Unternehmer Grupp sorgt vor:"Kein Pomp, kein Mausoleum"

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Grab mit schwäbischer Grandezza: Mit dem Bau einer pompösen Familienruhestätte erregt der Textilfabrikant Wolfgang Grupp in der Gemeinde Burladingen Aufsehen.

Dagmar Deckstein

Martin Walser, der Schriftsteller und Bodensee-Schwabe, hält es gerne mit der Erkenntnis, dass nichts wahr sei ohne sein Gegenteil. Das gilt auch für den Inbegriff des schwäbischen Unternehmers, der in pietistischer Bescheidenheit sein Tüftlerwerk vorantreibt, seinen S-Klassen-Mercedes oder Porsche lieber in der Garage versteckt, statt damit herumzuprotzen und gerne mal auch im abgewetzten Regenmantel per Straßenbahn zur Privatbank fährt, deren Berater den Reichen des Ländles beim Kundenevent neue Anlagemöglichkeiten präsentieren.

Grupp, Familiengrab, dpa

Die Bauarbeiten für das Grupp-Familiengrab haben begonnen.

(Foto: Foto: dpa)

Das krasse Gegenteil klassischen schwäbischen Understatements ist in Burladingen im Herzen der Schwäbischen Alb zu besichtigen. Hier herrscht ein König mit aristokratisch anmutender Grandezza inmitten seiner 1200 Mitarbeiter-Untertanen, sodass er ganz und gar nicht an den Maßstäben gemessen werden kann, die außerhalb der Trigema-dominierten Zone gelten. Wolfgang Grupp, 67, der Eigentümer der nämlichen Trikotagenfabrik, darf sich ein bisschen fühlen wie der Graf Carrabas aus dem Märchen vom gestiefelten Kater, dem angeblich alles Heu, Holz und Land gehört: Die Fabrik, der Hubschrauberlandeplatz, der großzügige Trigema-Verkaufsshop nebst Tankstelle sowie sein üppig dimensioniertes, reetgedecktes Privathaus mit holländischem Butler, mit dem er nur Englisch parliert. Jetzt gehören Grupp neuerdings noch 675 Quadratmeter mehr.

Vorsorge bei der Grabwahl

Diese Fläche hat er der 13.000-Einwohner-Gemeinde auf dem erweiterten Friedhofsareal abgekauft, um dort eine neue Familiengrabstätte zu errichten. Die alte, gerade mal 25 Quadratmeter große Anlage, auf der Vater Franz Grupp begraben liegt, sei definitiv nicht zukunftsfähig, betont Grupp. Der kluge Mann baut vor und denkt daran, dass nicht nur er selbst, sondern auch in ferner Zeit einmal Ehefrau Elisabeth, 43, sowie Sohn Wolfgang, 18, und Tochter Bonita, 20, die ewige Ruhe suchen werden.

Seit die Handwerker begonnen haben, die weißgetünchten Mauern um die Grabstätte hochzuziehen, ist es erst einmal mit der Ruhe vorbei - zumindest außerhalb Burladingens. Gazetten aller Couleur ereifern sich in der anbrechenden Saure-Gurken-Zeit über das Burladinger "Protz-Grab", gar ein geplantes, überdimensioniertes Mausoleum. Blödsinn, sagt Grupp: "Kein Pomp, kein Mausoleum." Nur ein paar Reihengräber inmitten einer Parklandschaft nebst Springbrunnen plane er. Die Burladinger nehmen es gelassen, sie sind Pomp-Entfaltung à la Grupp seit Jahrzehnten gewohnt. So erlebte der ganze Ort die barocke Prachtentfaltung, mit der er 1988 die steiermärkische Baroness Elisabeth von Holleufer nach Burladingen holte und ehelichte. Vor zwei Jahren feierte Grupp mit 1000 Gästen seinen 65.Geburtstag und zugleich das 88. Firmenjubiläum, nicht ohne der Stadt Burladingen mit einer Million Euro für die neue Sporthalle hilfreich unter die Arme zu greifen.

Wie überhaupt ein gegenseitiges Geben und Nehmen hier im früheren Zentrum schwäbischer Textilproduktion gang und gäbe ist. Längst sind alle anderen ins Ausland abgewandert oder pleite - nur Trigema hat überlebt. 1969 übernahm Grupp den Betrieb mit zehn Millionen Mark Schulden vom Vater, macht heute 80 Millionen Euro Umsatz und provoziert Unternehmerkollegen mit Sprüchen wie: "Wer aus Lohngründen Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, hat als Unternehmer versagt." Seine Beschäftigten genießen lebenslange Arbeitsplatz- und deren Kinder eine Ausbildungsplatzgarantie. Was will man mehr? Da darf der untypische Schwabe auch gerne mal über die pietistischen Stränge schlagen und Hof halten, wie und wann es ihm gefällt.

Seit Jahren schon wirbt ein sprechender Schimpanse im Fernsehen für Trigema-Produkte ausschließlich aus deutscher Produktion. Der Affe freilich, versichert Grupp, werde nicht im Familiengrab beerdigt.

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