bedeckt München 15°

Unternehmenszahlen: Börsenreaktionen:Trübe Aussicht schlägt Milliardengewinne

Gleich sieben Dax-Konzerne legen ihre Zahlen vor - mit größtenteils guten Ergebnissen. Doch die Börse goutiert das nicht, und ausgerechnet der Kurs des bestverdienenden Konzerns sinkt am heftigsten - denn für die Zukunft überwiegt die Skepsis.

Diese Zahlen klingen doch wirklich gut. Bei Volkswagen steigt der Halbjahres-Gewinn 6,5 Milliarden Euro, BASF legt auch kräfitg zu, auf nun 1,5 Milliarden Euro - und Siemens macht zwar nicht mehr so viel Gewinn wie im Vorjahreszeitraum, aber immer noch mehr als 500 Millionen Euro.

6,5 Milliarden Euro Gewinn - und trotzdem bricht die AKtie ein: Diese Erfahrung macht Volkswagen am Donnerstag.

(Foto: AP)

Doch für die Börse klingen diese Zahlen überhaupt nicht gut. Volkswagen verliert mehr als sechs Prozent, BASF fast sechs Prozent und Siemens ein Prozent. Der Hintergrund: Zusätzlich zu den üppigen Gewinnen verkünden die Unternehmensbosse, dass ihr Prognose für die nähere Zukunft eher skeptisch sind. Sie warnen vor konjunkturellen Risiken in aller Welt, vor allem die noch immer ungelöste Haushaltskrise in den USA besorgt sie.

Die einzelnen Unternehmen im Überblick:

[] Volkswagen: Die Wolfsburger haben in der ersten Jahreshälfte weltweit mehr als vier Millionen Autos verkauft, 14,3 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum. Das brachte 6,5 Milliarden Euro Gewinn (nach zuvor 1,9 Milliarden im Vergleichszeitraum). Der Umsatz stieg um 25,8 Prozent auf 77,8 Milliarden. Im Gesamtjahr will Volkswagen Umsatz und Ergebnis des Vorjahres zwar deutlich übertreffen. Die Entwicklung dürfte im zweiten Halbjahr aber nicht mehr ganz so rosig ausfallen: Zins- und Wechselkurseffekte sowie die hohen Rohstoffpreise belasten. Die VW-Aktie sank um mehr als sechs Prozent.

[] Siemens: Die abflauende Konjunktur und mehrere schlechte Nachrichten trübten die Zwischenbilanz: Der Technologieriese musste einen Gewinneinbruch auf 501 Millionen Euro melden, nach 1,4 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Gleich mehrere Sondereffekte schlugen durch: Weil Siemens nach Fukushima ein gemeinsames Projekt mit dem Atomkonzern Areva kündigte, wurden Entschädigungszahlungen fällig. In der Medizintechniksparte fielen hohe Abschreibungen an. Dafür stiegen die Aufträge um 20 Prozent, vor allem wegen des Bahn-Auftrags für die neuen ICx-Züge. Auch der Umsatz legte zu. Chef Peter Löscher warnt jedoch: "Die Risiken des weltwirtschaftlichen Umfelds nehmen derzeit eher zu." Die Aktie sank um rund ein Prozent.

[] MAN: Große Nachfrage nach großen Fahrzeugen: Dank des Lkw-Booms haben die Münchner ihren Gewinn im zweiten Quartal fast verdoppelt, unterm Strich waren es 289 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 17 Prozent auf mehr als 4,2 Milliarden. MAN blickt jetzt noch ptimistischer aufs Gesamtjahr und rechnet nun mit einem Umsatzplus zwischen 10 und 15 Prozent. Trotzdem ein Kursverlust von fast zwei Prozent.

[] Lufthansa: Krisen, Katastrophen und teures Kerosin haben den Höhenflug der Lufthansa gebremst. Zwar war die Nachfrage im ersten Halbjahr so stark, dass der Umsatz um elf Prozent auf 14,1 Milliarden stieg. Doch überraschend schaffte es die Fluggesellschaft mit einem operativen Gewinn von drei Millionen Euro nur knapp in die Gewinnzone zurück. Vor einem Jahr hatte der Vulkanausbruch auf Island für ein dickes Minus gesorgt. Immerhin läuft das Frachtgeschäft hervorragend, Lufthansa Cargo verpasste nur knapp einen Rekordwert. Wegen Abschreibungen auf Treibstoff-Geschäfte verdoppelte sich der Lufthansa-Verlust auf 206 Millionen Euro. Um mehr als drei Prozent gab die Aktie nach.

[] Bayer: Gute Zahlen bei der Chemie, aber miese im Pharmageschäft - so lässt sich die Bilanz der Leverkusener zusammenfassen. Immer stärker setzen die Hersteller billiger Nachahmerpräparate der Medizinsparte von Bayer zu. Doch der Chemie-Boom und das starke Agro-Chemiegeschäft brachten letztlich ein Umsatzplus von 0,8 Prozent (auf rund 9,3 Milliarden Euro) sowie einen Gewinnanstieg auf 747 Millionen Euro (nach 530 Millionen im Vergleichsquartal). Ein Minus von drei Prozent war die Folge.

[] BASF: Chemieprodukte sind so gefragt, dass die Ludwigshafener den Gewinn auf 1,5 Milliarden steigern konnten (nach zuvor 1,2 Milliarden). Der Umsatz kletterte um 13,9 Prozent auf 18,5 Milliarden Euro. Dabei half der jüngste Zukauf des Spezialchemiekonzerns Cognis. Negativ: Die Schwäche des US-Dollars drückt auf die Erlöse bei Geschäften mit Übersee, außerdem kann die Erdölförderung der Tochter Wintershall in Libyen in diesem Jahr wohl nicht mehr angefahren werden. Am Ende des BASF-Geschäftsjahrs soll trotzdem ein neues Spitzenergebnis stehen. Mehr als fünfeinhalb Prozent gab die Aktie nach.

[] Infineon: Der Halbleiterhersteller schwimmt auf der Erfolgswelle der Autoindustrie: Die Bayern konnten ihren Umsatz um fünf Prozent auf mehr als eine Milliarde steigern. Der Gewinn sank unterm Strich allerdings deutlich von 572 Millionen Euro auf 190 Millionen Euro - hier schlug der Verkauf der Infineon-Handychipsparte durch. Die strategische Ausrichtung Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit sei trotzdem richtig, versicherte Vorstandschef Peter Bauer. Die Aktie sank dennoch um knapp 3,5 Prozent.