Klimaschutz:Viel Arbeit, aber machbar

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Klimaschutz: "Ist das Klima noch zu retten?" Olaf Bandt, Martin Eisenhut und Sabine Nallinger (v. l.) mit Moderatorin Hannah Wilhelm. Zugeschaltet aus Essen: Bernhard Osburg.

"Ist das Klima noch zu retten?" Olaf Bandt, Martin Eisenhut und Sabine Nallinger (v. l.) mit Moderatorin Hannah Wilhelm. Zugeschaltet aus Essen: Bernhard Osburg.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Welche Auswirkungen hat die aktuelle Energiekrise auf die Klimapolitik? Und kommt die deutsche Industrie trotzdem voran bei ihren Klimazielen? Einfach wird es nicht.

Von Elisa von Grafenstein

Vermutlich braucht es eine gute Portion Optimismus bei der Frage: "Ist das Klima noch zu retten?" Die Folgen sind bekannt, sollte die Welt es nicht schaffen, die Erderhitzung zu bremsen: Wetterextreme, ein deutlicher Anstieg des Meeresspiegels, der ganze Völker aus ihrer Heimat vertreiben würde, Hitzewellen, Dürren oder Starkregen, ausgefallene Ernten.

Die vier Experten, die sich zu diesem Thema auf dem Podium des SZ-Nachhaltigkeitsgipfels getroffen haben, zeigen sich jedenfalls recht zuversichtlich, dass zumindest Deutschland seine Klimaziele erreichen kann. Die Bundesrepublik will bis zum Jahr 2045 klimaneutral sein und hat sich im Pariser Klimaabkommen dazu verpflichtet, den globalen Temperaturanstieg mit den anderen Staaten auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.

Noch ist Deutschland aber weit davon entfernt, Vorbild zu sein: Das Land verursacht in Europa die meisten Treibhausgase, 1,85 Prozent der weltweiten Ausstoßes. So schränkt Olaf Bandt, Vorsitzender des Naturschutzvereins BUND, denn auch seine Einschätzung gleich ein: "Wir schaffen es auf jeden Fall - wenn wir es wirklich wollen." Aus seiner Sicht sendet die Politik, zuletzt auf dem G-7-Gipfel in Elmau, dazu gerade aber "eher zweideutige Signale". Mit dem Ausbau der LNG-Terminals sei etwa ein Einstieg in neue fossile Infrastrukturen beschlossen worden, der nicht einmal zeitlich befristet wurde.

Gas, das freilich die Industrie dringend benötigt, wie Bernhard Osburg, Vorstandsvorsitzender von Thyssenkrupp Steel Europe, bestätigt: "Wir werden für die Umstellung von Kohle hin zu grünem Strom und dann hoffentlich auch grünen Wasserstoff übergangsweise Erdgas brauchen", sagt er. Und die ist bei Thyssenkrupp bitter nötig: Thyssenkrupp gehört zu den größten Treibhausgas-Verursachern Deutschlands, allein das Duisburger Stahlwerk ist für rund zwei Prozent der deutschen CO₂ -Emissionen verantwortlich. Bis 2030 will der Konzern den Ausstoß um ein Drittel senken. Die Industrie brauche für die Umstellung aber Geld aus Brüssel, die Produkte würden sich sonst "drastisch" verteuern, sagt Osburg.

Einig sind sich alle, dass die Firmen neuerdings in Sachen Klimaschutz die Politik geradezu überholen. Martin Eisenhut von der Beratungsfirma Kearney stellt fest, dass die Sensibilität für das Thema "extrem hoch" ist, bei Managern, aber nicht zuletzt auch bei den Mitarbeitern. Das sieht auch Sabine Nallinger von der Stiftung Klima Wirtschaft, einem Interessenverband, der die Klimapolitik von mehr als 30 Großunternehmen bündelt. Die Unternehmen hielten auch in der schwierigen Lage an ihren Klimazielen fest. Trotzdem, die Zeit drängt, sagt sie: "Bis 2045 sind es 23 Jahre, das ist in der Industrie nichts." Neben der CO₂-Einsparung seien auch Effizienz und eine bessere Kreislaufwirtschaft wichtig.

Auch Umweltschützer Bandt sieht ein großes Klima-Engagement in der Industrie, die noch bis vor wenigen Jahren den Energiewandel blockiert habe. Dafür erkennt er im Moment "große Verwirrung in der Ampel". Und verweist auf die jüngsten Streitigkeiten über Ausnahmeregelungen beim Verbrenner-Aus für mit E-Fuels betriebene Fahrzeuge, einer Technologie "mit einem immensen Verbrauch erneuerbarer Energie", die dann für grünen Wasserstoff fehlte. Auch die Senkung der Steuer für Kraftstoffe oder die Förderung von Dienstwagen nennt er als Beispiele einer Politik, die weder ökologisch noch sozial gerecht sei. "Da kommt noch eine Herausforderung auf die Ampel und Herrn Lindner zu, die sich gewaschen hat."

In einem sind sich die Podiumsmitglieder einig - bei aller Zuversicht: Ohne Verzicht wird es nicht gehen.

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