidierung im weltweiten Express-Geschäft keine negativen Auswirkungen auf die DHL-Sparte der Deutschen Post haben wird, weil TNT Express der schwächste Konkurrent mit vielen operativen Problemen war, was zu Preisdruck in der Branche führte", sagte DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky. Die Aktie der Deutschen Post stieg zu Handelsbeginn sogar um 0,6 Prozent.

© Reuters/dpa/dapd/olkl/sebi

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