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Unterschiede beim Wasserpreis:Augsburg billig, Essen teuer

Beim Telefon oder beim Strom gibt es in Deutschland längst Wettbewerb. Beim Wasser sind die Verbraucher hingegen immer noch von der Gunst eines Monopolisten abhängig. Kritiker erklären damit die immensen Preisunterschiede.

Den Telefonanbieter zu wechseln ist mittlerweile ein Leichtes. Ebenso hat der Verbraucher die Wahl, wessen Strom aus seinen Steckdosen fließen soll. Nur beim Wasser muss er vorlieb nehmen mit den kommunalen Versorgern, die in den jeweiligen Regionen über Monopolstellungen verfügen.

Trinkwasserpreise in den einzelnen Bundesländern.

(Foto: Grafik: Süddeutsche Zeitung)

Je nachdem, wo in Deutschland er sein Wasser bezieht, muss der Kunde der kommunalen Unternehmen mit immensen Preisunterschieden für Trinkwasser rechnen. Der Verdacht, die Versorger nützten hier ihre Alleinstellung für erhöhte Preise aus und der Verbraucher zahle drauf, liegt nahe.

Bis zu 138 Prozent über dem Preis vergleichbarer Anbieter liege etwa der Wasserversorger Enwag in Wetzlar, stellte unlängst Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) fest.

Kartellverfahren in Hessen

Rhiel verfügte deshalb, die Preise zu senken, das Wasser bei der Enwag soll so um knapp 30 Prozent billiger werden. Riehl, der bereits gegen die Preispolitik von Strom- und Gasversorgern in Hessen kartellrechtlich vorging, leitete ein Kartellverfahren gegen acht hessische Unternehmen ein: "wegen Verdachts missbräuchlich überhöhter Wasserpreise".

Bundesweit müssten Verbraucher jüngsten Medienberichten zufolge gar Preisunterschiede von mehr als 300 Prozent hinnehmen. Danach käme ein Ein-Personen-Haushalt in Essen, wo das Wasser am teuersten sei, bei einem durchschnittlichen täglichen Verbrauch von 125 Litern auf 256 Euro im Jahr.

Im nahe gelegenen Bochum müsste dagegen nur die Hälfte bezahlt werden. Am günstigsten ist Trinkwasser laut den Berechnungen in Augsburg, wo nur knapp 76 Euro im Jahr anfielen.

Verband: "Vergleich von Äpfeln mit Birnen"

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) wies am Montag solche Zahlen als fehlerhaft und irreführend zurück. Andreas Schirmer, VKU-Vizepräsident und technischer Geschäftsführer der Kommunalen Wasserwerke Leipzig, spricht von einem "Vergleich von Äpfeln mit Birnen".

Die etwa 7000 Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland arbeiteten zu gänzlich unterschiedlichen Bedingungen, so Schirmer. Circa 80 Prozent des Wasserpreises machten die Fixkosten für Gewinnung, Aufbereitung und Speicherung aus.

Je nach Bodenbeschaffenheit, topografischer Lage - starke Höhenunterschiede erforderten etwa einen erhöhten Aufwand - und der Qualität des Wassers seien diese Fixkosten unterschiedlich hoch.

Besonders im Osten fielen diese Kosten stark ins Gewicht, da aufgrund der demografischen Entwicklung in ländlichen Regionen ein umfangreiches Versorgungsnetz für wenige Verbraucher bereitgehalten werden müsste. Einzelne Anlagen müssten bereits zurückgebaut werden.

Ruf nach einem Regulierer

Dennoch wird der Ruf nach einem Regulierer, der ähnlich wie bei der Telekommunikation und im Energiesektor die Preise überwacht, immer lauter. Beim VKU betrachtet man die bestehenden Kontrollmechanismen dagegen als ausreichend. So unterliege der Wasserpreis der Aufsicht durch Stadt- oder Gemeinderat und der Kartellämter. Viel verspricht man sich beim VKU von internen Effizienzanalysen, der Ermittlung sogenannter Benchmarks.

Holger Krawinkel, Infrastrukturexperte vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, kritisiert, dass solche Erhebungen nicht verpflichtend seien: "Diejenigen, die sich vor Transparenz fürchten, müssen nicht mitmachen."

Außerdem seien damit keinerlei Sanktionen verknüpft. Krawinkel sieht keinen Grund, weshalb nicht auch beim Wasser eine Regulierungsbehörde eingeführt werden sollte. Diese könne die variierenden Fixkosten berücksichtigen und entsprechende Erlösobergrenzen festlegen.

Günstigere, zumindest stabile Preise und eine gesteigerte Effizienz verheißen die Befürworter einer Liberalisierung des Wassermarkts. Bereits 1999 wurden die Berliner Wasserbetriebe teilprivatisiert. Seither halten der französische Wasserversorger Veolia und der deutsche Energiekonzern RWE jeweils 24,95 Prozent der Berlinwasser Holding, die Mehrheit liegt noch beim Land Berlin.

Wasserversorgung auf Zeit in Frankreich

In Frankreich erledigen private Unternehmen die Wasserversorgung jeweils auf Zeit: In einer Ausschreibung ermitteln die Gemeinden den effizientesten Anbieter. Nach Ablauf einer festgesetzten Frist wird die Wasserversorgung dann erneut ausgeschrieben.

Die Forderungen nach einer Liberalisierung des Wassermarkts in Deutschland weisen aber nicht nur VKU-Vertreter zurück. Als abschreckendes Beispiel wird häufig Großbritannien genannt, wo die Versorgung vollkommen privatisiert, die Wasserqualität aber eher schlecht sei.

Politiker wie Verbraucherschützer in Deutschland unterscheiden hier deutlich vom Energiemarkt: Es komme eben vor allem auf die Qualität an, denn Wasser sei "ein ganz besonderer Saft".